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Stormarn Ferkel „Aska“ hatte großes Schwein
Lokales Stormarn Ferkel „Aska“ hatte großes Schwein
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09:21 05.08.2016
„Aska“ hat als einziges Ferkel den Brand überlebt. Quelle: Dorothea von Dahlen

Wie ausgefranst wirken die rosa Ohren, an Bauch, Beinen und Hinterteil sind immer noch dunkle Wunden zu sehen. Und doch hatte „Aska“ im wahrsten Sinne des Wortes Schwein. Das Ferkel hat als einziges den großen Brand überlebt, der Anfang Juli am Wulmenauer Betriebsteil des Instituts für Ökologische Landwirtschaft Trenthorst ausgebrochen war. Das Feuer (Ursache unklar) vernichtete in den Morgenstunden einen Stall mitsamt der darin untergebrachten Muttertiere und den Großteil ihres Nachwuchses. Für die noch verbliebenen Jungen kam aber auch jede Hilfe zu spät: Um ihnen einen qualvollen Tod zu ersparen, wurden sie eingeschläfert.

„Die Tiere waren ja völlig panisch und sind unkontrolliert in alle Richtungen gerannt, manche sogar direkt ins Feuer“, berichtet Ralf Bussemas, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ökoinstituts für die Betreuung der Tiere Sorge trägt. Wie ein Wunder erschien „Aska“ drei Tage später plötzlich vor dem Stall. „Ich habe sie gleich mit Brandsalbe eingeschmiert. Inzwischen ist sie aus dem Gröbsten raus. Sie wird auch für immer hier bei uns bleiben“, erzählt der Agraringenieur.

Erleichtert berichtet er, dass dank der Verwaltung des Thünen-Instituts in Braunschweig und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben rasch eine provisorische Alternative für den abgebrannten Stall geschaffen werden konnte. Ohne größere bürokratische Hemmnisse sei Geld zur Verfügung gestellt worden. So sei es mit Hilfe der Reinfelder Firma Elektro- Kälte-Melktechnik (EKM) möglich gewesen, binnen nur zehn Tagen im einstigen Ziegenstall des Gutes Wulmenau eine behelfsmäßige Abferkelstation mit 16 Plätzen einzurichten.

Vom abgebrannten Gebäude ist bis auf die Betonplatte nichts mehr zu sehen. Die verkohlten Mauerreste sind eingerissen und unverzüglich abtransportiert worden. „Unser Ziel ist es, dass dort bis zum 15. Mai 2017 ein neuer Stall stehen wird“, sagt Bussemas. Da es sich um einen Neubau handele, müssten die üblichen Planungsverfahren durchlaufen werden.

Das Forschungsprojekt stagniert damit zwar nicht vollends, aber einige Ferkelgenerationen werden in der Zwischenzeit ausfallen müssen. Laut Bussemas werden nur noch die zurzeit tragenden 27 Säue ihre Jungen in dem provisorischen Stall zur Welt bringen. Anschließend werden keine Tiere mehr besamt, bis der neue Stall fertig ist.

In Folge des Brandes wurde aber nicht nur die Immobilie zum wirtschaftlichen Totalschaden. Auch die technische Ausrüstung des Forschungsteams ist Opfer der Flammen geworden. Dazu gehörten diverse Messgeräte wie etwa ein optisches Ultraschallgerät und Laptops, mit denen die Daten zur Tiergesundheit dokumentiert wurden. Bussemas schätzt, dass Geräte im Wert von rund 20000 Euro beim Feuer vernichtet wurden. Die bis dato gesammelten Daten, die Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit sind, gingen zum Glück nicht verloren.

Der Agraringenieur legt regelmäßig Sicherungskopien an. Gleich mehrere Aspekte sind Gegenstand von Bussemas’ Forschungen. Da wäre etwa die Suche nach einer Alternative zu den unter Tierschützern sehr umstrittenen Ferkelkastrationen ohne Betäubung. Mit einem anderen Ansatz wird erforscht, unter welchen Voraussetzungen auch Eber gemästet werden können, ohne dass ihr Fleisch einen unangenehmen Beigeschmack bekommt.

Als These liegt dem zugrunde, dass sich der unerwünschte „Eber-Geruch“ mittels spezieller Fütterung vermeiden lässt. Da der Einsatz von Kartoffelstärke, welche als probates Mittel gilt, sehr kostspielig ist, wird in Wulmenau mit anderen Pflanzen experimentiert wie etwa Kleegras.

Ökologisches Futter

50 Sauen, ihre Nachzucht sowie bis zu 40 Mastschweine werden im Versuchsbetrieb des Instituts für Ökologischen Landbau gehalten. Die Sauen sind Ergebnis einer Kreuzung aus Deutschem Edelschwein und Deutscher Landrasse in Wechselkreuzung. Bei den Ebern handelt es sich um Duroc-Kreuzungen oder um Pietrains.

100 Prozent Ökopflanzen werden im Betrieb verfüttert und größtenteils selbst produziert. Je nach Tiergruppe und Versuchsdesign bekommen die Tiere pelletiertes Futter mit Kleegrassilage.

 Dorothea von Dahlen

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