Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Ergreifende Bilder und Gesichter voller Hoffnung
Lokales Stormarn Ergreifende Bilder und Gesichter voller Hoffnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:12 09.08.2016
Ann-Charlott Pahl, Sehad Shakra und Vidad Drehij (v.l.) schauen sich die Ausstellung in der Oldesloer Sparkassenfiliale an. Fotos (2): von Dahlen
Anzeige
Bad Oldesloe

Größer könnte der Kontrast nicht sein: hier fröhliche Gesichter, ein blau leuchtender Pool im Garten und nur wenige Fotos weiter liegt das Haus in Trümmern da. Die syrische Familie konnte sich zum Glück noch rechtzeitig retten. Doch ihre Existenz wurde unter dem Bombenhagel religiöser Fanatiker komplett ausgelöscht.

Zur Galerie
Ann-Charlott Pahl, Sehad Shakra und Vidad Drehij (v.l.) schauen sich die Ausstellung in der Oldesloer Sparkassenfiliale an. Fotos (2): von Dahlen

Diese Aufnahmen von ihrer Familie und weiter Motive aus der syrischen Heimat stammen von Vidad Drehij. Wie viele andere, die es geschafft haben, mit heiler Haut aus dem umkämpften Nahen Osten zu fliehen und derzeit in Bad Oldesloe leben, hat auch sie sich an der Ausstellung „Schau mal, ich erzähl dir was ...“ beteiligt.

Angeregt und kuratiert hat Sopranistin Martina Doehring die Bilderschau in der Oldesloer Sparkassenfiliale in der Hagenstraße. „Auf den Rückseiten der Stellwände sind Fotos aus der Heimat, in der Mitte Bilder, die hier aufgenommen wurden. Sie geben mitunter sehr intime Einblicke. Dies ist aber nur ein Auszug“, sagte die Künstlerin bei der Vernissage am Montagabend. In durchwachten Nächten habe sie 10000 Fotos aus den Handykameras der Neuankömmlinge durchforstet und nach einzelnen Lebensbereichen sortiert.

Filialleiter Oliver Ruddigkeit zeigte sich erfreut, wie viele Menschen zur Eröffnung gekommen waren. Auf keinen Fall wollte Ann-Charlott Pahl den Termin verpassen. Die junge Oldesloerin ist seit einigen Monaten mit Vidad Drehij befreundet und hat sie als Sprachpatin tüchtig unterstützt. „Manchmal treffen wir uns zum Kaffeetrinken, spielen Tennis oder Minigolf“, erzählte sie.

Demnächst wolle sie mit der Freundin und ihren beiden Söhnen in den Tierpark fahren. Und war auch klar, dass sie die Syrerin zu ihrer ersten öffentlichen Ausstellung begleiten würde.„Die Bilder zeigen, wie glücklich wir vor dem Krieg waren. Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und musste abbrechen“, kommentierte Vidad Drehij ihre Bilder.

Auch Sehad Shakra aus Trittau ließ sich die Vernissage nicht entgehen. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines syrischen Vaters studierte er hierzulande und übt inzwischen den Beruf des Zahntechnikermeisters aus. „Die Fotos lassen viele Geschichten im Kopf entstehen. Angefangen von der wahnsinnig riskanten Flucht im Schlauchboot übers Mittelmeer bis hin zu Szenen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Aber überall sieht man die Hoffnung in den Gesichter. Alle blicken irgendwie zuversichtlich“, sagte Sehad Shakra. Zu den Ereignissen in seiner einstigen Heimat befragt, äußert er sich ganz entschieden: „Das ist schrecklich. Die Islamisten gehören gar nicht zu Syrien. Sie sind wie ein Krebsgeschwür. Was wir jetzt aus Syrien hören, gab es bei uns nie.“

Zum Abschluss der Vernissage gab Martina Doehring ein Lied zum Besten und lud Shirin (13) aus Syrien und Mehria Roshan (17) aus Afghanistan zu einer kleinen Improvisation am Klavier ein. Das Publikum belohnte den mutigen Einsatz mit großem Applaus. Mehria wohnt übrigens seit 2014 in Bad Oldesloe, spricht inzwischen fließend Deutsch und besucht die Theodor-Storm-Schule.

Selbst aus Hamburg waren Besucher angereist. „Mich haben die Bilder beeindruckt, vor allem, weil viele der Menschen, die auf den Bildern zu sehen sind, hier persönlich anwesend sind und wir mit ihnen sprechen können“, sagte Anke Leidreiter. Annette Dinkels kam auf Einladung von Martina Doehring. „Sie ist sehr engagiert und hat mich neugierig gemacht. Für mich ist es das erste Mal, dass ich so intensiven Kontakt zu Flüchtlingen habe“, erzählte sie.

Details sind wichtig

Sortiert sind die Fotos danach, ob sie in Syrien oder Stormarn aufgenommen wurden. Aus der Zusammenstellung ergeben sich auch Themen wie Religion, Freizeit, Natur, Wünsche und viele andere Aspekte. Genaues Hinsehen lohnt sich. Oft liegt die Aussage im Detail. Zu sehen sind die Fotos bis zum 26. August in der Sparkasse, Hagenstraße 19, in Bad Oldesloe.

Dorothea von Dahlen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

1 Was macht Höltenklinken so besonders? Sicherlich der alte Baumbestand und die Verbindung der Wohnbebauungen und dem Gut. Außerdem zeichnet sich Höltenklinken durch seine idyllische Lage aus.

09.08.2016

Ein 17-Jähriger ist in Glinde Opfer eines Raubüberfalles geworden. Der Jugendliche wurde von zwei etwa gleichaltrigen Tätern überfallen.

09.08.2016

Mit Hilfe von Augenoptiker Fielmann wird prächtige Allee wieder aufgeforstet.

09.08.2016
Anzeige