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Stormarn Schülerdemos für den Klimaschutz
Lokales Stormarn Schülerdemos für den Klimaschutz
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17:24 15.03.2019
Rund 250 Schüler haben sich in Bargteheide vor dem Rathaus versammelt. Quelle: Bettina Albrod
Bargteheide/Bad Oldesloe

Weltweit haben am Freitag unter dem Motto „Fridays for Future“ in 132 Ländern Schüler für den Klimaschutz demonstriert. Auch Jugendliche in Stormarn haben sich beteiligt: Während rund 100 Schüler in Bad Oldesloe nach dem Vorwurf des Schuleschwänzens diesmal den Nachmittag für eine Laufdemo mit anschließender Kundgebung auf dem Marktplatz gewählt hatten, kamen vormittags in Bargteheide gut 250 Schüler vor dem Rathaus zusammen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Von der Ida-Ehre-Schule führte die Demo auf den Oldesloer Markt Quelle: Bettina Albrod

„Es sind überraschend viele Unterstützer gekommen“, erklärte der Bargteheider Schüler Nils (16), der die Demo organisiert hat. „Wir können nicht warten, bis die Bundesregierung unsere Probleme löst. Wir müssen selbst aktiv werden, und das fängt im Kleinen an.“ Die Schüler von der fünften bis zur 13. Klasse schwenkten selber gebastelte Plakate mit Aufschriften wie „Kein Strandurlaub am Nordpol“ und skandierten unterschiedliche Sprüche, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. „Eine ganze Generation steht auf den Beinen, um auf das Thema Klimaschutz hinzuweisen“, sagte Nils. „Wir wollen ernst genommen werden, unsere Zukunft ist wichtig.“ Sie hätten die Demo deshalb bewusst in die Schulzeit gelegt: „Es muss wehtun, und wir wollen Öffentlichkeit für unser Anliegen. Da muss man hinterher auch die Konsequenzen tragen.“ Die Fehlstunden würden ihnen aufgeschrieben, eventuell drohten weitere Strafen.

Unterstützung von Eltern

„Als Lehrerin lehne ich das Schuleschwänzen ab, als Mutter begrüße ich es, dass Schüler sich engagieren“, erklärte Margarita Cortes. Es sei schön, dass so viele Schüler dabei seien, und es sei überraschend, dass selbst junge Schüler schon so viel über das Thema wüssten. „Wir wollen etwas ändern, und an unserer Schule gab es schon eine Projektwoche zu dem Thema“, erläuterte Samina (19) vom Eric-Kandel-Gymnasium in Ahrensburg. „Da haben wir Projekte zum Thema Klimaschutz für die siebten bis neunten Klassen entwickelt.“

Zur Demo ist Samina zusammen mit ein paar Mitschülern gekommen, um Stellung zu beziehen. Unterstützer kamen auch in der Gestalt von Angelika Schmidt, Petra Ludwig-Sidow und Andreas Rieschick aus Ammersbek, die zur Elterngeneration gehören. „Wir wollen die Schüler unterstützen“, sagten sie. Es sei ein Grund sich zu schämen, wenn man von Kindern auf den Klimaschutz hingewiesen werden müsse. „Schuleschwänzen ist das nicht, das sind Staatskunde und gelebte Demokratie.“

Als „großartig“ bezeichnete auch Bargteheides Klimamanagerin Ulrike Lentz die Demo. „Da stehen die, die es betrifft, vielleicht beeinflusst das die Meinung der Politiker.“ Klaus Mairhöfer, parteiloses Mitglied der Stadtvertretung, war begeistert. „Diese Demo ist dringend notwendig.“ Es sei ein Armutszeugnis für die Politik, dass Kinder auf den Klimaschutz hinweisen müssten. „Euer Engagement für unsere Gesellschaft und euer Engagement dafür, dass unsere Umwelt eine Zukunft hat, beeindrucken mich sehr“, erklärte Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht.

Demonstrationszug in Bad Oldesloe

In Bad Oldesloe kam zum Sturm der Entrüstung noch der Sturm mit Regen dazu, so dass es der Trupp der Demonstranten schwer hatte. „Wir machen eine Demo von der Ida-Ehre-Schule bis zum Markt“, erklärte Initiatorin Friederike (16). Am Vortag hätten sie noch 20 Plakate gebastelt für diejenigen, die nichts dabei hätten. „Wir demonstrieren diesmal am Nachmittag, weil wir zeigen wollen, dass es auch ohne Schuleschwänzen geht“, erklärte sie. Der Fokus habe zu sehr auf dem Schwänzen gelegen und so von den eigentlichen Zielen abgelenkt. Ihnen gehe es darum, dass die Politik aufwache und der Kohleausstieg viel eher als 2038 komme. „Die jüngere Generation soll ernst genommen werden“, forderte sie.

Unter Polizeischutz zum Oldesloer Markt

Unernst, aber wirkungsvoll, waren manche Plakate. „Run! Forest, run!“ stand in Anspielung auf „Forrest Gump“ auf dem Plakat von Marten Hellwers. „Ich bin Student und bin gekommen, um die Schüler zu unterstützen, weil ich einige hier kenne“, begründete er, dass er mitzog. Klimaschutz sei auch ihm ein Anliegen. Immer mehr Schüler versammelten sich an der Ida-Ehre-Schule, von der schließlich unter Polizeischutz ein Zug von Demonstranten mit Plakaten und Parolen auf den Marktplatz zog. Dort war eine Bühne aufgebaut, auf der Musik spielte und Reden gehalten wurden. „Unsere Elterngeneration ist passiv, obwohl so viel getan werden müsste“, machte ein SV-Vertreter allen über 40 einen Vorwurf. „Es ist traurig, dass die Regierung nicht handelt.“ Viele Politiker lobten die Demonstrationen zwar, aber es müsse etwas getan werden. „Jetzt muss gehandelt werden. Es gibt keine Alternative zur Erde.“

Mit dem Flugzeug auf Klassenfahrt

Viele Schüler achten bereits auf den Klimaschutz. „Wir kaufen mit Netzen und Stofftaschen ein“, hieß es, andere nutzen den Wasserspender der Schule statt Plastikflaschen oder nehmen das Fahrrad, statt sich fahren zu lassen. Demnächst stehe eine Klassenreise an, erzählten andere. Allerdings ist es da mit dem Klimaschutz noch nicht so weit her, denn die Anreise erfolgt per Flugzeug.

Die Anhänger der „Fridays for Future“-Demos wollen solange weiter machen, bis die Politik reagiert. „Die nächste Demo ist europaweit für den 24. Mai, also kurz vor der Europawahl angesetzt“, kündigte Nils an.

Bettina Albrod

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