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Stormarn Erntehelfer irrten durch Hamberge
Lokales Stormarn Erntehelfer irrten durch Hamberge
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23:25 13.06.2018
Wie Flüchtlinge marschierten die Erntehelfer aus Rumänien mit ihren wenigen Habseligkeiten zur Hamberger Sporthalle. Quelle: Fotos: Burmester
Hamberge

Zunächst waren es mehr als 30 Personen mit Koffern, Taschen und Plastiktüten, die da am Abend an der Bushaltestelle bei der Hamberger Kirche saßen. Später waren nur noch elf Menschen dort. Alle hatten auf dem Erdbeerhof gearbeitet und wollten nun ins heimische Rumänien. Das zumindest vermittelten sie vor Ort den LN.

Eine Gruppe von etwa 30 Menschen ist am Dienstagabend durch Hamberge geirrt. Auf den ersten Blick sahen sie aus wie Flüchtlinge. Doch es waren rumänische Erntehelfer, die spontan ihren Dienst auf dem Erdbeerhof Fennert quittiert hatten. Einige übernachteten in der Sporthalle.

Dafür hatten sie einen Busfahrer mit einem Kleinbus der Sprinterklasse angeheuert. „Diese Fahrer bringen uns die Menschen, zumeist aus Rumänien, die hier bei uns Arbeit finden. Die Fahrt kostet jeden einzelnen Erntehelfer 150 Euro. Das Geld zahle ich an den Fahrer. Wer bei mir die Saison durcharbeitet, muss das auch nicht zurückzahlen“, sagt André Fennert.

Alle 30 Rumänen hatten zuvor bei Fennert gekündigt. „Sie wollten“, so der Unternehmer, keine Erdbeeren mehr pflücken. Zu tief säßen die Früchte und sie wollten lieber in Spanien Gurken ernten oder woanders noch anderes Gemüse.“ Wieder andere hätten angebliche Probleme in Rumänien bei der Familie vorgeschoben.

Bereits früh am Morgen hatte eine Gruppe aufgehört zu arbeiten und verlangte eine Abrechnung und die Auszahlung ihres Lohnes. Um keinen Fehler zu machen, suchte Unternehmer Fennert Rat beim Zoll in Lübeck und bei seiner Unternehmensberatung, die sogar einen Mitarbeiter schickte. Weil es zuvor aus dieser Gruppe heraus auch eine Bedrohung mit einem Messer gegen andere Arbeiter gegeben haben soll, sprach Fennert auch bei der Polizei vor.

Schließlich setzte er alle Hebel in Bewegung und zahlte Männer und Frauen aus Rumänien aus. Einige waren zehn Tage dabei, einige sogar nur einen Tag. „Ich musste bei einigen dieser Rumänen sogar Abstriche machen und habe das Geld, dass ich denen gezahlt hatte, abgeschrieben“, sagt Fennert. Alle Personen hätten dann das Gelände ohne Probleme verlassen. Doch sie gingen nur um die Ecke zur Bushaltestelle an der B 75. Dort wurden etwa 20 Personen abgeholt, die anderen sollten gegen 22 Uhr folgen. Doch ein Bus kam nicht.

Daraufhin nahm sich Bürgermeister Paul-Friedrich Beeck der Sache an und brachte die Gruppe der elf Rumänen, darunter auch eine schwangere Frau, in der nahen Sporthalle unter. Auf Nachfrage erklärte der Bürgermeister, dass die Menschen dort geschlafen hätten. Erst am frühen Morgen gegen 7.30 Uhr sei der Bus dort gewesen und habe die Rumänen abgeholt. Ob sie nun nach Rumänien gefahren sind, oder wohl doch eher zu einer anderen Arbeitsstelle, ist nicht bekannt.

 Von Jens Burmester

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