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Stormarn Erst die Schule und dann: Eefjes Landleben in Westerau
Lokales Stormarn Erst die Schule und dann: Eefjes Landleben in Westerau
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00:30 25.01.2017
Täglich nach Schulschluss macht sich Eefje an die Stallarbeit. Sie kümmert sich um die Kühe auf dem Hof von Bernd Ellerbrock in Westerau. Quelle: Fotos: Matzen
Westerau

Was machen Teenies am liebsten in ihrer Freizeit? Bei Youtube Clips gucken, Stars anhimmeln, shoppen gehen? Fehlanzeige. Zumindest bei Eefje Seemann. Die 15-jährige Schülerin aus Westerau opfert ihre knappe Freizeit 80 Milchkühen – und zwar mit Begeisterung.

 

Eefje freut sich über Zuwachs: Das Kälbchen wurde gerade geboren.

Angefangen hat ihre Liebe zur Landwirtschaft, als sie noch klein war und auf dem Hof von Bernd Ellerbrock regelmäßig Milch holte. „Da war ich immer ganz begeistert von den kleinen Kälbern, die dort herumsprangen.“ Als sie acht Jahre alt war, durfte sie bei den Ellerbrocks als Jungzüchterin angefangen. Jungzüchterin? „Ja, man arbeitet mit den Tieren, um sie dann auf der Rinderschau vorzuführen“, erläutert Eefje. „Ostfriesin“ hieß das Kälbchen, um das sie sich kümmern durfte.

Waschen, Fell kämmen, rangieren und führen: „Ich musste ,Ostfriesin‘ beibringen, langsam an der Leine zu laufen“, so die Westerauerin. Ganz schön viel Arbeit sei das gewesen, bis das reibungslos geklappt habe. Aber der Umgang mit dem Tier habe ihr so einen Riesenspaß gemacht, dass sie immer gern freiwillig nach der Schule in den Stall gekommen sei.

„Vor einem Jahr hat sich das ergeben, dass ich das Abwuchten übernommen habe. Also die Tiere zum Melken bringen und die Liegeboxen neu herrichten“, sagt Eefje. Jeden Nachmittag Punkt 16 Uhr steht sie in Gummistiefeln und Stallklamotten auf dem Hof. „Heute musste ich erst mal einem Neugeborenen ins Iglu helfen.“ Das kleine schwarz-weiß-gefleckte, am Morgen geborene Kalb lag nur mit dem Hinterteil in der wärmenden Hütte und war wohl etwas erschöpft, weil es den Vormittag bereits im Stall herumgesprungen war.

„Jetzt muss ich Stroh für die Boxen holen“, erklärt Eefje. Die 15-Jährige schnappt sich eine Schubkarre, prüft die Ballen, die vor dem Stall liegen. „Zu nass“, meint sie und holt sich Stroh vom Förderband in der Scheune nebenan. „Wenn das Stroh zu nass ist, ist das nicht gut für die Euter, die können sich dann entzünden“, sagt die Schülerin, während sie ihre Fuhre in den Stall schiebt.

Die Kühe scheinen bereits zu wissen, was ihnen blüht. Lautes Muhen klingt durch den Stall. Diejenigen, die gemütlich im Stroh lagen, rappeln sich auf und staksen mit den anderen Richtung Melkanlage.

Eefje mittendrin. Hat sie keine Angst, dass die riesigen Rindviecher ausschlagen oder sie über den Haufen rennen? „Ach, dass sie mal treten, das passiert selten. Unsere Kühe sind ganz friedlich“, sagt die Jugendliche lachend und bahnt sich weiter ihren Weg bis zum Ende des Stalls. „Ich befürchte höchstens, dass ich mal auf dem glitschigen Stallboden lande. Ausgerutscht bin in dem Mist nämlich schon öfter mal.“

Dann schnappt sie sich die Forke und beginnt den Stall zu säubern. Ganz schön anstrengend, was? „Ja. Ich habe hier ordentlich Muskeln bekommen. In meiner Klasse bin ich jetzt die Stärkste. Das haben wir beim Armdrücken festgestellt.“

Nachdem der Laufgang und alle 80 Boxen gereinigt sind, verteilt die Schülerin Stroh auf jedem Liegeplatz, danach streut sie Kalk ein. „Auch das sorgt dafür, dass die Boxen trocken bleiben“, informiert die Helferin. Kaum ist diese Arbeit erledigt, kommen die ersten Kühe schon vom Melken zurück. „Das hier ist ,Ostfriesin‘, meine Lieblingskuh. Die erkenne ich unter Hunderten. Sie hat so ein besonderes Gesicht“, sagt Eefje und krault der Schwarzbunten den Kopf. „Das Schönste ist für mich immer, wenn die Kühe sich freuen, so wie jetzt ,Ostfriesin’.“

Im nächsten Sommer macht Eefje, die die Schule am Masurenweg in Bad Oldesloe besucht, ihren Realschulabschluss. „Leider haben meine Eltern keinen landwirtschaftlichen Betrieb. Deshalb möchte ich zur Berufsfachschule gehen, um die Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin zu machen“, sagt die 15-Jährige. Doch bevor es soweit ist, steht noch eine andere große Prüfung an: „Der Treckerführerschein. Den bezahlen mir meine Eltern“.

 Britta Matzen

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