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Stormarn Extreme Hitze füllt die Notaufnahmen
Lokales Stormarn Extreme Hitze füllt die Notaufnahmen
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22:07 26.07.2018
Sie haben das Wasser immer griffbereit: Claudia Schütze (l.) und Nancy Bergmann sind Krankenschwestern in der Zentralen Notaufnahme der Asklepios-Klinik.  Quelle: hfr
Bad Oldesloe/Ahrensburg

Vor wenigen Tagen wurde eine Oldesloerin in die Notaufnahme der Asklepios-Klinik Bad Oldesloe eingeliefert. Sie hatte bei der Gartenarbeit plötzlich Herzrhythmusstörungen und Atemnot bekommen. Als Grund stellten die Ärzte fest, dass sie zu wenig getrunken hatte. Nach einem Ausgleich des Flüssigkeits- und des Salzverlustes wurde ihr Herzrhythmus mittels elektrischer Kardioversion in Kurznarkose wieder normalisiert. Fälle wie diese sind derzeit für Ärzte und Helfer an der Tagesordnung. Temperaturen über 30 Grad sorgen dafür, dass die Notaufnahmen voller sind als sonst.

Sie haben das Wasser immer griffbereit: Claudia Schütze (l.) und Nancy Bergmann sind Krankenschwestern in der Zentralen Notaufnahme der Asklepios-Klinik. Quelle: Foto: Hfr
„Das Trinken ist das A und O bei dem Wetter.“Dr. Peter Wellhöner

„Die Notaufnahme in Bad Oldesloe verzeichnet mehr Patienten als bei durchschnittlichen Sommertemperaturen“, heißt es bei der Oldesloer Asklepios-Klinik. „Wir haben ein erhöhtes Patientenaufkommen in der Notaufnahme gerade bei Kreislaufproblemen und Dehydrierungen, also Wassermangel“, sagt Maike Meyer-Dircks, Gesundheits- und Krankenpflegerin und zurzeit Bereichsleiterin der Zentralen Notaufnahme der Klinik in Bad Oldesloe.

Seit Dienstag, 11 Uhr, gibt es vom Deutschen Wetterdienst eine Amtliche Hitzewarnung für den Kreis Stormarn, dass mit einer „starken Wärmebelastung“ zu rechnen sei. Gerade Patienten mit Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzproblemen seien besonders belastet. „Während die Oldesloer Notaufnahme an weniger heißen Tagen zwischen 20 und 30 Patienten am Tag verzeichnet, behandelten die Ärzten bis Dienstagnachmittag schon rund 40 Personen, darunter gut ein Viertel an Patienten, die über starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel, aber auch über Luftnot klagten“, so die erste Bilanz.

Grund ist auch falsches Verhalten. „Ältere Menschen unterschätzen häufig die Anstrengungen bei der Gartenarbeit“, sagt Maike Meyer-Dircks, während Jüngere oft die Auswirkungen der Hitze beim Sport verkennen würden. Dr. Peter Wellhöner, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie, rät allen Menschen, unabhängig vom Alter: „Das Trinken ist das A und O bei dem Wetter.“ Beim Schwitzen könnten schnell einige Liter Flüssigkeit und mit ihr Kochsalz sowie Kalium und Magnesium verloren gehen. Darunter leide dann der Kreislauf. „Etwa drei bis vier Liter über den Tag verteilt sollte ein gesunder Mensch an einem heißen Tag trinken, wenn er sich draußen aufhält“, sagt Dr. Wellhöner. Patienten mit Herzschwäche oder Nierenleiden sollten mit ihrem Arzt klären, welche Flüssigkeitsmengen in ihrem Fall unbedenklich sind.

Aufgrund der prognostizierten, anhaltenden Hitze empfiehlt der Arzt, soweit möglich, das „Dolce Vita“: „Direkte Sonneneinstrahlung sollte man vermeiden und über die Mittagsstunden lieber im Haus bleiben. Aktivitäten sollten in die frühen Morgenstunden oder in die Abendstunden verlegt werden. Setzen Sie sich nicht der prallen Sonne aus und tragen Sie eine Kopfbedeckung. Wichtig ist, mehr als sonst zu trinken sowie Alkohol zu meiden. Beim Essen sollte eine leichte Kost wie Gemüse, Fisch und Obst bevorzugt werden.“ Denn Obst sei nicht nur gesund, sondern enthalte Flüssigkeit sowie die Mineralstoffe, die durch das Schwitzen verloren gingen.

Leichte Kost steht auch in den Seniorenwohnanlagen des „Rosenhof“ in Ahrensburg, und Großhansdorf auf der Speisekarte. „Die Hitze ist bei uns ein Thema“, erklärt Geschäftsführer Johannes Ullram. „Wir reagieren, indem wir verstärkt Getränke, die bei uns ohnehin kostenfrei sind, aufstellen und die Bewohner ans Trinken erinnern. Wasser oder Tee stehen überall zur Verfügung.“

Zudem werde den Bewohnern geraten, die Wohnungen abzuschatten und zu lüften und gegebenenfalls mit feuchten Tüchern vor den Fenstern für Abkühlung zu sorgen. „Unsere Restaurants sind klimatisiert und können aufgesucht werden, außerdem raten wir den Menschen, die Mittagshitze und Anstrengung zu vermeiden.“ Zu den Mahlzeiten würden Salate, Suppen und Speisen angeboten, die helfen, den Elektrolyt-Haushalt auszugleichen.

Auch der Rettungsverbund Stormarn fährt vermehrt zu Hitze-Einsätzen. „Vor allem alte Menschen haben mit dem Wetter Probleme“, hat Christian Oehme, Sprecher des Rettungsverbunds Stormarn, beobachtet, der selber in Reinbek stationiert ist. „Viele von ihnen laufen am Limit.“

Wenn es zu heiß sei, würden sie schnell kollabieren. „Vor allem betroffen sind alte Menschen und Menschen mit Lungen- und Atemwegserkrankungen“, so Oehme. Hier gehe die Austrocknung schnell und sei oft nicht mehr nur mit Trinken in den Griff zu bekommen. „Dann muss Flüssigkeit über Infusionen gegeben werden. Ansonsten greifen die Standardbehandlungen.“

Von Bettina Albrod

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