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Es lässt sich gut leben in der Dorfidylle: Aber bleibt das so?

Sühlen Es lässt sich gut leben in der Dorfidylle: Aber bleibt das so?

Sühlen ist stolz auf seine funktionierende Gemeinschaft – Veränderungen deuten sich durch die Ausweisung von neuem Bauland an.

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Eingebettet in die Landschaft, die von Natur und Feldern geprägt wird: Doch auch Sühlen wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern.

Quelle: Uwe Bitsching

Sühlen. Die Welt ist offenbar in Ordnung in Sühlen – friedlich und freundlich, und vor allem gut überschaubar. „Wir wollen hier für immer leben und auf gar keinen Fall weggehen“, zeigen sich Ortswehrführer Jürgen Teege (54) und sein Stellvertreter Udo Bitsching (60) überzeugt. Für Landwirt Teege war das schon immer eine Selbstverständlichkeit, bewirtschaftet er doch den väterlichen Hof. Und die Familie ist bereits seit 1889 in dem Dorf ansässig. Erst vor 20 Jahren ist Udo Bitsching von Bad Oldesloe in das kleine Sühlen gezogen, doch auch er hat es mittlerweile lieben gelernt: „Denn unser Dorf ist noch überschaubar und nicht zu groß.“

LN-Bild

Sühlen ist stolz auf seine funktionierende Gemeinschaft – Veränderungen deuten sich durch die Ausweisung von neuem Bauland an.

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Rund 260 Kinder und Erwachsene leben in den Häusern an den wenigen Straßen. 32 Aktive gehören der freiwilligen Feuerwehr an – sie ist die einzige Organisation, die mit ihrem Gerätehaus und dem darin eingerichteten Schulungsraum einen festen Treffpunkt besitzt. „Unsere Mitgliederzahl ist ausreichend“, sagt Wehrführer Teege. Gut sei der Zusammenhalt, auch Neubürger hätten sich der Löschmannschaft angeschlossen.

Im Falle eines Brandes – und das hofft natürlich niemand – könnten tagsüber allerdings „vielleicht nur vier oder fünf Aktive“ schnell zur Stelle sein, wie Jürgen Teege ausgerechnet hat. Da zeige sich der Wandel, dem auch Sühlen unterliegt: Viele Dorfbewohner arbeiten außerhalb und eben nicht mehr im Ort.

Und diese Situation wird sich in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach nicht verändern. Denn auch Sühlen will weitere Flächen für Bauherren ausweisen, wie Uwe Bitsching erläutert. Er gehört der Gemeindevertretung Travenbrück an und ist als Kommunalpolitiker beteiligt, wenn ein neuer Bebauungsplan verabschiedet werden soll. Zunächst gehe es um die Bebauung von Lücken, die noch im Ortsbild existieren – aber auch ein Neubaugebiet soll geschaffen werden.

„Das sind dann schon 30 weitere Häuser“, rechnet Uwe Bitsching vor. Und da könnten rund 120 Neubürger einziehen – damit werde sich innerhalb von zehn Jahren die Bevölkerungsstruktur verändern. „Das bereitet uns einige Sorgen und wir fragen uns schon: Ist das dann noch das Dorf, das wir kennen?“, so Jürgen Teege und Uwe Bitsching.

Hermann Teege (86), Vater des amtierenden Wehrführers, hat in seiner Jugend große Veränderungen mit erlebt. Zunächst wurden während der Nazizeit 400 Arbeiter eingesetzt, die nur mit Spaten, Schaufel und Schubkarren für die nahe Trave ein neues Flussbett anlegten. „Das war für die Männer eine schlimme Zeit und der Name Sühlen hatte keinen guten Klang“, erinnert sich Hermann Teege.

Wenige Jahre später, 1945 zum Ende des Zweiten Weltkrieges, kamen die Flüchtlinge aus den damaligen deutschen Ostgebieten. Hermann Teege hat die erschöpften Menschen auf die Höfe begleitet: „Da wohnten bis zu zehn Leute in einem Raum.“ Damals hätten alteingesessenen Sühlener eine 62-köpfige Flurwehr aufgestellt, um Vieh und Kartoffeln zu bewachen. „Ich kann verstehen, dass Flüchtlinge und Städter auf die Felder gingen und alles mitnahmen. Die Menschen waren ja völlig ausgehungert“, so Hermann Teege.

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist mittlerweile kein Problem mehr, auch wenn es in dem Dorf keinen Laden gibt. „Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen“, sagt der 86-Jährige. Und so stehen Fahrten nach Bad Oldesloe auf dem Tagesprogramm – auch für die Schulkinder, die einen eigenen Bus haben. Umso so schöner ist dann das Gefühl, wieder nach Hause zu kommen: „Denn in Sühlen fühlen wir uns wohl“, sagen die drei Männer.

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Michael Thormählen

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