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Stormarn Erhard Graf wurde heute vor 30 Jahren zum Pastor ernannt
Lokales Stormarn Erhard Graf wurde heute vor 30 Jahren zum Pastor ernannt
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21:15 29.10.2013
Weiß, dass sich einige in Hamberge und Klein Wesenberg den alten Pastor zurück wünschen: Erhard Graf. Quelle: Archiv
Klein Wesenberg

Sein 30. Ordinariatsjubiläm feiert heute Klein Wesenbergs und Hamberges Pastor Erhard Graf (59). Und wenn der in der Lutherstadt Wittenberg geborene Pastor auf diese Zeit zurückblickt, dann wird eine Karriere sichtbar mit Beulen, mit Rückschlägen.

In Weimar wurde der Vikar Erhard Graf am 30. Oktober 1983 zum Pfarrer ernannt. Die ersten ersten Dienstjahre in der DDR seien prägend gewesen, berichtet er. Nach dem Wendeherbst 1989 bekam er die Aufgabe als Moderator und Mediator an mehreren Runden Tischen unter anderem im Raketenabwehrstandort Sprötau. Der Pastor wurde in den kirchlichen Ausschuss zur Neugestaltung der Militärseelsorge berufen. Mit dem Wissen um die rechtlichen und praktischen Möglichkeiten erfolgte im November 1993 der Wechsel nach Kiel als Militärpfarrer.

Bei der Marine war Graf unter anderem zuständig für das Segelschulschiff „Gorch Fock“. Doch diese Zeit endete mit einer Enttäuschung: „Nach zwölf Jahren Militärseelsorge sollte theoretisch die Rückkehr in ein Gemeindepfarramt folgen. „Stattdessen kam der sofortige Rauschmiss aus der Dienstwohnung und über 50 erfolglose Bewerbungen, denn Militärpfarrer haben für die Entscheidungsträger der Gemeinden einen sehr schlechten Ruf.“ Zunächst waren nur Vertretungen in Klausdorf und Schönkirchen möglich. Nur ein Jahr später dann erfuhr Erhard Graf, dass sein ehemaliger Kollege in der Thüringischen Landeskirche, der Propst und der Sprengelbischof, weit über das erträgliche Maß mit Stasileuten zusammen gearbeitet hatte. „Da erscheinen die ersten zehn Amtsjahre plötzlich in einem ganz anderen Licht“, blickt Graf zurück.

Zum 1. Mai 2008 erfolgte „die Berufung als Gemeindepastor in die beiden sehr eigenständigen Kirchengemeinden Hamberge und Klein Wesenberg“. Schon bald habe es die ersten Stoßgebete „Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Pfarrer, die aus dem Osten sind“, berichtet der Pastor. „Da liegen wohl zwischen dem persönlichen Weg zum Glauben in der ehemaligen DDR und dem kirchlichen Leben im Stormarner Alltag gewaltige Gräben, die sich nur sehr langsam überwinden lassen.“ So gebe es bis jetzt in viele persönlich Unzufriedene, die sich den alten Pastor zurück wünschten.

Vielleicht, weil Graf nicht immer da ist. Durch sein Gemeindegebiet verläuft der im Jahr 2009 eröffnete Jakobsweg. Jedes Jahr pilgern Hunderte den Weg von Lübeck oder Bad Oldesloe, machen Rast an der Kirche, die sich als alter spiritueller Kraftort erweist. „Viele Gespräche über die persönliche Sinnsuche haben sich ergeben“, sagt Pastor Graf. „Da lag es nahe, sich spirituell zum Pilgerbegleiter ausbilden zu lassen und selbst so oft es möglich ist auf Pilgerwegen auf der Suche nach Gott zu sein.“ So gelte für ihn zu seinem zum 30. Ordinationsjubiläum damals wie heute die Erkenntnis Martin Luthers: „Allein Gott, allein der Glaube, allein Christus, allein die Schrift.“ Es sei unwahrscheinlich das sich an dieser urevangelischen Einstellung etwas ändere, „und dass Pastor Graf in Zukunft den Leuten nach dem Mund reden wird“, sagt er.

LN

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