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Stormarn Erntezeit: Statt Urlaub auf den Acker
Lokales Stormarn Erntezeit: Statt Urlaub auf den Acker
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07:26 25.07.2016
Landwirt Teo Claussen montiert die Schneide an den Mähdrescher, damit der das Gerstenfeld an der Schuhwiese mähen kann. Quelle: ukk
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Reinfeld

Es sollte nochmal ein fröhlicher Schultag an der Reinfelder Immanuel-Kant-Schule werden. Ein Sportduell zwischen den fünften Klassen und den Schülern der Oldesloer Landwirtschaftsschule. Mit Völkerball, mit Fuß- und Schlagball. Aber dann sollte das Wetter plötzlich gut werden – und die jungen Landwirte mussten hinaus auf die Felder statt Völkerball zu spielen.

„Während der Ernte ist eben nichts mit Urlaub“, sagt Teo Claussen aus Ratzbek. Drei Wetterapps hat er inzwischen auf dem Handy. „Und jede macht eine andere Wetterprognose.“ Für den Abend ist an diesem Tag sogar eine Tornadowarnung ausgegeben worden. „Aber wir konnten wegen der Feuchtigkeit nicht allzu früh beginnen.“ Bleibt nur die Zeit zwischen etwa zehn Uhr bis zum erwarteten Regen. Landwirt Claussen und Lohnunternehmer Erhard Hesseling arbeiten unter Hochdruck. Während der Mähdrescher durch die vom wechselhaften Wetter oft schon tief gebeugten Ähren pflügt und das Korn schluckt, schleppt der Trecker die Anhänger aufs Feld, damit das kostbare Getreide geladen werden kann. „Bei der Gerste“, weiß Bauer Claussen jetzt schon, „werden wir in diesem Jahr eine unterdurchschnittliche Ernte haben.“ Eigentlich wollten sie schon in der vergangenen Woche mit der Wintergerste begonnen haben. „Aber wir hatten nur eine Stunde Zeit, dann kam schon der nächste Schauer.“ Beim Weizen sei noch nichts verloren. Stormarns Bauern, und nicht nur sie, haben derzeit richtig Stress.

„Wenn sie denn Urlaub machen, dann so zwischen Rapsblüte und Ernte. Anfang bis Mitte Juni“, sagt Stormarns Bauernverbandsgeschäftsführer Peter Koll. Die moderne Technik mache das heute möglich. Schwieriger sei es in der Viehhaltung, weil die Tiere rund um die Uhr und das ganze Jahr betreut werden müssten. Unmöglich sei ein Sommerurlaub dennoch nicht. „Das ist alles eine Organisationsfrage.“ Im Gegensatz zu früher, als auch die Städter nicht so oft in den Urlaub fuhren und fast alle Landwirte noch Vieh hatten.

Und Koll bestätigt, dass es für die Gerstenernte „höchste Zeit“ sei. Ebenso, dass die Erträge im Vergleich zum vergangenen Jahr schlechter ausfallen dürften. Sieben bis acht Tonnen pro Hektar seien zwar keine Katastrophe, aber enttäuschend. Zumal die Preise für Getreide weltweit gefallen sind und der Verbrauch zurückgegangen ist. „Bei Getreide allgemein“, sieht der Verbandsgeschäftsführer in diesem Jahr „keine kostendeckenden Erlöse“.

Als nächstes wird voraussichtlich in der kommenden Woche der Raps von den Feldern kommen, bis zur Weizenernte dauert es noch ein wenig und ab Mitte September ist der Mais dran. Und wenn Mitte Oktober die Felder bestellt, die Lager gepflegt und die Maschinen gewartet sind, dann ist Saisonende im Ackerbau. „Und die arbeitsarme Zeit im Ackerbau beginnt“, sagt Peter Koll. Ob dann eine Urlaubsreise möglich ist, bleibt zweifelhaft. Denn dann, so Koll, gehe es meistens direkt ins Büro – wegen der Bürokratie.

Von Uwe Krog

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