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Flüchtlingshilfe: Reinfeld macht weiter

Reinfeld Flüchtlingshilfe: Reinfeld macht weiter

Die Festnahme eines Syrers in der Stadt schockiert die Helfer – Doch sie wollen sich nicht beirren lassen.

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In diesem Haus wurde der Mann festgenommen. Die Polizei kam gegen vier Uhr angerückt und überraschte die Bewohner im Schlaf. Einen 17-Jährigen nahmen die Beamten mit.

Quelle: Fotos: Jeb/dpa/ln-Archiv

Reinfeld. Die Festnahme des jungen Syrers, der möglicherweise zu einer Terrorzelle des Islamischen Staates zählt, ausgerechnet in Reinfeld: Das hat vor allem die vielen Flüchtlingshelfer schockiert in einer Stadt, die seit 2013 durch ihre Ehrenamtler in Sprachkursen, in familiärer Umgebung, bei der Wohnungssuche und bei Arztbesuchen vorbildlich hilft.

LN-Bild

Die Festnahme eines Syrers in der Stadt schockiert die Helfer – Doch sie wollen sich nicht beirren lassen.

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Doch der Polizeieinsatz in den frühen Morgenstunden am Dienstag mitten in Reinfeld, bei dem ein angeblich 17-jähriger Syrer festgenommen wurde, hat sie nicht sprachlos gemacht. „Natürlich machen wir weiter“, sagt Cordula Andjelic-Neumann als Vorsitzende des Roten Kreuzes in Reinfeld. Sie könne die Bedenken und Nöte mancher ihrer Helferinnen angesichts eines Terrorverdächtigen allerdings nachvollziehen. „Der hätte ja auch bei uns in der Kleiderkammer auftauchen können.“ Und sie warnt davor, „alle über einen Kamm zu scheren“. Es gebe schließlich auch in Deutschland einige Menschen, die schlimme Taten begehen. „Deshalb sind doch nicht alle hier schlecht“, sagt sie. Und wegen eines einzelnen das Helfen aufzugeben – aus Angst, das wäre der falsche Weg. „Dann haben die Terroristen genau ihr Ziel erreicht.“ Und ergänzt: „Ende September wird das Rote Kreuz seine neue Kleiderkammer in der Schillerstraße offiziell eröffnen.“

„Menschlich enttäuscht“, ist der pensionierte Lehrer Albrecht Werner. Er fühlt sich mit der Enttarnung des jungen Syrers ein wenig erinnert an die Zeit nach der deutsch-deutschen Vereinigung, „als Stasi-Spitzel in der eigenen Familie oder im Freundeskreis plötzlich aufflogen“. Die Ruderer seien lieb und nett mit dem jungen Mann umgegangen. Und der selber sei stets um Anpassung bemüht gewesen.

Aufgefallen war dem Lehrer nur, „dass er reifer wirkte, als ich 17-Jährige normalerweise erlebe“.

Doch Werner als Motor hinter der rührigen Initiative „Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl“ lässt nichts kommen auf die anderen rund 300 Neuankömmlinge in der Stadt und im Amtsbereich. „Diese Festnahme hat mit denen nichts zu tun. Wir dürfen uns da nicht beirren lassen.“ Überrascht zeigt er sich dennoch, „dass wir so etwas in unserer Reinfelder Idylle erleben müssen“.

Und die ist für einige getrübt, wie Bürgermeister Heiko Gerstmann an den Mails auf seinem Computerdisplay sieht. „Einige haben jetzt Angst um Kinder. Andere zeichnen ein völlig undifferenziertes Bild von der Situation“, berichtet er. Er müsse die Ängste und Sorgen der Bürger zwar berücksichtigen, „aber es wäre fatal, wenn die sonst eigentlich positive Stimmung gegenüber den Flüchtlingen kippen würde“. Und genauso fatal wäre es, wenn Ehrenamtler wegen eines Schwarzen Schafes in der Stadt aufgeben würden.

„Nur dieser eine bedroht alles, was hier aufgebaut wurde“, weiß Pastorin Christina Duncker. Sie habe bei den Sprachpaten und Helfern unter dem Dach der Kirche eine gewisse Verunsicherung bemerkt, rät aber, „so zu leben wie bisher. Wie wir immer gelebt haben. Das darf uns niemand wegnehmen“. Die Neuankömmlinge in Reinfeld seien schließlich gerade wegen Krieg und Gewalt in ihrer Heimat geflohen.

„Ein einzelner Mann darf nicht unsere Offenheit und unsere Hilfsbereitschaft behindern.“ Gerade das würde dem Islamischem Staat ja in die Hände spielen. Das Risiko der Offenheit berge immer die Gefahr, „dass man zwischenmenschlich verletzt wird.“

Der Verhaftete und seine in Ahrensburg und Großhansdorf festgenommenen Komplizen standen unterdessen gestern vor dem Haftrichter. Bei der Gruppe könnte es sich laut Bundesanwaltschaft um eine „Schläferzelle“ gehandelt haben. Das Bundeskriminalamt hatte sie vor der Festnahme lange unter Beobachtung. „Die Polizei hat professionell gehandelt“, lobt Gerstmann. Das gebe ihm trotz allem ein Gefühl von Sicherheit.

Uwe Krog

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