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Stormarn Faszination Westernreiten
Lokales Stormarn Faszination Westernreiten
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11:30 18.07.2017
Eigentlich gehört zum Outfit eines Westernreiters der typische Filzhut, Kinder müssen aber zu ihrer Sicherheit einen Helm tragen. Quelle: Fotos: Luise Quaritsch
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Grabau

Country-Musik schallt aus kleinen Lautsprechern, bunte Flaggen wehen im Wind. Auf dem Turnierplatz wärmen Reiter ihre Pferde auf, sie tragen bunte Hemden, Cowboyhüte und Lederstiefel. Man könnte fast vergessen, dass man sich in Norddeutschland befindet, wären da nicht die grauen Wolken am Himmel, die bei wenig sommerlichen Temperaturen mit Nieselregen drohen. Mehr als 120 Teilnehmer aus ganz Norddeutschland sind an diesem Wochenende auf die Ramm-Ranch in Grabau bei Bad Oldesloe gekommen, um sich an zwei Tagen in verschiedenen Disziplinen zu messen.

Am Wochenende fand das 10. Westernreit-Turnier auf der Ramm-Ranch in Grabau statt: Zwei Tage lang Country-Musik, entspannte Pferde und fairer Sport.

Eine von ihnen ist Julia Leyk. Die 12-Jährige ist aufgeregt, denn gleich wird sie mit ihrem Pony „Luna“ zum ersten Mal an einer „Western Pleasure“ teilnehmen. Bei dieser Disziplin reiten alle Teilnehmer der Prüfung gleichzeitig in der Bahn und präsentieren den Richtern ihre Pferde in den Gangarten Schritt, Trab und Galopp. Das Pony von Julia Leyk ist noch unerfahren, sie ist sich nicht sicher, wie es auf die Zuschauer und die anderen Pferde in der Bahn reagieren wird.

„Bei der ,Western Pleasure‘ werden hauptsächlich die Bewegungen des Pferdes bewertet“, erklärt Richterin Constance Waber die Punktevergabe, „aber auch, wie harmonisch das Gesamtbild zwischen Pferd und Reiter ist.“ Gerade bei den Einsteigern sei das wichtig, damit die richtigen Anreize für die Weiterentwicklung von Pferd und Reiter gesetzt würden: „Wir richten im Sinne des Tierwohls. Das Pferd soll seine Arbeit gerne machen.“

Diese Haltung macht auch für Andrea Duckstein-Otten das Westernreiten aus. Sie ist Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg/Schleswig-Holstein der Ersten Westernreiter Union (EWU), der das Turnier ausrichtet. „Gutes ,Horsemanship‘ gehört für die meisten Westernreiter zum Sport dazu.“ „Horsemanship“, das beschreibt eine Philosophie zur Kommunikation und dem Umgang mit dem Pferd, inspiriert von der Arbeitsreitweise der Cowboys. „Ein Unterschied zum englischen Reiten ist natürlich der große Westernsattel und die einhändige Zügelführung. Aber auch eine artgerechte Haltung mit genügend Auslauf und Gesellschaft gehören für uns dazu. Das setzten wir auch auf den Turnieren um: Bei uns steht kein Pferd den ganzen Tag auf dem Anhänger.“ Stattdessen bekommt jedes Pferd einen kleinen, provisorischen Auslauf gebaut, so dass es grasen und andere Pferde sehen kann.

Das Westernreiten überzeugt immer mehr Menschen. Die Mitgliederzahlen der EWU steigen zwar langsam, aber stetig. Der Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein zählt über 600 Mitglieder, bundesweit sind es immerhin 9000. „Wer auf einem Westernturnier fliegende Lassos erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Eine gut gerittene Westernprüfung soll leicht aussehen.“ Gerade die Ruhe und Nervenstärke der Westernpferde machen für Andrea Duckstein-Otten den Reiz an diesem Sport aus. „Das Cowboy-Feeling muss man eher im Drumherum suchen.“

Eigentlich wollten Nicole und Henning Ramm das Turnier auf ihrem Hof in diesem Jahr wegen Umbauarbeiten ausfallen lassen. Dann ließen sie sich aber doch überreden. Das Turnier hat mittlerweile schließlich Tradition. Der große organisatorische Aufwand lohnt sich, findet Nicole Ramm: „Die Teilnehmer freuen sich das ganze Jahr auf dieses Turnier, besonders wegen der familiären Atmosphäre. Und wir freuen uns über tolle Ritte und zufriedene Teilnehmer.“

Eine zufriedene Teilnehmerin ist auch Julia Leyk. Ihre erste „Western Pleasure“ hat Pony Luna ganz entspannt gemeistert. Dafür wurden die beiden mit dem 2. Platz und einer roten Schleife belohnt. Ein richtiges Westernpferd lässt sich eben nicht so leicht aus der Ruhe bringen.

Alle Ergebnisse stehen demnächst online unter: http://www.ewu-westernreiten.de/index.php/Turniere.html

 Luise Quaritsch

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