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Stormarn Freier Zugang zur Natur umstritten
Lokales Stormarn Freier Zugang zur Natur umstritten
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20:24 08.01.2016
Klaus Klemm auf einer seiner Wildwiesen. Hier möchte er keine Menschen oder Hunde herumlaufen sehen. Quelle: vb

Wenn Klaus Klemm daran denkt, dass bald jedermann über seine Wiesen laufen kann, die er auf eigene Kosten als Ruhezonen für Wildtiere anlegt, wird er richtig sauer. „Es kann doch nicht sein, dass hier jeder herumtappen kann und er hat dann auch noch das Recht dazu“, sagt Stormarns Kreisjägermeister.

Wie nahezu alle Jäger in Schleswig-Holstein lehnt der 70-Jährige vehement das neue Landesnaturschutzgesetz ab. Es sieht unter anderem vor, der Allgemeinheit den Zugang zur Natur zu erleichtern, in dem Wiesen und ungenutzte Ackerflächen betreten werden dürfen (die LN berichteten).

Klee, Luzerne, Hafer und manchmal Topinambur sät Klaus Klemm jedes Jahr auf einigen Flächen in seinem 265 Hektar großen Revier aus. Geht die Saat auf, können sich zahlreiche Tiere wie Hase, Rebhuhn oder Reh in den Wildwuchs zurückziehen. Sie können dort Nahrung finden — oder Ruhe. Eben damit könnte es vorbei sein, wenn die Landesregierung voraussichtlich in den nächsten Wochen den Gesetzentwurf von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) durchwinkt, fürchtet Klaus Klemm. „Das schlimmste für das Wild ist Unruhe, gerade in der Brut- und Setzzeit“, sagt der Waidmann. „Ich verstehe nicht, was der freie Zugang zur Natur mit Naturschutz zu tun hat. Das scheint eine ganz eigene Philosophie zu sein.“ Er erlebe jetzt schon zuweilen haarsträubende Situationen, Quadfahrer, die quer über die Felder und Knicks führen, Radfahrer, die auf der Treckerspur seine Felder querten oder Spaziergänger, die ihre Hunde durch die Wiesen laufen ließen. „Wenn ich heute mit ihnen rede, zeigen sie sich zumeist einsichtig“, sagt Klaus Klemm. „Wenn das Gesetz durch ist, können sie sagen ,Ich darf das‘ und ich kann nichts machen“.

Der Pölitzer ist aber nicht nur Jäger, er ist auch Landwirt. „Für die Bauern ist die Neuerung eine absolute Katastrophe“, sagt Klemm. Wanderer dürfen dann querfeldein über brachliegende Flächen gehen, Kinder Drachen steigen lassen oder Reiter über abgemähte Stoppelfelder galoppieren — vorausgesetzt, es wird kein Schaden angerichtet. „Aber welcher Spaziergänger ist denn in der Lage, eine bestellte von einer unbestellten Fläche zu unterscheiden“, fragt Klemm. 4542 Unterschriften hat der Bauernverband Schleswig-Holstein im Dezember gegen das Betretungsrecht in Kiel abgegeben, 15000 der Landesjagdverband.

Klaus Graeber vom Naturschutzbund (Nabu) Bad Oldesloe hat indes „gar kein Problem mit dem Gesetz“. „Was ist so schlimm daran, wenn Kinder auf einem Feld Drachen steigen lassen“, meint der Nabu-Vorsitzende. „Menschen werden schon genug ausgesperrt“, findet der Naturschützer. Er hofft, dass Familien und Kinder mit dem freien Zugang zur Natur eine andere Bindung zu eben dieser aufbauen.

Klaus Klemm ist da eher skeptisch: „Eine Bindung zur Natur kann ich auch aufbauen, wenn ich auf den Wegen gehe.“ Verena Bosslet

LN

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