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Stormarn Fall Arzu: Letzte Gewissheit fehlt - Trauer in Detmold
Lokales Stormarn Fall Arzu: Letzte Gewissheit fehlt - Trauer in Detmold
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09:02 08.01.2013

Er kenne die Todesursache, werde sie aber aus

ermittlungstaktischen Gründen vorläufig nicht nennen, sagte der

Detmolder Staatsanwalt Michael Kempkes am Montag. Unklar sei noch der

Todeszeitpunkt. Sicher sei nur, dass die am Freitag in Großensee

östlich von Hamburg (Kreis Stormarn) gefundene Frau gewaltsam ums

Leben gekommen sei.

Die Ermittler glauben, dass die 18-Jährige am 1. November von fünf

ihrer Geschwister verschleppt wurde. Vier Brüder und eine Schwester

sitzen in Untersuchungshaft. Der Leiter der Detmolder

Sonderkommission informierte sich am Montag bei der Polizei in

Lübeck.

Grund für die Gewalttat war nach Überzeugung der Ermittler, dass

die Familie die Liebesbeziehung der Tochter zu einem Bäckergesellen

nicht tolerieren wollte. Die Familie gehört zur Glaubensrichtung der

Jesiden. Diese erlaubt streng genommen keine Beziehung zu einem

Nicht-Jesiden.

Der Anwalt eines der inhaftierten Brüder, Detlev Binder, erwartet,

dass nach dem Fund der Leiche nun Bewegung in den Fall kommt. Die

Interessenlage der Verdächtigen habe sich geändert. Es scheine klar

zu sein, dass alle fünf als Minimalkonsens den Plan hatten, Arzu von

ihrem Freund wegzuholen. Unmittelbar nach dem Verlassen der Wohnung

habe sich die Gruppe aber getrennt. Die Geschwister hätten bislang

weitgehend geschwiegen. „Jetzt muss jeder für sich entscheiden, ob er

dabei bleibt“, sagte Binder.

Am Sonntagabend hatten sich rund 150 Menschen spontan zu einer

Trauerkundgebung vor dem Elternhaus von Arzu Ö. in Detmold und der

nahe gelegenen Bäckerei versammelt, in der Arzu gejobbt hatte. Sie

zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. „Wir sind alle sehr,

sehr traurig und schockiert“, sagte Bäckermeister Johannes Müller. In

seinem Laden hatten sich Arzu und der Bäckergeselle kennengelernt.

„Die Familie hatte immer gesagt, dass sie nicht zulassen würde,

wenn Arzu mit einem anderen, also einem, der nicht Jeside ist, gehen

würde“, sagte Müller. Ende August 2011 wird Arzu verprügelt, sie

zeigt die eigene Familie an und flieht ins Frauenhaus. „Ihre Mutter

und auch Geschwister haben uns damals gefragt, wo Arzu ist“, erzählte

der Bäcker. „Dann habe ich gefragt, was sie denn mit Arzu machen

würden, wenn sie sie finden“, sagte Müller. Diese Beziehung würden

sie nie tolerieren, sei die Antwort gewesen. Auch die große

Schwester, die jetzt in Haft sei, habe geantwortet: „Das geht

überhaupt nicht.“

Damals habe er einfach geschwiegen, sagte der Bäckermeister. „Ich

habe doch nie und nimmer gedacht, dass die Familie Ernst macht.“ Er

spüre die Wut der Menschen. Einige Kunden hätten sich gewundert, dass

die Eltern noch auf freiem Fuß seien. Arzus Vater, ebenso wie seine

Frau und die zehn Kinder, ist deutscher Staatsbürger. Er gilt zwar

als Beschuldigter. Es gebe aber keine Beweise und damit keine

Grundlage für einen Haftbefehl, sagte Kempkes. Während am vergangenen

Freitag ein Mann die Leiche im fast 270 Kilometer entfernten

Großensee entdeckt hatte, hatte die Polizei das Haus der Familie in

Detmold durchsucht. Die Ergebnisse stehen noch aus.

LN

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