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Fingerabdruck aus der Steinzeit

Wulfsdorf Fingerabdruck aus der Steinzeit

Hamburger Archäologin untersucht die Ausgrabungsfunde von Schlamersdorf und Kayhude für ihre Promotion.

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Ein Keramik-Bruchstück aus dem Fundgebiet Schlamersdorf: Ann-Katrin Meyer geht der Frage nach, ob sich die Keramik vom Travetal her im Norden verbreitet hat. Fotos (2): Archäologisches Landesamt Schleswig/Archiv

Wulfsdorf. Vor 7000 Jahren hat ein Mensch im Travetal seine Fingerabdrücke hinterlassen. Sie zieren den Rand eines Keramikgefäßes, das circa 5000 vor Christus entstanden ist und in den 1980er-Jahren bei Ausgrabungen in Schlamersdorf entdeckt wurde — damals ein Sensationsfund. In Schlamersdorf liegen zwei archäologisch interessante Fundstellen dicht beieinander am alten Lauf der Trave. Ann-Katrin Meyer, Doktorandin an der Universität Hamburg im Bereich Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, erforscht die Fundstücke und war auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft für Ur- und Frühgeschichte des Kreises Stormarn im Haus der Natur in Wulfsdorf zu Gast, um über ihre neuesten Forschungsergebnisse zu berichten.

LN-Bild

Hamburger Archäologin untersucht die Ausgrabungsfunde von Schlamersdorf und Kayhude für ihre Promotion.

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Rentierjäger-Vortrag

Ingo Clausen vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein, der die Voruntersuchungen im Ahrensburger Tunneltal im Rahmen der S 4-Planung begleitet hat, wird am Mittwoch, 20. April, um 19.30 Uhr die Ergebnisse der Probegrabungen im Herbst 2015 vorstellen.

Ort: Stadtbücherei Ahrensburg, Manfred-Samusch- Straße 3, Eintritt frei.

„Die Keramikfunde in Schlamersdorf gelten als älteste Keramik in Schleswig-Holstein“, erklärt Ann-Katrin Meyer. Als aufschlussreich hätten sich dabei Speisekrusten am Geschirr erwiesen, die Spuren von Muscheln und Süßwasserfischen enthielten, die sich der Zeit um 5000 vor Christus zuordnen ließen. Allerdings, schränkt die Archäologin ein, könnte durch die lange Lagerung im Boden eine Verfälschung der Daten eingetreten sein. Bei dem sogenannten Reservoir-Effekt nimmt der Fund Kohlenstoff aus der Umgebung auf, was die Messwerte bei der Radiocarbonmethode älter scheinen lässt. In ihrer Doktorarbeit geht die Archäologin der Frage nach, wie wichtig das Travetal für die Verbreitung von Keramik im Norden war.

Sie nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise in die Endsteinzeitliche Ertebølle-Kultur (5400 bis 4100 vor Christus), die nach dem ersten Fundort in Dänemark benannt ist. Damals lief der Mensch noch seinem Essen hinterher und fing es als Fischer, Jäger oder Sammler ein. Später erst kam er auf die Idee, seine Nahrung über Ackerbau und Viehzucht zu sich zu holen. Im Wald trieben sich Auerochsen herum, die Ostsee bildete sich gerade heraus und wandelte sich zum Salzwasser-Meer. „Die Menschen mussten sich damals an die veränderte Umwelt anpassen“, berichtet Ann-Katrin Meyer. „Flora und Fauna haben sich geändert. Ausgrabungen um 1980 haben gezeigt, dass die Trave damals ein großes Fließgewässer war, das langsam verlandete und Inseln, Sumpf und Schilfwiesen bildete.“ Sie vermutet, dass es in dem Gebiet noch weitere Fundorte geben könnte.

Für die Steinzeit-Menschen bot die Landschaft günstige Lebensbedingungen, weil es reichlich Nahrung gab. „Es ist möglich, dass die Menschen der Ertebølle-Kultur ihr Hauptdorf an der Küste hatten und sich über Außenstationen wie die an der Trave versorgten. Die Beute wurde von dort an die Küste transportiert. Möglicherweise war Schlamersdorf aber auch eine kleine eigenständige Siedlung.“ Denn dort wurden bei den Grabungen 4231 Flintsteinartefakte gefunden, bei denen es sich um Klingen, Pfeilspitzen, Klingenkratzer und Stichel handelt, die im Archiv in Schleswig liegen. „Wir können eine seeseitige Abfallzone, eine Uferzone und das Siedlungsareal unterscheiden“, so die Fachfrau. Im Abfall fanden sich Tier-Knochen, Scherben und Reste von Holz und Steinen. Felssteine deuteten im Siedlungsareal auf ehemalige Kochgruben hin; möglicherweise hätten die Menschen damals einen Teil ihrer Beute direkt vor Ort zubereitet und gegessen. Ein roter Riesenstichel fällt aus dem Rahmen und gilt als ortsfremd.

Von den 820 Keramikfunden ist ein Großteil zersetzt, lediglich ein Trichterbecher aus der Zeit um 4100 vor Christus ist vollständig erhalten und möglicherweise ein Mooropfer. Auch vier Geweihfunde in Form von Äxten und zwei Harpunen gehörten zu den Funden, die erstmals bei der Begradigung der Trave um 1930 auftauchten. „Das reduzierte jägertypische Gerät deutet auf eine temporäre Siedlung von Jägern hin“, so Ann-Katrin Meyer. Eine Pollenanalyse habe gezeigt, dass es in der Zeit erste Ansätze für Holzwirtschaft gab, um Material für Fischreusen zu bekommen. Die These der Archäologin ist, dass sich die Keramik vom Travetal aus nach Osten ausgebreitet haben könnte. „Es geht um die Schatzkammer Alster- und Travetal“, erklärt Ann-Katrin Meyer. „Wer hat die Keramik erfunden und wo ist sie erstmals aufgetaucht?“ Weiteren Aufschluss sollen Funduntersuchungen aus dem Bereich Kayhude geben.

Von Bettina Albrod

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