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Flüchtling wegen Totschlags angeklagt

Bad Oldesloe/Lübeck Flüchtling wegen Totschlags angeklagt

Ein 22-jähriger Afghane ist vor dem Lübecker Landgericht angeklagt, im Februar dieses Jahres in der Mommsenstraße in Bad Oldesloe einen jungen Iraker erstochen zu haben. Zum Prozessauftakt am Mittwoch legte der Mann ein Teilgeständnis ab und zeigte Reue.

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19. Februar: In der Mommsenstraße hat die Lübecker Mordkommission die Ermittlungen übernommen. Spezialisten sichern Spuren.

Quelle: Foto: Jeb

Bad Oldesloe/Lübeck. Es war der 19. Februar 2017, den eine junge Oldesloerin nie mehr in ihrem Leben vergessen wird. Die Frau musste mitansehen, wie ihr Freund auf der Straße verblutete. Sie ist einer von insgesamt zehn Zeugen, die an den sechs Hauptverhandlungstagen vor der I. Großen Strafkammer aussagen sollen.

 

LN-Bild

Das Lübecker Landgericht ist aufgrund von Bauarbeiten am eigentlichen Standort immer noch an der Schwartauer Landstraße untergebracht.

Quelle: Foto: Mc

„Es war keine Absicht, ihn lebens- gefährlich zu verletzen. Angeklagter

Der damals 23 Jahre alte Mann aus dem Irak war wie Karim N. (alle Namen geändert) in einem sozialen Wohnprojekt in Bad Oldesloe gemeldet, verbrachte die meiste Zeit jedoch bei seiner Freundin. Wenn er doch mal in der Unterkunft in der Mommsenstraße war, kam es häufig zum Streit mit seinem afghanischen Zimmergenossen; auch wenn sie gar nicht die gleiche Sprache benutzten, wie der 22-jährige Angeklagte gestern vor Gericht erzählte.

Auch am Tatabend kam das spätere Opfer gegen 21 Uhr in die Unterkunft, um nach möglicher Post für ihn zu gucken. Während seine Freundin vor der Tür im Auto wartete, gerieten die beiden Asylbewerber erneut in Streit. Der Iraker, dessen Familie vor Gericht als Nebenklägerin auftritt, war nach Angaben von Karim N. größer und viel stärker als er selbst und wurde irgendwann handgreiflich. Karim

N. erlitt nach eigener Aussage Hämatome am Kopf und Prellungen. Als sein Kontrahent das Zimmer verlassen wollte, warf der Afghane ihm Glas und Pfanne hinterher, traf jedoch nicht.

Was im Anschluss passierte, darüber machte der Angeklagte leicht widersprüchliche Angaben. Er habe das Messer – ein Steakmesser mit etwa zwölf Zentimeter langer Klinge – unter einem Tisch gesehen, danach gegriffen und sei dem 23-Jährigen nach draußen auf die Straße gefolgt. Der Iraker sei auf nasser Straße ausgerutscht undhabe am Boden gelegen. Er selbst, so der Angeklagte vor Gericht, sei auch gestolpert und habe plötzlich auf seinem Widersacher gelegen. Auch habe er ihm mit dem Messer einmal in den Oberschenkel gestochen.

Von den beiden anderen Stichen, die in der Anklageschrift erwähnt werden, wollte Karim N. gestern zunächst nichts wissen. Einer hatte den Iraker in der Halsschlagader getroffen und war am Ende tödlich. Trotz schneller Hilfe durch seine Freundin sowie Notarzt und Rettungsdienst war der junge Mann etwa anderthalb Stunden später noch am Tatort seinen schweren Verletzungen erlegen.

„Es war keine Absicht, ihn lebensgefährlich zu verletzen“, sagte der wegen Totschlags Angeklagte gestern und vergrub dabei seine Hände im Gesicht. „Ich weiß bis heute nicht, wie ich damit umgehen soll.“

An dem betreffenden Abend ging Karim N. anschließend wieder in die Wohnung, kurz danach wurde er von der Polizei festgenommen. Seit dem 20. Februar sitzt der 22-Jährige, der auf der Anklagebank deutlich älter wirkt, nun in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Lübeck.

Dabei hatte er eigentlich vorgehabt, so berichtete er gestern dem Vorsitzenden Richter Christian Singelmann, noch im Februar nach Afghanistan auszureisen in seinen Geburtsort Herat. Dafür sei er einige Male bei der afghanischen Botschaft in Berlin gewesen, es habe aber schlussendlich nicht geklappt.

Nach Deutschland gekommen ist Karim N. nach eigener Aussage im Juli 2016. Er sei mit einer Gruppe aus dem Iran – er lebte seit seinem siebten Lebensjahr in Teheran – über die Türkei nach Neumünster und dann Bad Oldesloe gekommen. Während er im Iran schon Marihuana konsumiert habe, seien in Deutschland härtere Drogen hinzukommen. Darauf zielten auch die Fragen der Richter immer wieder ab. Weil Karim N. auch mindestens zweimal in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden ist, werden im Laufe des Prozesses auch zwei Sachverständige noch zu Wort kommen. Anberaumt sind sechs Verhandlungstage, weiter geht es am 12. Oktober um 13 Uhr im Lübecker Landgericht an der Schwartauer Landstraße.

mc

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