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Forkenstecher bekommt lebenslänglich

Lübeck Forkenstecher bekommt lebenslänglich

Eine Gewalttat wie die in der Müllverbrennungsanlage von Stapelfeld machte selbst das Schwurgericht sprachlos.

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In der Müllverbrennungsanlage von Stapelfeld hatte es Streit um den Feierabend gegeben. Weil ein Leiharbeiter nicht früher nach Hause durfte, schlug er dem Kollegen den Schädel ein.

Quelle: Fotos: M. Giese/ulf-Kersten Neelsen

Stapelfeld/Lübeck. Wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, schweren Raubes und Erpressung ist der 23-jährige Gewalttäter von Stapelfeld gestern zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

 

LN-Bild

„So etwas haben wir als erfahrenes Schwurgericht noch nicht erlebt.“Christian Singelmann, Richter

Quelle:

„So etwas haben wir als erfahrene Schwurgerichtskammer noch nicht erlebt“, leitete der Vorsitzende Richter Christian Singelmann die Urteilsbegründung der Ersten Großen Strafkammer ein. Er bezeichnete den 23-jährigen Gewalttäter mit albanisch-kosovarischen Wurzeln nach der Beschreibung des psychiatrischen Gutachters als „eine dissoziale Persönlichkeit“, deren Verhalten sprachlos mache.

Mit einer 40 Zentimeter langen Eisenstange, an deren Ende lange Metallzinken rechtwinklig abstehen, hatte der Mann am 17. Juni vergangenen Jahres zunächst von hinten auf seinen 59-jährigen Vorarbeiter derart heftig eingeschlagen, dass die Schlackegabel im Kopf des Opfers steckenblieb.

Die Arbeiter waren in Streit geraten, weil der 23-Jährige früher Feierabend machen wollte als erlaubt war. Als der Ältere daraufhin per Handy seinen Chef informierte und sich umdrehte, muss ihn der erste Schlag mit dem metallenen Werkzeug, dass zum Reinigen der Verbrennungsöfen dient, getroffen haben. Der Angerufene hatte während eines vorangegangenen Verhandlungstages ausgesagt, das Opfer habe plötzlich nicht mehr weitergesprochen und er habe nur noch Schreie und Rufe in einer ihm unverständlichen Sprache gehört. Damit sah das Gericht den Tötungsvorsatz als erstes Mordmerkmal erfüllt an.

Hinzu sei das Merkmal der Heimtücke erfüllt. „Das Opfer“, sagte der Richter, „hat mit einem solchen Angriff nicht rechnen müssen. Es hat keine Möglichkeit der Abwehr gehabt.“

Der Täter habe die Situation bewusst ausgenutzt, den ersten Schlag von hinten auszuführen. Er habe aus niedrigen Beweggründen gehandelt, weil es ein „eklatantes Missverhältnis zwischen Anlass und Tat“ gegeben habe. Zwei Stunden Mehrarbeit seien eine Nichtigkeit. Diese Gewalttat sei auch ein Indiz für die Einstellung des Täters zu seinem Opfer. Der Angeklagte habe selbst noch während der Verhandlung sein Opfer fast verhöhnt.

Einen Menschen, der sich von dem Angriff wahrscheinlich nie erholen werde. Der halbseitig gelähmt nicht einmal seinen elektrischen Rollstuhl bedienen kann, der auf Dauer eine Betreuung rund um die Uhr brauche. Eine geistige Behinderung sei geblieben.

Weiter eingeflossen in die lebenslange Freiheitsstrafe sind die räuberischen Angriffe auf zwei Autofahrerinnen, als der Gewalttäter die Verbrennungsanlage verlassen hatte und jetzt auf der Suche nach einem Fluchtauto war. Er hatte an einer Kreuzung einer bei Rot haltenden Frau eine Sielharke ins Gesicht geschlagen, um an ihr Auto zu kommen. Aber er konnte das Auto nicht starten. So hatte er eine andere bedroht und deren Wagen in seinen Besitz gebracht, um damit in hoher Geschwindigkeit in Richtung Rahlstedt davon zu rasen. Erst Hamburger Polizisten hatten den Mann dann gestellt.

Auf mildernde Umstände wie eine schizophrene Psychose des Täters konnte das Gericht nicht befinden. Es folgte damit den Ausführungen des Sachverständigen. Der hatte dem Mann angesichts seiner Schulausbildung unter den prekären familiären Verhältnissen sogar eine gewisse Intelligenz zugesprochen und die Geisteskrankheit als vorgetäuscht diagnostiziert. Allerdings folgten die Richter nicht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, eine besondere Schwere der Tat zu erkennen. Damit hat der Verurteilte nun eine Chance, nach 17 bis 20 Jahren aus der Haft entlassen zu werden. Zuvor aber wird er Einsicht zeigen müssen, sagte der Richter. Von einer psychotherapeutischen Behandlung sei er zurzeit noch weit entfernt.

Von Uwe Krog

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