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Stormarn Feuer in Wintergarten der Freundin: Angeklagter freigesprochen
Lokales Stormarn Feuer in Wintergarten der Freundin: Angeklagter freigesprochen
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12:42 13.02.2018
Bei dem Feuer konnten sich die Frau und ihr Sohn im letzten Moment ins Freie retten.  Quelle: Archivfoto: jeb
Bad Oldesloe

Nach der Aufhebung des Haftbefehls am vorletzten Prozesstag endete das Verfahren gegen Ludger G. (Name geändert) mit einem Freispruch. Es gebe begründete Zweifel an seiner Schuld, so die I. Große Strafkammer des Landgerichts in Lübeck. Der 30-Jährige war angeklagt, am 31. Mai 2017 das Haus in Brand gesteckt zu haben, in dem seine Lebensgefährtin und ihr siebenjähriger Sohn schliefen. Sie konnten sich im letzten Moment aus dem Haus im Pölitzer Weg in Bad Oldesloe retten. 

Für die Staatsanwältin war seine Schuld bewiesen. Zwar sei ein technischer Defekt in der Elektroinstallation nicht völlig auszuschließen. Vieles spreche aber dafür, dass der Angeklagte den Wintergarten direkt in Brand gesetzt habe, wo das Feuer ausbrach. Am Vorabend hatte es einen heftigen Streit zwischen den Partnern gegeben, in dem auch von Trennung die Rede war. „Der Sachverständige sprach von einer emotional instabilen Persönlichkeit, für die eine Trennung eine Katastrophe wäre“, sagte sie.

Für sie gebe es keinen Zweifel daran, dass G. die Todesgefahr für seine Familie vorsätzlich herbeigeführt habe. Zumindest ein bedingter Tötungsvorsatz sei gegeben. Wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung plädierte sie auf fünf Jahre Haft.

Sein Rechtsanwalt bezweifelte den Tatnachweis. „Das Haus war ziemlich heruntergekommen und in desolatem Zustand.“ Das spreche für einen technischen Defekt der Elektroanlage. Die Zeugin, die G. grinsend vom Brandort davongehen gesehen haben wollte, sei unglaubwürdig. Diese Aussage vor der Polizei habe sie in der Verhandlung nicht bestätigt. Der Anwalt forderte Freispruch wegen begründeten Zweifeln.

„Man hat mir acht Monate meines Lebens genommen“, sagte G. in seinem Schlusswort. Er sei froh, dass seine Familie heil aus den Flammen gekommen sei. Er sei unschuldig: „Ich habe nichts von dem gemacht, was mir vorgeworfen wird.“

Die Strafkammer sprach ihn frei, G. erhält eine Entschädigung für seine Haftzeit. „In dieser Konstellation gibt es vernünftige Zweifel an der Schuld“, so der Vorsitzende Richter. Zwar habe es am Vorabend einen massiven Streit des Paars gegeben. Doch sein besorgtes Verhalten am Brandmorgen spreche für den Angeklagten. Mehrere Zeugen hätten bestätigt, dass G. völlig aufgelöst gewesen sei, nachdem er von dem Brand erfahren hatte. "Er hat sich dann selbst zur Polizei begeben", sagte der Richter

Ein Zeuge hatte am Brandmorgen einen Mann mit grauen Haaren beobachtet, der sich vom Haus entfernte. G. hat dunkle Haare. Auch die Vernehmungssituation sei unklar geblieben. Die Vernehmer hatten ihn geduzt und ihn darauf hingewiesen, dass sich seine Partnerin von ihm trennen wolle. Entscheidend fürs Gericht seien die Aussagen der Experten gewesen, die einen elektrischen Defekt nicht ausschließen konnten. "Die Kammer hätte kein gutes Gewissen, wenn sie den Angeklagten verurteilt hätte", so der Richter.

jpm

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