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Stormarn Flüchtling schenkt der Freikirche eine Jesusfigur
Lokales Stormarn Flüchtling schenkt der Freikirche eine Jesusfigur
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13:45 23.12.2017

Sie ist etwa einen Meter hoch – die Statue, die Arash Raisi von Hand gefertigt hat. Mit ausgebreiteten Armen hängt Jesus am Kreuz, seine Augen sind geschlossen, sein Mund geöffnet. Es ist dieser Gesichtsausdruck, der den Betrachter unweigerlich anzieht. Ist es Schmerz und Leiden? Oder Hingabe und Erlösung? Um das Kreuz windet sich eine Spirale auf dem Weg nach oben – umrankt von zwölf Blüten. „Diese Figur zeigt uns, wie durch den Opfertod Jesus neues Leben erwächst“, sagt Stefan Hoffmann, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde am Moordamm in Bad Oldesloe. Für Hoffmann symbolisiert Raisis Holzbildhauerarbeit auf ganz wunderbare Art die Hoffnung.

Im Foyer der Kirche hat der Pastor die Jesus-Figur aufgestellt. „Ich wollte einen Ehrenplatz, damit jeder, der hereinkommt, sie auch sieht.“ Es wurde sogar extra ein Kubus angefertigt, der als Sockel für die Statue dient. Geplant sei es zudem, Fotos vom Entstehungsprozess dazuzuhängen sowie die biblische Parallele zu skizzieren. „Das Ganze wollen wir dann mit Spots beleuchten“, sagt Hoffmann.

Fünf Monate lang täglich viele Stunden hat Arash Raisi an seiner Jesus-Figur geschnitzt. Es sei keine Auftragsarbeit für die Kirche. „Sondern etwas zwischen mir und Gott, was ich ausdrücken wollte“, sagt Raisi. Am Anfang war es ein dicker Olivenholzstamm, aus dem er nach und nach sein Kunstwerk mit Meißel, Feile und Beitel herausarbeitete – und zwar aus einem Stück. „Es war mühsam, ich hatte kein gutes Werkzeug, und das Holz hatte sehr viele Risse“, sagt der 34-jährige Künstler. Aber jeden Tag mit seinen Händen an seinem Jesus zu arbeiten, das gab ihm auch Halt und Kraft, um mit der Fremde in Stormarn zurechtzukommen.

„Ich mag die Deutschen, sie sind sehr freundlich und ehrlich“, sagt der Iraner, der aus seinem Land flüchten musste, weil er dort als bekennender Christ verfolgt wurde. In der Gemeinde am Moordamm kümmert sich Pastor Hoffmann um Raisi und andere zehn geflüchtete Christen aus dem Iran, die in Bad Oldesloe Aufnahme fanden. „Aber auch ich stoße an meine Grenzen. Ich habe nur begrenzte Zeit und Möglichkeiten, Gemeindemitglieder wie Arash zu begleiten und ihnen im Alltag zu helfen“, sagt der Geistliche.

Arash Raisi hat im Iran Möbel geschnitzt – von Hand, und war damit sehr erfolgreich. Auf dem Markt fanden seine kunstvollen Schränke, Stühle und Tische reißenden Absatz. Diese Art von Handarbeit würde er am liebsten auch in Deutschland machen. „Aber hier arbeitet man als Tischler kaum noch mit den Händen, sondern mit Maschinen – alles muss gerade sein.“ Dabei liebt es Raisi, dem Werkstoff Holz individuelle Formen und Verzierungen zu verleihen. Darin ist der Iraner auch besonders gut, wie seine Christusfigur beweist. Doch diese Kunst sei hierzulande kaum mehr gefragt. „Man hat mir empfohlen, dass ich versuchen soll, einen Ausbildungsplatz als Tischler zu bekommen“, berichtet der Iraner. Doch warum er, der schon jahrelang als Tischlermeister gearbeitet habe, noch einmal ganz von vorn anfangen solle, das kann er nur schwer verstehen.

„Das kann ich nachvollziehen. Wenn man vom Beruf des Tischlers schon alles weiß, warum soll man dann noch mal eine Ausbildung machen?“, sagt Stefan Hoffmann. Doch in Deutschland gebe es für Ausbildungsberufe strenge Regularien, die habe er als Pastor auch erfahren müssen. „Ich habe meinen Bachelor in Theologie gemacht und war Baptistenpastor. Um Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde zu werden, musste ich auch einen Teil meiner Ausbildung wiederholen.“ Drei Jahre habe er nachholen müssen, obwohl er zuvor 15 Jahre als Baptistenpastor tätig war.

Nach diesen Worten geht Arash Raisi noch einmal zu seiner Jesusfigur. „Nach unten geht’s leicht. Nach oben zu gehen, das ist schwer“, sagt der Iraner , während er mit den Fingern über die Spirale fährt. Dann lächelt er schüchtern. „Vielleicht kann ich doch noch mal eine Ausbildung machen.“

Von Britta Matzen

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