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Stormarn Feuerwehrmann will an die Weltspitze
Lokales Stormarn Feuerwehrmann will an die Weltspitze
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20:23 17.03.2016
Den unter Druck stehenden Schlauch zu ziehen, bedeutete ebenso eine große Kraftanstrengung. Quelle: Fotos: Hfr
Abu Dhabi/Mollhagen

Die mit Abstand wohl zähesten, stärksten und zugleich wendigsten Feuerwehrleute weltweit haben sich in den Arabischen Emiraten ein Kräftemessen geliefert. Die viertägige World Firefighter Challenge auf dem Messegelände in Abu Dhabi ging gestern zu Ende.

Christian Schütt aus Mollhagen hat am Kräftemessen der stärksten, zähesten Brandschützer aus allen Kontinenten in Abu Dhabi teilgenommen.

Meine Position war 81 von 122. Die Weltspitze lag fünf bis zehn Sekunden hinter ihrer Zeit. Das zeigt, der Parcours war viel schwerer.“

Christian Schütt, Mollhagen

Zu den 250 Startern, die aus 18 Nationen eingeflogen waren, zählte auch Christian Schütt, aktiver Brandschützer der Freiwilligen Feuerwehr Mollhagen, mit seinem Team. Bereits im Vorjahr beteiligte er sich am knallharten Wettkampf „Toughest Firefighter alive“ in Hannover.

Bei für hiesige Verhältnisse brütend heißen Temperaturen von weit mehr als 30 Grad waren die Firefighter, wie es im Wettkampfjargon heißt, körperlichen Belastungen ausgesetzt, die ein durchschnittlich trainierter Mitteleuropäer kaum aushalten würde. Denn immerhin tragen die Brandschützer während des gesamten Wettkampfs eine gut 30 Kilogramm schwere Ausrüstung und bei fast allen Disziplinen — außer Staffel- und Tandemlauf — sogar ein Atemschutzgerät, was eine zusätzliche Erschwernis darstellt.

So galt es, einen sechsstöckigen Turm in kürzerster Zeit zu erklimmen, einen 20 Kilogramm schweren Schlauch im Gepäck, um diesen von oben herabzulassen. Nicht minder schweißtreibend dürfte die zweite Station gewesen sein, an der Schütt ein schweres Eisengewicht in gebückter Haltung mit einem Hammer nach hinten wegschlagen musste. Auch der Sprint um Hydranten und das Ziehen eines unter vollem Druck stehenden Feuerwehrschlauchs über 23 Meter hatten es in sich. Den Strapazen aber setzte der Dummy die Krone auf. Die 80 Kilogramm schwere Puppe musste über immerhin eine 30 Meter lange Strecke gezogen werden.

Alle Disziplinen gehen auf gewöhnliche Situationen im Alltag von Feuerwehrleuten zurück, wie Menschen retten, Türen mit Axt oder Hammer aufbrechen oder Schläuche transportieren. Im Wettkampf werden die Bedingungen, unter dafür um ein vielfaches erschwert.

„Moin aus Abu Dhabi“, meldete sich Schütt zwischendurch mit einer Audiobotschaft an die LN-Redaktion. „Am ersten Tag waren die Einzelläufe. Die waren durchwachsen. Ich bin meine persönliche Bestzeit gelaufen und habe mich um zwei Sekunden verbessert. Mein Kollege Gerrit Feddern hatte leider Probleme mit seiner Maske. Er wäre eigentlich deutlich schneller gewesen.“

Gestern Mittag, Ortszeit, war das FCC Team Germany mit einem Mal ganz nah dran: „Die erste Runde in der Staffel sind wir ganz gut gelaufen“, postete Schütt und berichtete erleichtert, dass sein Team auf Platz 24 von insgesamt 42 gelandet war und sich somit für die Finalrunde qualifiziert hatte. Doch die Konkurrenz war groß. Kurze Zeit später meldete der Mollhagener, dass es doch nicht ganz gereicht hatte. „Wir sind gerade leider gegen das stärkste deutsche Team rausgeflogen,“ gab Schütt bekannt. Mit ihm waren auch wieder Gerrit Feddern aus Barmstedt bei Hamburg sowie Peter Joba aus Baden-Württemberg und Matthias Nastvogel aus Bayern gestartet.

Alles in allem zeigten sich die Feuerwehrleute aber zufrieden mit den Ergebnissen, hatten sich Schütt und Feddern doch schon vor dem Abflug in den Süden eine Erkältung zugezogen. „Da wir beide körperlich etwas angeschlagen waren, hatten wir nicht die volle Prozentzahl an Kraft. Aber dafür haben wir ganz gut abgeschnitten“, erzählte Schütt. Zu bedenken sei auch, dass bei der Challenge die Spitzenleute schlechthin zusammenkommen. Bei fast allen handele es sich um Berufsfeuerwehrleute, die im Grunde täglich trainierten.

Für das FCC-Team begann also gestern Mittag schon die wohlverdiente Entspannung nach hartem Einsatz. Doch wer einmal Blut geleckt hat, kann davon nicht lassen. „Wenn ich mich qualifiziere, bin ich das nächste Mal auf jeden Fall wieder dabei“, kündigte Schütt schon kurze Zeit später an. Dann allerdings nehme er seine Familie mit zur Challenge.

Der kleine Urlaub führt den Mollhagener jetzt übrigens durch wohl bekanntes Terrain. Denn Schütt hat vor einigen Jahren als Ausbilder in Dubai gearbeitet, um die Brandschützer dort fit für ihren Job zu machen. Die freien Tage will er unter anderem nutzen, um Menschen zu treffen, die er damals kennengelernt hat.

Ungebremst weiter

Die Firefighter Challenge ist ein Wettkampf, der in den USA seinen Ursprung nahm und an Power und Action nicht zu überbieten ist. Letztlich wird ein Einsatz simuliert vom Zugang zum Gebäude, über den Aufbau der Schlauchverbindung bis hin zur Rettung von Menschen. Zwischen den einzelnen Wettkampfteilen darf keine Pause eingelegt werden.

Während der gesamten Zeit muss die Feuerwehrausrüstung inklusive Atemschutzgerät getragen werden, sonst droht Disqualifikation. Nur beim Staffel- oder Tandemwettbewerb, bei dem der Parcours in der Gruppe oder zu Zweit absolviert wird, brauchen die Geräte nicht angelegt zu werden.

In Deutschland steigt der nächste Firefighter-Combat schon nächsten Monat. Am 16. April können Brandschützer ihre Oberschenkelmuskulatur herausfordern und in Berlin beim 6. Stairrun, also Treppenlauf, teilnehmen. Es geht die 39. Etage des Park Inn Hotels am Alexanderplatz hinauf.

Von Dorothea von Dahlen

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