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Ex-Bürgervorsteher schreibt die Geschichte Reinfelds fort

Reinfeld Ex-Bürgervorsteher schreibt die Geschichte Reinfelds fort

Sorgfältig zusammengetragen und dokumentiert hat der verstorbene Bodo Zunk die Geschichte der Stadt. Ein Nachschlagewerk, eine Erinnerung an die Geschehnisse in der Stadt Reinfeld von 1900 bis 1999.

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Hans-Peter Lippardt hat die erste Seite bereits geschrieben. Zwei Jahre, rechnet er, wird es bis zur Fertigstellung brauchen. FOTOS: UWE KROG

Reinfeld. Gesellschaftlicher Wandel, Kriegswirren, ländliches Leben, Bräuche und Feierlichkeiten. Zunk hat alles festgehalten, hat Lücken der Erinnerung geschlossen, er hat das Fenster in die Vergangenheit aufgestoßen. Er hat sie erhalten.

LN-Bild

Hans-Peter Lippardt arbeitet an Chronik – Bodo Zunks Werk wird neu aufgelegt.

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Aber die jüngsten Dokumentationen darin sind 17 Jahre alt. Und wie die Reinfelder festgestellt haben, sind ein paar Fakten korrekturbedürftig. Zudem soll die weitere Geschichte der Stadt nicht in Vergessenheit geraten, es brauche dringend eine Fortsetzung. Die Reinfelder überlegen nun, wie sie den weiteren Wandel ihrer Stadt festhalten wollen. Im Sozialausschuss standen jetzt diese Überlegungen zur Diskussion: Zwar hat die Druckerei Masuhr die von Zunk zusammen getragenen Dateien noch vorrätig, ein korrigierter Nachdruck von tausend weiteren Exemplaren würde etwa 8000 Euro kosten, bei 500 neu aufgelegten Chroniken wären es 6000 Euro.

15 Jahre, heißt es in der Diskussionsvorlage, habe es gebraucht, bis die 2002 gedruckten tausend Exemplare verkauft worden seien. Deshalb schlägt die für Kultur im Rathaus zuständige Britta Lammert einen Nachdruck von höchstens 500 korrigierten Exemplaren vor. Dabei sei abzuwägen, ob eine korrigierte Neuauflage überhaupt Sinn mache.

Der Sozialausschuss folgte dem Vorschlag, 500 Exemplare nachzudrucken und einzelne Seiten mit Fehlerkorrekturen eventuell einzufügen. Aber einen Folge-Auftrag, der Themen aufnimmt, denen Historiker Zunk weniger Raum widmete, und der die Geschichte der Stadt seit 2000 fortschreibt, wird es so nicht geben. Der ehemalige Bürgervorsteher Hans-Peter Lippardt, der nach eigenem Bekunden zwar „gut ohne Politik leben“ kann, hat sich erboten als Rentner seiner Nachwelt „das Wissen von gestern“ zur Verfügung zu stellen. Das wird nun zwar wohlwollend von der Politik begleitet. Und der Ex-Bürgervorsteher erhält auch freien Zugang zu den Quellen im Heimatmuseum. Doch das fertige Buch dann soll Lippert, wie es Sozial-Ausschussvorsitzender Manfred Schönbohm formulierte, in Eigenregie als „Book on Demand“ drucken lassen. Das berührt den Autor eher wenig, zumal er in erster Linie für sich selbst schreibe. Hans-Peter Lippardt sitzt bereits am Computer und hat eine erste Seite schon verfasst. Er wolle einige Dinge angehen, die Ortschronist Zunk in seinem Buch ausgelassen habe. Auf dem Schreibtisch liegen dessen inzwischen vergriffenes Werk und zwei weitere Bücher über Reinfeld.

Zunk war nicht der Erste, der zur Geschichte der Stadt recherchierte. Die Pastoren Johannes Wolter und Martin Clasen hatten zuvor ebenfalls aufgeschrieben, was in Reinfeld geschah.

Angesichts seiner 80 Jahre Lebensalter räumt Jens-Peter Lippardt allerdings selber ein, „dass ich mich beeilen muss“. In zwei Jahren, schätzt Lippardt, könne er die dann vierte bekannte Chronik über die Karpfenstadt fertig stellen. Dazu brauche er Zugang zu den Archiven der Stadt. Wenigstens über die jüngere Vergangenheit erhofft er sich davon „relativ schnelle Erkenntnisse, weil heute ja alles registriert ist.“

Das Buch beginnt aber mit der Eiszeit. „Wer Reinfeld verstehen will, muss wissen, dass die Eiszeit den Wallberg und das Heilsautal geprägt hat. Und dass schon vor den Mönchen dort Menschen gelebt haben müssen. Ein Beweis dafür sei das Hühnengrab neben der Schuhwiese. Zudem will Lippardt das gespannte Verhältnis zwischen Wenden und Germanen in der Gegend beschreiben. Und dann sind da ja noch die fast 20 noch nicht erfassten Jahre des 21. Jahrhunderts. Die sind in Reinfeld bekanntermaßen nicht gerade durch Stillstand geprägt. Und eines ist Hans-Peter Lippardt dabei für seine Chronik ganz besonders wichtig: „Die fertige Umgestaltung unseres Bahnhofs möchte ich, wenn irgend möglich, noch mit hineinschreiben.“

Der Vergessenheit entrissen

Nie zuvor gab es in einem Jahrhundert derart rasante Veränderungen. Nie zuvor gab es so viel Fortschritt, aber auch nie so viel Schrecken. Die Aufgabe war es nun, Vergangenes der Vergessenheit zu entreißen, schreibt Bodo Zunk in der „Chronik einer kleinen Stadt“. Lange war sie vergriffen. Jetzt wird das Buch neu aufgelegt. Es zeichnet ein umfassendes Bild der Stadt. Ein Muss für jeden, der Reinfeld verstehen will.

 Uwe Krog

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