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Für jeden Gang ein Antrag: Der beschwerliche Weg zum Arzt

Bad Oldesloe Für jeden Gang ein Antrag: Der beschwerliche Weg zum Arzt

Oldesloerin kritisiert die neue Regelung für Taxis in der Fußgängerzone.

Bad Oldesloe. Wenn Ruth Pannicke etwas in der Oldesloer Innenstadt zu erledigen hat, dann ist dies ein großer Aufwand. Die 80-Jährige leidet unter Multipler Sklerose, einer Entzündung des Zentralen Nervensystems, die nicht nur irreparable Störungen des Bewegungsapparats zur Folge hat, sondern auch die Sehschärfe empfindlich beeinträchtigen. Um zum Optiker oder zu Ärzten in der Innenstadt zu kommen, ist sie deshalb stets auf ein Taxi angewiesen. Das klappte bislang auch ganz gut. Doch seit die Betriebe die Fußgängerzone außerhalb der Lieferzeit bis 10.30 Uhr nicht mehr ohne weiteres befahren dürfen, hat sie arge Probleme.

 

LN-Bild

Für Ruth Pannicke ist es stets ein aufwändiges Unterfangen, in die Oldesloer Innenstadt zu gelangen. Die an MS-Erkrankte schafft es mit dem Rollator nicht über Kopfsteinpflaster oder über Bürgersteigkanten.

Quelle: dvd

„Man bekommt zwar eine Ausnahmegenehmigung, wenn man die Behinderung nachweisen kann, doch muss ich für jede Behandlung erst beim Arzt eine Bescheinigung beantragen, sie an die Stadt weiterleiten, um dann ein Taxi bestellen zu können. Auf dem Postweg dauert das doch Ewigkeiten“, sagt Ruth Pannicke verärgert. Bei akuten Schmerzen sei dieses Verfahren eine Qual. Abgesehen davon seien Optikerbesuche von einer Ausnahmegenehmigung völlig ausgeschlossen.

Das hatte auch der Oldesloer Beirat für Menschen mit Behinderungen zu bedenken gegeben, als in den politischen Gremien über das Befahren der Fußgängerzone debattiert hatte. In einem Schreiben vom März bat der Beirat darum, doch zu berücksichtigen, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität wie Gehbehinderte, Blinde oder psychisch Erkrankte auf einen Bring- und Abholdienst angewiesen sind. In solchen Fällen wäre es sicherlich sinnvoll, eine dauerhafte Ausnahmegenehmigung auch außerhalb der allgemeinen Lieferzeiten in der Fußgängerzone zu erteilen. Als Nachweis für die Berechtigung könne der Behindertenausweis dienen, hieß es.

Bis jetzt herrscht aber scheinbar große Verwirrung darüber, ob und in welchem Maße dieser Anregung entsprochen wird. Als eine Taxiunternehmerin auf einer der jüngsten Bau- und Planungsausschuss-Sitzungen beklagt hatte, dass ältere Menschen nicht mehr zum Arzt kämen, hatte man ihr erklärt, dass ein Attest des Arztes ja Erleichterungen verschaffen könne. Nach den Erfahrungen, die Ruth Pannicke jetzt beschrieben hat, scheint die Praxis aber doch nicht so unproblematisch für Geh- und Sehbehinderte zu sein, wie es zunächst klingt.

Inzwischen ist die 80-Jährige richtig sauer. „Ich finde es unerhört, dass gerade Parteien, die sich für ein Fahrverbot eingesetzt haben, ihre Wahlplakate mit dem Auto in der Fußgängerzone aufgehängt haben. Das ist doch sehr fragwürdig“, sagt die alte Dame.

Wenn sie in der Lage wäre, sich unabhängig fortzubewegen, hätte die Oldesloerin auch schon die eine oder andere Ausschusssitzung besucht, um auf den Missstand hinzuweisen. „Tja, so ist das. Auf alte und weniger mobile Leute wird keine Rücksicht genommen, weil sie sich nicht so zur Wehr setzen können“, sagt sie. Sie hofft aber, dass eine für alle verträgliche Lösung gefunden werden kann.

Auch im Beirat geht man davon aus, dass die Regelungen zum Fahrverbot für Taxis noch nicht in Stein gemeißelt sind. Die Regelung müsse überdacht werden, bevor mit dem Einbau von Pollern an der Fußgängerzone auch symbolisch Fakten geschaffen werden.

Debatte offenbar nicht abgeschlossen

Die Debatte um ein Verbannen des Fahrzeugverkehrs aus der Oldesloer Fußgängerzone ist durchaus nicht neu. Seit März vergangenen Jahres ist darüber in den städtischen Gremien gesprochen und gestritten worden. Karin Hoffmann (Grüne) hatte damals den Antrag gestellt, Fahrzeugen das Befahren außerhalb der Lieferzeiten zu verbieten – auch Taxis.

Begrüßt wurde der Vorschlag übrigens auch vom Beirat für Menschen mit Behinderungen, der den Schutz der Fußgänger als sehr wichtig erachtet. Damit aber Personen, die sich nur mühsam fortbewegen können sowie blind oder sehbehindert sind, nicht benachteiligt werden, hat sich der Beirat für Dauergenehmigungen bei Krankenfahrten mit dem Taxi ausgesprochen.

Dorothea von Dahlen

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