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Stormarn Fast 70 Pappeln gekappt: Kahlschlag stößt auf Kritik
Lokales Stormarn Fast 70 Pappeln gekappt: Kahlschlag stößt auf Kritik
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22:16 11.09.2013
Jens Kersten zeigt, dass die Bäume im Kern gesund waren und deshalb nicht aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt wurden. Quelle: Foto: von Dahlen

Der süßliche Geruch frisch geschnittenen Holzes liegt noch in der Luft. Kopfschüttelnd blickt Jens Kersten auf die stattlichen Baumstämme, die in einer langen Reihe auf dem Acker lagern. „Das war mal unser schöner Pappelhain, an dem wir sehr gern spazieren gegangen sind“, erzählt der 57-Jährige und weist mit dem Schirm auf den Kern eines Stammes. Der Schulenburger bezweifelt, dass die Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit gekappt worden sind. Dafür seien sie viel zu gesund.

Alles in allem sind fast 70 Pappeln entlang der Landesstraße 88 bei Schulenburg gefällt worden. Kersten tut das in der Seele weh. Er kennt die Feldmark zwischen Pölitz und Rethwisch wie seine Westentasche. Er nimmt regelmäßig an Vogelzählungen teil, hat beim Pappelhain schon Neuntöter, Eidechsen und sonst äußerst selten vorkommende Schwarzstörche entdeckt. „Die Bäume gehörten doch zum Biotop und haben vielen Tieren Nahrung geboten“, sagt er bedauernd. Nach seinem Dafürhalten entspricht die Fällaktion nicht den Vorgaben des Naturschutzes. Es gebe doch die Vorschrift, dass Baumfällungen zwischen April und Oktober nicht statthaft sind.

Joachim Schulz, Fachdienstleiter Naturschutz beim Kreis, zeigte sich zunächst beunruhigt über die Fällungen in dieser Größenordnung, ruderte aber nach weitergehenden Recherchen wieder zurück. „Ich kann glücklicherweise Entwarnung geben. Der Kreis war in das Verfahren nicht involviert. Es handelt sich um eine Aktion, die von der Forstbehörde genehmigt wurde“, sagte er.

Und in der Tat, die Möllner Außenstelle des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume hat dem Antrag eines bei Schulenburg ansässigen Landwirts stattgegeben, die Bäume jetzt ernten zu dürfen. „Es handelt sich um hiebreife, mehr als 60 Jahre alte Balsampappeln“, erklärt sein Leiter Klaus Lorenzen. Zuständig sei seine Behörde, da es sich um Wald handele, „genauer gesagt, um einen schmalen Wald ohne Waldweg“. Da ein Kahlschlag vorgenommen werden sollte, habe der Bauer eine Ausnahmegenehmigung zur Fällung beantragt. Letzteres sei auch aus einem anderen Grund nötig gewesen.

„Normalerweise schlägt man Bäume in der laublosen Zeit“, erklärte Lorenzen. Das hätte dem Bauern aber große Schwierigkeiten bereitet. Da er die Stämme aus Platzgründen auf dem Acker zwischenlagern müsse, hätte er das frisch bestellte Feld beschädigt. Deshalb habe er beantragt, die Bäume noch vor der Aussaat fällen zu dürfen.

Lorenzen zufolge wurde der Landwirt dazu verpflichtet, die Flächen wieder aufzuforsten. An Stelle der Balsampappeln würden nun in der Region beheimatete Roterlen und Schwarzpappeln gepflanzt. „Wird diese Auflage nicht erfüllt, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar“, so der Amtschef.

Das vermag Kersten indes nicht zu beruhigen. „Die Belange der Natur werden immer weniger beachtet. Peu à peu verschwinden mehr und mehr Knicks. Schlehen- und Fliederbeerensträucher werden einfach abgemäht“, klagt er. Fachdienstleiter Joachim Schulz rät, in solchen Fällen umgehend die Naturschutzbehörde zu informieren. „Man muss es nicht hinnehmen, wenn jemand einen Knick entfernt, da kann man sogar die Polizei verständigen. Sie leitet die Anzeige dann an den Umweltschutz weiter“, sagt der Behördenleiter.

Was sagt das Waldgesetz?
Kahlschläge sind verboten, sofern sie nicht nach Paragraph 7 des Waldgesetzes zugelassen sind. Kahlschläge sind alle Hiebmaßnahmen, die freilandähnliche Verhältnisse bewirken und damit mindestens zeitweilig zu einer erheblichen Beeinträchtigung von Schutzfunktionen des Waldes führen. Nicht als Kahlschläge gelten Hiebmaßnahmen, die einer Verjüngung dienen, aus Gründen der Verkehrssicherung oder aufgrund von Brand oder Naturereignissen wie Sturmschäden oder Schädlingsbefall notwendig sind. Die Forstbehörde kann Ausnahmen für Kahlschläge bis zu zwei Hektar zulassen.

Dorothea von Dahlen

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