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Stormarn Freies Surfen in der Oldesloer Innenstadt
Lokales Stormarn Freies Surfen in der Oldesloer Innenstadt
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09:43 02.08.2016
Melanie, Martin und Michelle Halbeck (v.l.) suchten gestern einen öffentlichen Hotspot in der Oldesloer Fußgängerzone. Quelle: von Dahlen
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Bad Oldesloe

„Wir haben uns schon eben gefragt, wo man hier gratis ins Netz kommt“, sagte Martin Halbeck gestern. Der Ratzeburger war mit Frau Melanie und Tochter Michelle auf einem Einkaufsbummel in der Oldesloer Fußgängerzone. Touristen oder Tagesbesucher wie sie dürften es künftig einfacher haben, in der Innenstadt frei zu surfen. Denn die Stadtwerke Media GmbH plant, dort fünf weitere öffentliche Hotspots einzurichten, die ab Herbst genutzt werden können.

Laut Geschäftsführer Marius Lembicz kommt dieses Angebot aufgrund eines Vertrags mit der Stadt zustande. „Vor 25 Jahren ist schon mal ein Leitung vom Werkhof der Stadtwerke zum Stadthaus gelegt worden. Es war dazu gedacht, auf das Grafische Informationssystem zugreifen zu können. Wir ziehen jetzt ein leistungsfähigeres Kabel ein und im Gegenzug bekommt die Stadt Hotspots“, erklärt Lembicz.

Passanten könnten im Umkreis eine halbe Stunde lang gratis ins Internet, für Gas- oder Stromkunden der Stadtwerke sei das Angebot durchgehend frei. Urlauber könnten sich ein Tagesticket ziehen.

Mit der nötigen Technik sollen Mühlen- und Hindenburgstraße ausgestattet werden. Je höher die Hotspots hängen, umso stärker sei das Signal, sagt Lembicz. Zwei davon würden am Stadthaus befestigt. Für die anderen Standorte müsse noch mit Hauseigentümern gesprochen werden. Normalerweise befestige man die Hotspots an den Straßenlampen, doch das sei leider in Bad Oldesloe nicht möglich. Die Stadtwerke hätten übrigens während der Bauarbeiten in der Fußgängerzone Leitungen für das superschnelle Giga-Internet verlegt, das ebenfalls ab dem 1. September starte.

„Mich freut es natürlich, dass die Stadtwerke das freie Surfen in der Innenstadt angehen“, sagt Kaj-Simon Töde von der Initiative Freifunk Stormarn. Schade nur, dass die Zeit auf eine halbe Stunde begrenzt werde. Aber aus Sicht eines Wirtschaftsunternehmens wie den Stadtwerken sei es verständlich, dass sie geschäftliche Interessen damit verbinden. Hinter dem Projekt Freifunk Stormarn, das er, Töde, vertrete, stehe aber eine andere Idee. Es gehe darum, ein freies Netz aufzubauen, indem Nutzer ihren WLan-Router für den Datentransfer mit anderen zur Verfügung stellen. Auf diese Weise könne ein flächendeckendes Netz hergestellt werden, das unabhängig von kommerziellen Anbietern funktioniere. Die Signale könnten quasi von Fensterbrett zu Fensterbrett weitergeleitet werden und eine Infrastruktur in Häusern und ganzen Wohnblocks aufgebaut werden.

Laut Töde gibt es in ganz Stormarn inzwischen 250 Zugangspunkte für freies Internet, 90 allein davon in Bad Oldesloe. Die meisten Knotenpunkte hätte das Kinder- und Jugendheim St. Josef eingerichtet.

Mit im Boot seien auch die Stadt, die Bibliothek und die evangelische Kirchengemeinde.

Der erste kostenlose Zugangspunkt, der fast genau vor einem Jahr am Preisparadies in der Oldesloer Brunnenstraße eingerichtet wurde, ist indes unterdessen abgeschaltet worden. Die Betreiber hatten schlechte Erfahrungen gemacht, da sich nachts vor ihrem Geschäft viele Surfer trafen und dabei etlichen Müll hinterließen. Aus Frust legten Angela und Martin Dittmar den Freifunk-Router still.

„Inzwischen dürfte dieses Problem nicht mehr auftreten. Denn es gibt inzwischen schon viele weitere Knotenpunkte, so dass der Andrang nicht mehr so groß ist. Selbst in den Unterkünften für Asylbewerber hat die Stadt schon Freifunk eingerichtet“, sagt Töde. Er hält es nach wie vor für sinnvoll, dass sich Geschäfte in der Stadt am Projekt beteiligen. „Die Hotspots der Stadtwerke sind ja nur auf die Straßen beschränkt. Besucher der Gaststätten oder Geschäfte haben davon nichts“, gibt er zu bedenken.

Von Router zu Router

Freifunk ist eine Initiative, die sich zur Aufgabe gemacht hat, unabhängige Funknetze einzurichten. Bundesweit gibt es in Städten und Dörfern immer mehr Freifunk-Gruppen, deren Router miteinander vernetzt sind, so dass ein Datentransfer stattfinden kann. Auch in Bad Oldesloe können Privat- oder Geschäftsleute Zugangspunkte einrichten. Wie das funktioniert, wird genau beschrieben unter badoldesloe.freifunk.net oder freifunk-stormarn.de.

 Dorothea von Dahlen

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