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Stormarn Forstwirtschaft „made in Hahnheide“
Lokales Stormarn Forstwirtschaft „made in Hahnheide“
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21:28 26.06.2013
Rund um die Buche: (v.l.) Bernhard Kenter, Robert Peneux, Inez Demon, Maureen Playfair und Leon B. Comvalius mit Michael Hansen. Quelle: Foto: Bosslet

Ungewöhnlicher Besuch in der Hahnheide bei Trittau: Michael Hansen begrüßte jetzt eine vierköpfige Delegation aus Suriname in seinem Forst. „Die Gruppe möchte sich anschauen, wie bei uns am Beispiel der Buche nachhaltig Forstwirtschaft betrieben wird“, sagt Förster Hansen. Drei Stunden streift er mit seinem Besuch, angeführt von Bernhard Kenter vom Institut für Weltforstwirtschaft an der Universität Hamburg und umringt von einer munteren Schar Studenten, durch Stormarns größtes Waldgebiet.

Inez Demon schlägt den Kragen hoch: Die Biostatistikerin aus dem kleinen Land in Südamerika bekommt an diesem Vormittag das typische Schleswig-Holstein-Wetter ab. Frisch und windig. „Macht nichts“, sagt die junge Frau lachend. Sie habe ein paar Jahre in England gelebt. Sie kenne das Klima. Inez Demon ist gemeinsam mit Surinames Forstchefin Maureen Playfair sowie Leon B. Comvalius und Robert Peneux von der surninamesischen Forschungsanstalt für Landwirtschaft den weiten Weg über den Atlantik gekommen. Warum aber ausgerechnet in die Hahnheide, die zu den Schleswig-Holstenischen Landesforsten gehört?

„Mein Chef hat mich darauf gebracht“, sagt Bernhard Kenter, der selbst in Surinames Tropenwald forscht. „In der Hahnheide kommt alles zusammen — Naturschutz- und FFH-Gebiet, Zertifizierungen und nachhaltige Forstwirtschaft. Förster Hansen hat bei seiner Arbeit einiges zu beachten. Das ist nicht ohne“, sagt Kenter.

Hansen macht seinen Job seit 30 Jahren. Er kann seinen Gästen, für die Kenter zwischendurch immer wieder ins Englische übersetzt, eine Menge aus seiner Praxis mitgeben. Nach einem akribisch erstellen Waldpflegeplan werde die 1400 Hektar große, zusammenhängende Waldfläche gepflegt, 280 Hektar pro Jahr. „Wir arbeiten im Sinne der Nachhaltigkeit kahlschlagsfrei“, erklärt Hansen den südamerikanischen Forstleuten und den jungen Studenten der Holzwirtschaft.

Nachhaltig und kahlschlagsfrei sind die Stichworte, die immer wieder fallen. „In Suriname wird schon lange nachhaltig gewirtschaftet. Das ist sensationell“, sagt Bernhard Kenter. „Wir wollen das aber noch verbessern.“ Das gesunde Verhältnis zu ihrem Tropenwald haben die Surinamesen bereits von ihren Kolonialherren aus den Niederlanden mitbekommen. „Die haben auch die Forschung ins Land geholt“, erklärt Kenter.

Nur 500 000 Menschen leben in Suriname — überwiegend an der Küste und in der Hauptstadt Paramaribo. „Dadurch gibt es wenig Bevölkerungsdruck“, sagt Kenter. Es gebe keine Ernährungsprobleme, dem Land gehe es wirtschaftlich gut. „Es gibt keinen Grund, den Wald zu vernichten, um den Boden anders zu nutzen.“ Nur vier Straßen winden sich durch das Land Richtung Paramaribo. „Die Infrastruktur wird komplett von der Forstverwaltung betreut und kontrolliert“, berichtet Kenter. Jeder Baumstamm sei mit Strichcode versehen. „Daraus lässt sich lesen, um welche Baumart es sich handelt, wo der Baum stand und wie viel gefällt wurde.“

Mit Strichcodes arbeitet Michael Hansen nicht. Dennoch weiß er genau, welche Buchen wann in welcher Menge geerntet wurden. „Alle Bäume, die wir fällen, sind auch verkauft“, betont der Förster. Dass in der Hahnheide Holz auch an Freizeitholzfäller veräußert wird, damit die ihre Häuser heizen können, finden die Experten vom anderen Kontinent allerdings erstaunlich. In Suriname käme niemand auf die Idee, ist das Klima dort doch das ganze Jahr hindurch tropisch warm.

700 Baumarten
90 Prozent der Landesfläche Surinames, viermal so groß wie die Schweiz, ist von Bäumen bedeckt. Etwa 700 Arten gibt es, vielleicht auch fast 1000. Nur 58 davon werden forstwirtschaftlich genutzt — am häufigsten der Qualea rosea (Bergi gronfolo).


Bis heute lässt sich nicht bestimmen, wie alt Tropenbäume überhaupt werden. „Sie bilden keine Jahresringe, wie wir sie kennen. In den Tropen gibt es keine Jahreszeiten“, erläutert Bernhard Kenter. Die Republik Suriname grenzt an den Atlantik, Französisch-Guayana, Brasilien und an Guyana.

Verena Bosslet

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