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Stormarn Falschen Lungenflügel entfernt: Verfahren eingestellt
Lokales Stormarn Falschen Lungenflügel entfernt: Verfahren eingestellt
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08:42 08.01.2013

Überraschende Wende im Prozess um einen tödlichen Kunstfehler bei einer Lungenoperation: Im Einvernehmen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung hat das Lübecker Landgericht das Verfahren am Donnerstag gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Insgesamt 28 000 Euro muss der 63 Jahre alte Angeklagte an die Deutsche Krebshilfe und eine Selbsthilfeorganisation querschnittsgelähmter Kinder zahlen.

Nach Auffassung des Gerichts traf den Angeklagten zwar eine Schuld am Tod des Patienten. „Doch die Schwere des Vorwurfs ist nicht mit der Schwere der Folgen gleichzusetzen. Ein Chirurg trägt immer das Risiko, einen tödlichen Fehler zu machen“, sagte die Vorsitzende der VII. Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck, Helga von Lukowicz. Mit der Zahlung eines Geldbetrages an gemeinnützige Einrichtungen sei gemäß Paragraf 153a der Strafprozessordnung dem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung genüge getan.

Dem ehemaligen Chefarzt der Thoraxchirurgie des Krankenhauses Großhansdorf im Kreis Stormarn war fahrlässige Tötung vorgeworfen worden. Er hatte bei einer Operation im April 2008 versehentlich den falschen Hauptbronchus durchtrennt, so dass der 69 Jahre alte Patient erstickte. Bei der Operation sollte dem Patienten ein Teil des rechten Lungenflügels wegen eines Krebstumors entfernt werden.

Es kam zu starken Blutungen, der Kreislauf des Patienten wurde instabil. Daher entschloss sich der Chefarzt, den gesamten rechten Lungenflügel zu entfernen. Weil alles voller Blut war, so hatte der Angeklagte ausgesagt, habe er sich nur tastend orientieren können. Als er einen Beatmungstubus in einem Ast der Luftröhre ertastete, glaubte er, den rechten Bronchus vor sich zu haben. Doch der Tubus war verrutscht, steckte im linken statt im rechten Luftröhrenast, so dass der Chirurg den falschen Bronchus durchtrennte und der Patient erstickte.

„Dieser Fehler hatte nach Aussagen eines Gutachters zwar vermieden werden können, wenn der Operateur sich vor dem entscheidenden Schnitt noch mal vergewissert hätte, dass der Tubus richtig liegt und er den richtigen Bronchus vor sich zu hat. Doch laut Gutachter ist es auch fraglich, ob er dazu in der dramatischen Situation noch die Möglichkeit hatte“, sagte von Lukowicz.

Der Verlust eines Patienten während einer Operation sei das Schlimmste, was einem Chirurgen passieren könne, sagte der Angeklagte. „Der Tod es Patienten tat und tut mir immer noch sehr leid, besonders, weil ich bis heute keine Erklärung dafür habe“, sagte der 63-Jährige.

Der von einigen Zeugen im Prozess geäußerte Vorwurf der Vertuschung habe sich im Prozess nicht bestätigt, sagte von Lukowicz. „Der Gutachter hat uns erklärt, dass es aus ethischen Gründen üblich ist, bestimmte Operationsschritte auch nach dem Tod eines Patienten noch zu Ende zu führen“, sagte sie.

LN

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