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Stormarn Filmscout: „Der tollste Job der Welt“
Lokales Stormarn Filmscout: „Der tollste Job der Welt“
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21:46 23.06.2017
Ein Tag mit Tobias von Schönermark: Bei einer Besprechung mit Aufnahmeleiter Tim Carstensen (l.) beginnt der Tag am Set. Dieses Mal wird mit Heino Ferch und Barbara Auer gedreht (r.). Auf dem Weg zum Termin fotografiert er einen möglichen Drehort, bevor in Bebensee letzte Besprechungen anstehen.
Steinhorst/Höltenklinken/Bebensee

An einem Filmset hat so eine gewöhnliche Schmutzfangmatte ihren großen Auftritt. „Nichts ist wichtiger“, sagt Tobias von Schönermark zu Set-Aufnahmeleiter Tim Carstensen und drückt ihm eben diese in die Hand. In einem Wohngebiet in Steinhorst (Kreis Herzogtum Lauenburg) stehen die beiden Männer vor einem Einfamilienhaus. „Die Matten müssen unbedingt im Flur ausgelegt werden“, sagt von Schönermark. Er trägt die Verantwortung für das Haus. Er hat es ausgesucht, denn der 46-Jährige ist von Beruf Scout für Drehorte. Zu seinem Traumjob ist er vor 20 Jahren nach einer kaufmännischen Ausbildung über ein Praktikum bei einer Hamburger Produktionsfirma gekommen.

Tobias von Schönermark erkundet Drehorte – aktuell für Barbara Auer und Heino Ferch.

„Die Leute vertrauen mir ihr Heim an, ich möchte das Vertrauen nicht enttäuschen“, sagt Tobias von Schönermark, der akribisch die Arbeit des 30-köpfigen Teams verfolgt. Eine zentrale Aufgabe hat deshalb die Schmutzfangmatte. „Wir räumen aus den Häusern meist alle Möbel aus. Dieses Mal haben wir sogar umgestrichen“, sagt er. „Alles wird vorher mit Fotos dokumentiert und später in den Urzustand zurückgesetzt. Bei den Arbeiten müssen wir alles schützen – gerade empfindliche Böden.“

Im Hintergrund werden Leuchten, Kabel, Regiestühle und vieles mehr von drei Lastwagen abgeladen und in das Haus getragen. Kurz darauf rollt ein Wagen mit verdunkelten Scheiben vor und die Schauspieler Barbara Auer und Heino Ferch steigen aus. In dem Haus, das Tobias von Schönermark ausgesucht hat, wird für den ZDF-Zweiteiler „Tod eines Mädchens 2 – Die verschwundene Familie“ gedreht. Es ist die Fortsetzung eines Dramas, in dem der Tod eines Mädchens einen Ort an der Ostsee in Aufruhr versetzt.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Eindrücke der Dreharbeiten zum Krimi-Zweiteiler "Tod eines Mädchens" in einer Bildergalerie zu sehen.

„Naja, an der Ostsee sind wir nicht“, gesteht von Schönermark, und blickt in die Felder, die neben dem Haus beginnen und bis zum Horizont reichen. „Da tricksen wir mit dem Computer. Es ist ja ein fiktiver Ort.“ Abgesehen davon, sei der Drehort aber ein Glücksfall. Das Team habe auf einem benachbarten Gutshof viel Platz für die Autos, Lastwagen, Wohnmobile und den Caterer gefunden.

Eine Frau kommt auf von Schönermark zu und fällt ihm freudestrahlend in die Arme. Es ist Annette Grube, sie will „mal vorbeischauen“. Denn sie wohnt eigentlich in dem Haus, in dem die Schauspieler gerade einen toten Familienvater finden. Schon der erste Teil des Films wurde bei Annette Grube gedreht. Komisch sei es trotzdem, wenn es im eigenen Haus plötzlich wieder so anders aussieht. „Und es stinkt so“, sagt sie. Schuld sind die Requisiten: Schimmeliges Brot und Essensreste. „Die Familie des Toten ist schon längere Zeit verschwunden“, erklärt Schönermark. „Da brauchen wir entsprechende Requisiten.“

Um 11.58 Uhr piept das Handy von Tobias von Schönermark, da ist er auf dem Weg zu seinem Auto. „Die erste Klappe ist gefallen. Ich schaue abends zu Drehschluss wieder nach dem Rechten.“ In der Zwischenzeit macht er sich auf den Weg zu einem neuen Drehort – in Bebensee (Kreis Segeberg) – an dem andere Szenen Anfang Juli gedreht werden sollen. Dort gibt es vorab einiges zu besprechen.

Sein Job habe zwei Seiten, sagt von Schönermark. „Oft fahre ich durch die Gegend mit Bildern im Kopf und Drehbuch auf dem Beifahrersitz und suche für den Regisseur Motive.“ Die fotografiert er und nimmt sie in den Bestand auf. So in Höltenklinken (Kreis Stormarn). „Das ist eine lange schmale Landstraße zwischen Feldern. Die könnten wir mal gebrauchen.“ In den Kreisen rund um Hamburg sei schon viel gedreht worden. „Für den Krimi ,Solo für Weiss 2’ sollte es zum Beispiel ein Haus am Waldrand sein. Das habe ich in Reinfeld gefunden.“

Gemeinsam mit dem Team werden Besichtigungen gemacht und aus seinen Vorschlägen der passende Drehort ausgesucht. „Dann kommt der zweite Teil meines Berufes: Ich kümmere mich um alles Organisatorische.“ Von Schönermark spricht mit Nachbarn und Behörden, achtet auf die Ordnung in den Objekten, regelt Parkplätze, Strom und Wasser – und studiert auch schon mal den Plan der Müllabfuhr. „Wenn die am Drehtag plötzlich kommt oder eine Baustelle vor der Tür ist, hätte ich meinen Job schlecht gemacht.“

In Bebensee angekommen, erwartet ihn bereits die Besitzerin, die nicht genannt werden möchte, an der Tür. Mit Liebe zum Detail sind das Haus und das Grundstück am See hergerichtet. „Das soll der Wohnort eines Bauunternehmers sein“, sagt von Schönermark. Bei einem Rundgang mit der Hausherrin werden alle Details besprochen. Einige Äste eines Baumes am See, wo eine Schlüsselszene gespielt wird, müssen beschnitten und andere kleinere Arbeiten erledigt werden. „Ein Filmdreh findet hier das erste Mal statt“, sagt sie.

Und dann kommt das Beste: Beim Eintreten in den Flur gibt eine verglaste Panoramafront einen idyllischen Blick frei auf den Neversdorfer See. „Deshalb habe ich das Haus ausgesucht“, sagt Tobias von Schönermark freudestrahlend. „Ist das nicht toll? Ich bin an den schönsten Orten unterwegs. Das ist der tollste Job der Welt.“

Kim Meyer

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