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Stormarn Frauenflohmarkt abgesagt – Weil Kuchenbuffet zu unhygienisch sein soll
Lokales Stormarn Frauenflohmarkt abgesagt – Weil Kuchenbuffet zu unhygienisch sein soll
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15:13 30.01.2019
Kuchenbuffets sind bei Festen beliebt. Quelle: Raik Mielke
Bargteheide

Der „Flohmarkt von Frauen für Frauen“, der seit 15 Jahren in Bargteheide angeboten wird, fällt in diesem Jahr aus. Grund sind laut Veranstalter die veränderten Anforderungen bei der Lebensmittelhygiene. Auslöser der Sorge ist das privat bestückte Kuchenbuffet. Der „Flohmarkt von Frauen für Frauen“ war an den Internationalen Frauentag angelehnt und fand immer am Sonnabend vor dem Weltfrauentag am 8. März statt.

„Zum Frauenflohmarkt gehört dazu, dass selber gebackene Kuchen als Spende abgegeben werden und der Erlös aus dem Verkauf in vollem Umfang sozialen Projekten zugute kommt“, erklärt Kathrin Geschke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bargteheide.

Kathrin Geschke.

Dem FrauenOrgaTeam fehle es weder an Engagement noch an Freude zum Weitermachen. Es fehle derzeit aber an umsetzbaren Lösungen im Umgang mit sich verändernden Rahmenbedingungen zum Beispiel bei den Anforderungen der Lebensmittelhygieneverordnung.

Deshalb wolle man erst klären, ob die erforderliche Hygiene beim Frauenflohmarkt gewährleistet werden könne. Schließlich solle alles sauber ablaufen.

Spuckschutz nötig

„Als wir vor 15 Jahren damit angefangen haben, gab es Auflagen wie beispielsweise einen Spuckschutz für die Kuchen noch nicht“, erläutert Kathrin Geschke. „Wir müssten mittlerweile auch für eine Kennzeichnung der Kuchen sorgen und genau wissen, was da drin ist.“ Immer mehr Menschen litten unter Unverträglichkeiten und Allergien.„Wir müssen den veränderten Anforderungen Rechnung tragen“, so Kathrin Geschke weiter. „Wir sehen uns da in einer Mitverantwortung und wollen uns deshalb erst einmal genauer informieren.“

Was für den Frauenflohmarkt in Bargteheide gilt, betrifft grundsätzlich alle Veranstaltungen, bei denen es am Rande von Festen oder Veranstaltungen einen privaten Kuchenverkauf gibt. Zuständig für die Lebensmittelhygiene ist beim Kreis Stormarn der Fachdienst Recht und Veterinärwesen. „Es gibt Regeln beim Kuchenverkauf, die für Veranstaltungen wie Flohmärkte und Ähnliches zu beachten sind“, erklärt Fachdienstleiter Frank Brinker. „Das sind Schutzfunktionen für den Kunden.“ Bei privaten Märkten sei das eine schwierige Sache, deshalb gebe es ein Merkblatt im Internet dazu, das auch den örtlichen Ordnungsbehörden vorliege.

Hohe Hygieneanforderungen

Unter dem Titel „Merkblatt über lebensmittelhygienische Mindestanforderungen beim Verkauf von Lebensmitteln auf Volksfesten, Jahrmärkten und ähnlichen Veranstaltungen“ von 2009 ist detailliert aufgelistet, was Anbieter zu berücksichtigen haben.

„Die Verkaufseinrichtungen sind derart zu gestalten, dass jede nachteilige Beeinflussung der Lebensmittel z.B. durch Witterungseinflüsse (Regen, Staub, Sonnenstrahlen) oder durch Kunden (Anhusten, Berühren) wirksam ausgeschlossen wird“, heißt es da. „Werden Lebensmittel unverpackt in Selbstbedienung angeboten, ist durch Beaufsichtigung oder Schutzvorrichtungen wie Glasschürze, Abdeckung o.ä. dafür zu sorgen, dass die Lebensmittel nicht angefasst, angehustet oder sonst nachteilig beeinflusst werden.“ Dazu muss sicher gestellt werden, dass verderbliche Backwaren gekühlt angeboten werden, also nicht wärmer als sieben Grad werden dürfen.

Regelmäßige Kontrolle

„Die Rechtsvorschriften verlangen auch, dass auf die Inhaltsstoffe der Kuchen hingewiesen wird“, erläutert Brinker. Dazu kommen laut Merkblatt Hygienevorschriften wie regelmäßiges Händewaschen, saubere Messer zum Schneiden der Kuchen und hygienische Arbeitsbedingungen. „Märkte, Volksfeste und andere Veranstaltungen dieser Art werden grundsätzlich kontrolliert“, sagt Brinker. Das sei nicht bei allen möglich, werde aber stichprobenartig gemacht. „Wenn wir Mängel finden, stellen wir sie ab“, so Brinker, „unser Blickwinkel ist der Verbraucherschutz.“

In Bargteheide organisiert das FrauenOrgaTeam gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt im Ganztagszentrum den Flohmarkt. „Der Erlös aus dem Verkauf von selbst gebackenen Kuchen und der Standgebühr wurde immer an eine soziale Einrichtung in Stormarn gespendet“, so Kathrin Geschke. „Jetzt müssen wir gucken, ob der Aufwand sich noch lohnt. Aber wir müssen natürlich Rücksicht auf die veränderten Rahmenbedingungen nehmen.“

In den vergangenen Jahren seien durch den Flohmarkt insgesamt etwa 11.500 Euro zusammengekommen, die an lokale wie auch internationale Projekte gespendet wurden. Die Entscheidung, in diesem Jahr keinen Frauenflohmarkt zu veranstalten, bedauerten alle Organisatorinnen sehr. An dem Frauentrödeln mit sozialem Zweck solle aber festgehalten werden, deshalb werde nach leistbaren Alternativen gesucht.

Bettina Albrod

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