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Stormarn Experte: „Der sicherste Weg ist die Fahrbahn“
Lokales Stormarn Experte: „Der sicherste Weg ist die Fahrbahn“
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22:28 23.10.2013
Kay-Uwe Güsmer (r.)versuchte auf Sorgen der Radler einzugehen. Quelle: oro
Reinfeld

„Es gibt keine Radfahrwege mehr, außer an der B 75“: So brachte Kay-Uwe Güsmer von der Polizeidirektion Ratzeburg die Situation in Reinfeld auf den Punkt. Die SPD-Fraktion hatte am Dienstag zu einer Bürgerinformation eingeladen. Eine Gruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Reinfeld, des Kreises Stormarn, der Polizeidirektion sowie Anwohnerinnen und Anwohner traf sich an der belebten Straße Am Zuschlag. Dort wie auch im Neuen Garten sowie in der Feldstraße ist eine neue Radfahrerführung eingeführt worden, die Fragen aufwirft.

Die Beschilderungen für die Geh- und Radwegnutzung sind entfernt worden. „Wie ist das gekommen, und was dürfen die Radfahrer jetzt, was dürfen sie nicht“, fragte der SPD-Stadtverordnete Heiko Gerstmann den Sachgebietsleiter Verkehrsangelegenheiten, Güsmer. Dieser versuchte, den teils aufgebrachten Anwohnern die Situation zu erklären: „Es gibt ein Urteil zu den benutzungspflichtigen Radwegen. Diese sind fast alle entwidmet worden, weil Radfahrer dagegen geklagt haben.“ Warum, wusste Güsmer nicht genau zu sagen: „Vielleicht, weil sie auf den Fahrbahnen schneller sind.“ Nur noch Bundesstraßen und vereinzelt auf Landstraßen gebe es ausgewiesene Rad- und Gehwege mit den typischen blauen Schildern. Kinder bis zehn Jahre dürften auf den Gehwegen fahren, alle anderen müssten nun die Fahrbahn benutzen.

Bei den betroffenen Anwohnern und Radfahrern stößt dies auf Unverständnis: „Von 100 Radfahrern fahren hier mindestens 80 auf dem Gehweg, weil es sonst zu gefährlich ist“, merkte Bernd Mutzeck (63) an, der am Zuschlag wohnt. Das ließ Güsmer nicht gelten: „Die meisten Unfälle mit Radfahrern passieren an Einfahrten und Grundstückszufahrten.“ Dabei würde etwa die Hälfte der Unfälle durch die Fahrradfahrer selbst verursacht, weil sie zum Beispiel die Radwege falsch benutzten. „Der sicherste Weg ist die Fahrbahn“, zeigte sich der Verkehrsexperte überzeugt.

Bernd Mutzeck und andere sahen das nicht so: „Wenn die Bahnschranke runter ist und noch Autos entgegen kommen, ist die Fahrbahn zu eng. Die Autofahrer halten zu wenig Abstand zu den Radfahrern“, so der Radler. Güsmers Antwort: „Wenn Sie Angst haben, dürfen Sie kein Rad fahren.“ Das brachte LN-Zustellerin Sigrid Garbe (56) kurzfristig auf die Palme: „Das ist unmöglich. Ich verdiene mein Geld mit Radfahren.“ Allzu oft erlebe sie Rüpeleien der Autofahrer, wenn sie mit Anhänger und manchmal auch mit Hund ihre morgendliche Tour mache. „Ich werde mit quietschenden Reifen überholt und beschimpft nach dem Motto ,lahme Schnecke'“. Und das, obwohl um drei Uhr morgens die Straße frei sei. „Leben wir denn hier im Urwald?“, so die genervte Zeitungsbotin. Güsmer zeigte Verständnis, er wisse um die Rüpel unter den Autofahrern. Gegenseitige Rücksicht sei das Gebot.

Das Unverständnis der Bürger aber bleibt: „Ich wohne am Neuen Garten, wir Anwohner haben extra Land abgegeben, damit dort ein Radweg gebaut werden konnte“, berichtete zum Beispiel Karl-Heinz Poggenberg (67). „37 Jahre war er da, jetzt ist er plötzlich weg.“ Gladys Johannson (45) kennt die Angst beim Radfahren, besonders wenn kleine Kinder dabei sind. „Warum nehmen sie die Radwege weg?

Muss erst ein schlimmer Unfall passieren“, fragt sie sich.

Heiko Gerstmann blieb etwas ratlos zurück. Vorerst beließ er es bei einem Appell an die Bürger: „Fahren Sie alle Rad, damit die Radfahrer eine stärkere Lobby bekommen.“

Vorhaben in Planung
Im Zuge des Ausbaus der Ahrensböker Straße durch das Land ist ein Radweg mit eingeplant. Dieser erstreckt sich nach Aussage von Stephan Kruse, Fachbereichsleiter Bau der Stadt Reinfeld, aber nur über einen Teilbereich von der Brücke Mühlenau bis zur Einmündung der Neuhöfer Straße. Wann es mit den Maßnahmen losgehe, stehe in den Sternen.

Oda Rose-Oertel

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