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Erfolgreich: Hilfe für Frauen in Not

Ahrensburg Erfolgreich: Hilfe für Frauen in Not

750 Frauen mit ihren Kindern haben im Frauenhaus in den vergangenen zwei Jahrzehnten Schutz gefunden.

Ahrensburg. 04102/81709: Das ist die Nummer unter der Frauen, die vor häuslicher Gewalt fliehen müssen und einen sicheren Unterschlupf brauchen, Schutz finden. Und das seit 20 Jahren. So lange bietet die Ahrensburger Einrichtung den Frauen und auch ihren Kindern einen sicheren Rückzugsort, um der Brutalität zu Hause zu entkommen. Hier können sie zur Ruhe kommen, können ihr Leben überdenken und ohne Druck Entscheidungen fällen. Die drei Mitarbeiterinnen Claudia Rattmann, Silvia Roos und Elke Mahr helfen bei der Entwicklung einer neuen Lebensperspektive.

 

LN-Bild

Claudia Rattmann (l.) und Silvia Roos betreuen die hilfesuchenden Frauen. Ihre Zahl steigt stetig an.

Quelle: K. Kuhlmann-Schultz

Jede Frau ab 18 Jahren und ihre Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht sind oder die verfolgt werden, können unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Staats- und Glaubenszugehörigkeit und ihrer finanziellen Lage im Frauenhaus Stormarn aufgenommen werden. Soweit der Ansatz des Frauenhauses. Aber nicht immer gelingt das – zum Bedauern der Mitarbeiterinnen. „Wir müssen pro Woche zwei bis drei Frauen mit ihren Kindern abweisen“, erklärt Mitarbeiterin Claudia Rattmann. Und das, obwohl das Frauenhaus seine Kapazitäten im Laufe der Jahre erweitern konnte. Gab es zu Gründungszeiten zwölf Betten, stehen mittlerweile im Notfall auch 16 zur Verfügung plus Gitterbettchen für Kleinstkinder. Aber das Problem von früher ist geblieben: Platz ist nie ausreichend vorhanden. Trotzdem konnte in den vergangenen Jahrzehnten 750 Frauen und auch 750 Kindern geholfen werden. Grundsätzlich gilt, dass das Bedürfnis, Schutz zu finden, zugenommen hat. Der Aufenthalt im Frauenhaus ist eine vorübergehende mietfreie Wohnmöglichkeit – mit Unterstützung von den Mitarbeiterinnen. „Wir haben hier Frauen, die das schnell durchziehen, wir haben aber auch Frauen, die drei bis sechs Monate hier sind“, erklärt Rattmann. Was unter anderem daran liegt, dass „der Wohnungsmarkt so grauenvoll ist“. Je mehr Kinder die Frauen hätten, desto schwieriger sei es. Aber auch Migrantinnen hätten Probleme, eine Wohnung zu bekommen. Das sei dem Rassismus in der Gesellschaft geschuldet.

Gebessert hat sich in den 20 Jahren, dass die Frauen ihren Aufenthalt im Frauenhaus nicht mehr selbst finanzieren müssen. „Politisch war das am Anfang wirklich gruselig“, erinnert sich Rattmann, die seit 18 Jahren im Ahrensburger Frauenhaus arbeitet. Doch 1999 kam die Festplatzfinanzierung im Rahmen des Finanzausgleichsgesetz. „Das ist eine große Errungenschaft.“ Die sichert die Frauenhäuser ab, aber nur in Schleswig-Holstein, Berlin und Hamburg. Rattmann und auch ihre Kollegin Silvia Roos fordern deshalb eine bundesweite gesetzlich gesicherte Finanzierung der Frauenhäuser. Denn „wenn die Frauen sich an der Finanzierung beteiligen müssen, dann überlegen sie doppelt, ob sie überhaupt ins Frauenhaus gehen“. Egal, wie schwierig und unerträglich ihre Situation zu Hause sei.

Hier brauchen sich die Betroffenen keine Gedanken darüber zu machen. Sie können sich voll und ganz darauf konzentrieren, welchen Weg sie weiter gehen wollen. „Es hat zugenommen, dass Frauen wieder in ihre Situation zurückgehen. Was daran liegt, dass Frauen den Wunsch haben, die Familie zusammenzuhalten“, so Silvia Roos. Mittlerweile gebe es viel Täterarbeit, es ginge oft darum, eine gemeinsame Lösung zu finden. „Gerade dann, wenn Kinder dabei sind.“ Egal in welche Richtung der Weg der Frauen führt, in der Regel verlieren sie erst einmal viel, ihr Umfeld, im Zweifel ihren Job, die Kinder verlieren ihre Freunde, ihren Kindergarten, ihre Schule. Denn der Einzug ins Frauenhaus ist immer mit einem Ortswechsel verbunden. „Es ist sinnvoll, dass die Frauen in ein Haus kommen, das nicht in ihrem Umfeld liegt.“ Die Gefahr, dass der Partner vor der Tür steht sei groß. „Es wird zunehmend schwieriger Frauen, die hoch gefährdet sind, zu schützen“, erklärt Rattmann. In Zeiten der Digitalisierung um so mehr, also in Zeiten, in denen schnell noch mal ein Bild gepostet wird oder das Handy geortet werden kann. „Wir versuchen die Frauen dafür zu sensibilisieren“, erklären Rattmann und Roos.

„Gewalt an Frauen muss viel mehr gesellschaftlich geächtet werden“, fordert Rattman. „Wir hatten schon bessere Zeiten. Die Scham steigt wieder, das Problem wird wieder mehr individualisiert.“ Silvia Roos setzt auf Prävention bereits im Kindergarten. Und darauf, dass „wir die Menschen mit ihren Sorgen ernst nehmen, egal ob Frau oder Mann“.

Frauen helfen Frauen

Träger des Frauenhauses ist der Verein Frauen helfen Frauen aus Bad Oldesloe. Auch die Frauenfachberatungsstelle in der Bad Oldesloer Bahnhofstraße gehört dazu. Hier gibt es Beratung bei sexualisierter und häuslicher Gewalt, psychosoziale Beratung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Schwangeren- und Familienhilfeberatung oder auch Beratung zu Essstörungen. Hilfe unter 04531/8 67 72, das Frauenhaus ist unter 04102/81709 erreichbar.

Die Finanzierung von Frauen helfen Frauen erfolgt großenteils durch das Land, den Kreis Stormarn, der Stadt Bad Oldesloe sowie andere Städte und Gemeinden. Unterstützt wird das Frauenhaus auch von Sparkassen-Sozialstiftung, die damit das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche sichert.

K. Kuhlmann-Schultz

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