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Stormarn Fluglärm stört Stormarns Nachtruhe
Lokales Stormarn Fluglärm stört Stormarns Nachtruhe
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22:31 17.08.2018
Die Passagierzahlen am Hamburger Flughafen sind im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent auf über 16 Millionen gestiegen. Quelle: Foto: Dpa
Ahrensburg

Schon 2017 ist die Zahl der verspäteten Nachtflüge auf über 1000 gestiegen. Für 2018 zeichnet sich ein noch höherer Trend ab. „Die Zahl der verspäteten Nachtflüge ab 23 Uhr lag per Ende Juli bei 747“, erklärt Oliver Ristau, Sprecher der Hamburger Umweltbehörde. „Das war fast so viel wie im gesamten Jahr 2016, als sie 773 betrug. Es steht zu befürchten, dass der Negativwert von 2017 mit 1.038 dieses Jahr eingestellt wird.“

Das sei nicht hinnehmbar, so der Ahrensburger Dr. René Schwartz, der sich in der BAW engagiert. „Nachtflüge haben dramatisch zugenommen, das Ziel für das ganze Jahr ist schon nach sechs Monaten überschritten“, kritisiert er. Die offizielle Betriebszeit ende am Hamburger Flughafen um 23 Uhr. Danach dürften laut Luftfahrthandbuch und Flughafenordnung nur noch unvermeidbar verspätete Starts und Landungen stattfinden. Tatsächlich gebe es aber viele Flüge danach. Schwartz hat am 29. Juli gezählt und kommt auf zwölf Flugbewegungen nach 23 Uhr, die letzte um 0.02 Uhr. Verantwortlich dafür seien in erster Linie die Billig-Airlines, die bei drei von vier Nachtflügen Verursacher seien.

„Der Flughafen verlangt einen Aufschlag für Flüge nach 23 Uhr“, so Schwartz. Das sei aber nicht ausreichend. „Die Strafe kann vernachlässigt werden, solange der Regelbruch sich für die Airlines immer noch rechnet“, kritisiert er. Wenn sie trotz Strafzahlungen noch verdienten, sei keine Entlastung zu erwarten. Dazu komme, dass von 22 bis 23 Uhr mittlerweile die Hauptbelastungszeit sei. „Deshalb wird die bestehende Bahnbenutzungsregelung, die die Flieger eigentlich über Norderstedt lenkt, gebrochen. Das schafft zusätzliche Betroffenheiten.“ Eine andere Bürgerinitiative habe deswegen gegen den Flughafenbetreiber geklagt. Schwartz sieht das Anliegen der BAW durch das jüngste Urteil zum Berliner Flughafen bestätigt. „In dem Urteil wird darauf hingewiesen, dass Flüge in der ersten und der letzten Stunde um die Kernzeit reduziert werden sollen.“ In Hamburg seien das aber die Zeiten mit den meisten Flugbewegungen. „Es bedarf daher zwingend eines verbindlichen Nachtflugverbotes, um dem Belastungsübermaß Einhalt zu bieten.“

„Nachtflüge sind alle Flüge zwischen 22 und 6 Uhr“, erklärt Oliver Ristau von der Hamburger Umweltbehörde. „Die nehmen in Hamburg immer mehr zu. Das ist aber kein Problem, denn die Zeit zwischen 22 und 23 Uhr gehört zur regulären Betriebszeit des Flughafens.“ Nach 23 Uhr dürften in Hamburg bis Mitternacht noch Flugzeuge starten und landen, die nachweisbar unvermeidbar verspätet seien. Flüge nach 23 Uhr werden laut Ristau mit einem Aufschlag bedacht, der pro Viertelstunde steigt. „In der letzten Viertelstunde vor Mitternacht beträgt der Aufschlag 550 Prozent. Bei einem normalen Landeentgelt für einen Airbus A320 von 330 Euro steigt diese Summe kurz vor Mitternacht also auf etwa 2000 Euro.“

Flughafen will Lärmschutz

Auch der Flughafenbetreiber beschäftigt sich mit dem Thema Lärmschutz. „Der Flughafen ist hier in vielerlei Hinsicht tätig“, sagt Janet Niemeyer, Sprecherin der Flughafen Hamburg GmbH. Der Appell, auf besonders laute Flachstartverfahren zu verzichten, Modernisierung der Flotten und strenge Nachtflugbeschränkungen seien geeignete Maßnahmen. Nur im absoluten Ausnahmefall genehmige die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie Flüge nach Mitternacht. „In Summe sind dies rund 20-30 Bewegungen pro Jahr“, heißt es in einer Maßnahmenliste vom Mai 2018.

„Die Anzahl der Flüge, die zwischen 23 und 24 Uhr die Verspätungsregel nutzen mussten, war schon immer starken Schwankungen unterlegen, zum Beispiel je nach Wetterlage“, so Janet Niemeyer weiter. „Die Zahl im Juli liegt bei 170, im Vorjahresmonat waren es 181. Aufs Jahr gerechnet hatten wir beispielsweise 2007 den höchsten Stand.“

Wie es zu den vielen Nachtflügen kommt, werde zurzeit diskutiert, heißt es bei der Umweltbehörde. „Es gibt viele Gründe wie Defizite bei der Flugsicherungsorganisation, Kapazitätsengpässe im Europäischen Luftraum, die Air-Berlin-Insolvenz, Streiks etc. Das sind alles Aspekte, auf die die Behörde keinen Einfluss hat“, sagt Ristau.

Ein absolutes Nachtflugverbot sei mittelfristig nicht zu erwarten. „Darüber kann der Hamburger Senat nicht alleine befinden. Es gibt bundes- und europarechtliche Vorschriften, die sehr hohe Hürden vor eine Verschärfung bestehender Betriebsbeschränkungen setzen. Der Hamburger Senat strebt aber an, die Situation am Hamburger Flughafen nach 23 Uhr zu verbessern.“

Viel Kritik

Eine vorläufige Bilanz der Beschwerdezahlen ergibt, dass 56 Prozent der Beschwerden aus Hamburg stammen, der Rest aus dem Umland. Aus Ahrensburg kamen von 24 Beschwerdeführern bislang 9900 Beschwerden, aus Bargteheide 5700 von 22 Personen, aus Elmenhorst 1700 von 32 Menschen. Eine deutliche Zunahme gab es bei den Beschwerden über verspätete Nachtflüge.

Internet: www.hamburg.de/fluglaermschutzzonen/10080582/start-fluglaerm/

Bettina Albrod

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