Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Wie Pastor Graf Erntedank zelebriert
Lokales Stormarn Wie Pastor Graf Erntedank zelebriert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:05 06.10.2018
Die Kirche in Klein Wesenberg war am vergangenen Sonntag zum Erntedank-Gottesdienst festlich geschmückt. Quelle: HFR
Klein Wesenberg

 Erntedank – ein Fest mit großer Symbolkraft. Man denkt ans Binden der Erntekrone, an Dorfidylle und Bauern, die Obst pflücken und Kühe melken. Aber gibt es das im Zeitalter der Hightech-Landwirtschaft überhaupt noch? „Früher haben die Menschen das Umgehen mit dem anvertrauten Gut sehr bewusst wahr genommen. Das ist heute weitgehend verloren gegangen, weil kaum noch Menschen ernten. Man kauft stattdessen fertige Lebensmittel im Supermarkt, und die sind auch noch so stark bearbeitet, dass der natürliche Gehalt immer geringer wird“, weiß Pastor Erhard Graf von der Ev.- Luth. Kirchengemeinde Klein Wesenberg.

Tradition hat sich in Stormarn erhalten

Dennoch habe sich die Tradition Erntedank in Stormarn noch erhalten. „Erntedank ist einer der Termine, wo die Gottesdienste gut besucht sind, weil wir anders als in anderen Regionen noch verhältnismäßig viele Landwirte haben.“

Erntedank-Gottesdienst in Hamberge

Am heutigen Sonntag, 7. Oktober, um 10 Uhr, feiert Hamberge, eine der kleinsten Kirchengemeinden in der Propstei Segeberg, in der besonders geschmückten Kirche nach langer Zeit wieder einen traditionellen Erntedank-Gottesdienst.

Die Menschen in Klein Wesenberg hätten tagtäglich direkten Kontakt zur Landwirtschaft. Schon deshalb würde ihnen Erntedank etwas bedeuten. „Wenn hier Mais gehäckselt wird, sieht das ganze Dorf aus wie Sau. Auch wenn das nicht schön ist, es gehört eben dazu.“ Auch die Kinder in der Gemeinde hätten einen engen Bezug zur Landwirtschaft. „Die können hier wirklich erfahren, wie das bäuerliche Leben ist. Zwei Landwirte bringen unseren Kindergartengruppen aus Klein Wesenberg und Hamberge nahe, wie Landwirtschaft funktioniert. Was es bedeutet, Lebensmittel wie Kartoffeln anzubauen – vom Saatkorn bis zur Ernte.“

Landfrauen kümmern sich um die Erntekronen

Pastor Graf ist gleich für drei Gemeinden zuständig: Klein Wesenberg, Hamberge und das landwirtschaftliche Institut Trenthorst. „Alle drei möchten ihren Erntedank-Gottesdienst haben“, erzählt der Pastor. Und zwar mit Erntekrone und allem, was dazu gehöre.

Im Jahr 2011 wurde in Klein Wesenberg eine Erntekrone gebunden. V.l.: Bärbel Zeidler, Petra Hochstein, Kathrin Gerken und Sabine Möller Quelle: LN-ARCHIV

Die Landfrauen kümmerten sich um die Kronen. „Die werden aber nicht jedes Jahr neu gebunden. Das ist viel zu aufwendig.“ Außerdem sei es nicht leicht, Frauen zu finden, die das Handwerk noch beherrschten. Also würden die Erntekronen gehegt und gepflegt. „Sie werden alljährlich gut verpackt, sicher vor Mäusen aufbewahrt, zum Erntedank wieder rausgeholt und in der Kirche mit den Farben von Schleswig-Holstein aufgehängt.“

Spenden für die Reinfelder Tafel

In Klein Wesenberg war der Erntedank-Gottesdienst am vergangenen Sonntag ein voller Erfolg. Mehr als 100 Leute waren zugegen. Der Chor hat gesungen, die Kirche war mit Strohklappen, Früchten und Gemüse geschmückt. Eltern hatten zuvor die Lebensmittel in den Kindergärten abgegeben. Mit zwei Bollerwagen wurden die Äpfel, Kürbisse und Kartoffeln in die Kirche transportiert, der Pastor erzählte den Kindern etwas dazu. „Damit die Mädchen und Jungen wissen, dass die Lebensmittel nicht für den Pastor und den Küster gedacht sind, sondern dass wir sie am Montag nach dem Gottesdienst zur Reinfelder Tafel bringen. Auch die Kollekte, die während der Erntedank-Gottesdienste gesammelt wird, geht an die Reinfelder Bedürftigen“, so Graf.

Heute Erntedank-Gottesdienst in Hamberge

Am heutigen Sonntag um 10 Uhr findet der Erntedank-Gottesdienst in Hamberge statt. Am Mittwoch, 17. Oktober, wird Pastor Graf in Trenthorst eine Erntedank-Andacht halten. Anschließend findet das Mitarbeiterfest statt. Der erste Sonntag im Oktober ist der eigentliche Termin für das Erntedank-fest. Erfahrungsgemäß ist die Ernte dann bis auf die Rüben eingebracht. „Aber Erntedank ist kein klassisches biblisches Datum. Deshalb gibt es die Möglichkeit, einen Sonntag davor, einen Sonntag danach oder auch an einem anderen Tag wie in Trenthorst zu feiern“, informiert der Pastor. Davon werde zunehmend Gebrauch gemacht, da die Pastoren heutzutage mit dem immer dünner werdenden Personalbestand mehrere Gemeinden betreuen müssten. „Selbst mit gutem Management würde ich nicht mehr als zwei Gottesdienste am Tag schaffen.“ Grafs Gemeinden hätten sich jeweils Gottesdienste am Vormittag gewünscht, deshalb gebe es nun Termine an drei Tagen.

Keine lange Predigt

Lange predigen wird Pastor Erhard Graf weder heute in Hamberge noch in Trenthorst. Auch wenn er einen klassischen Gottesdienst mit Liedern wie „Wir pflügen und wir streuen“ von Matthias Claudius versprochen hat. „Die Leute kommen doch nicht für eine lange Predigt“, weiß der Seelsorger aus Erfahrung. Auf klassische Erntedanklesungen dürfen sich die Besucher freuen, etwa auf die kurze Geschichte vom reichen Kornbauern, der nichts abgibt. „In dem Gleichnis geht es um grundsätzliche Lebenshaltungen“, so Graf.

Pastor Erhard Graf verleiht dem Erntedankfest einen modernen und hochaktuellen Inhalt. Quelle: E-Mail-LN-Stormarn

Dürfen wir Fleisch verdammen?

In seinem Predigttext wird Graf auch eine aktuelle Frage aus den Briefen des Neuen Testaments behandeln. „Damals war es religiös-legitim, heute ist es ideologisch: Es geht um die Frage, dürfen wir bestimmte Lebensmittel verdammen“, so Graf und meint damit Leute, die kein Schweinefleisch oder überhaupt kein Fleisch oder tierische Produkte essen. „Paulus sagt: Alles, was wir von Gott empfangen, ist gut. Wir können nichts verdammen, das von Gott stammt.“ Das sei Tenor seiner Predigt. In Trenthorst werde er zudem das Dilemma in den Mittelpunkt stellen, dass weltweit ein Viertel der Brotproduktion weggeworfen werde. „Die Backwaren gehen nicht an die Tafeln oder in die Tierproduktion, sondern der größte Teil wird geschreddert, und zwar mitsamt Plastikverpackung.“ Graf muss dabei an den Greenpeace-Spruch der 80er denken: „Erst, wenn der letzte Fisch gestorben ist, werdet ihr merken, das ihr Geld nicht essen könnt.“

Britta Matzen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

 Musik begleitet den Oldesloer Hartwig „Haddy“ Gramkow (56) als Konzertbesucher, Ex-Chef einer Musikkneipe und Musiker in drei Bands. Die schönsten Konzertkarten seit 1981 hat er aufgehoben.

06.10.2018

Nachdem die Raiffeisenbank Bargteheide den Bahnhof gekauft hat, kann die Umgestaltung des Bahnhofs-Umfeldes beginnen.

08.10.2018

Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen standen im Mittelpunkt einer neuen Vortragsreihe, die jetzt in Ahrensburg begonnen hat. Professor Helgo Magnussen und Sohn Götz referierten.

05.10.2018