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Stormarn Ganz Stormarn im Herbie-Fieber
Lokales Stormarn Ganz Stormarn im Herbie-Fieber
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23:15 15.08.2017
In Feierlaune: Katrin Göhlert, hier flankiert von Mutter Inge von Schmude und Tochter Elisabeth. Quelle: Fotos: Burmester (2), Bartsch, Thormählen
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Reinfeld

„Ich habe gar kein Auto“, sagte Katrin Göhlert. Macht doch nichts, denn dafür war die Laune gestern umso besser. Die Reinfelder Jugendpflegerin feierte nämlich ihren 42. Geburtstag, zusammen mit Tochter Elisabeth (11) und Mutter Inge von Schmude (66) schaute sie beim großen Herbie-Treffen vorbei. Ein Foto, bei dem die Drei aus dem geöffneten Dach des Kultkäfers lächelten, sorgte für allerbeste Laube.

Udo Lenders (67) hatte Anfang der 70er Jahre sogar 6000 Mark – etwas mehr als 3000 Euro – für einen nagelneuen Standardkäfer auf den Tisch gelegt. Opa und Oma hatten etwas dazu gegeben, und der Reinfelder hatte mächtig gespart. Er ging als Zeitsoldat zwei Jahre zur Bundeswehr: „Und der VW war fast der Sold für ein halbes Jahr.“

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Auf seiner Tour durch das Verbreitungsgebiet hat Herbie am Dienstag Station in Stormarn gemacht. Zahlreiche Leser waren gekommen, um sich mit dem flotten Käfer fotografieren zu lassen.

Macht nichts, dafür gab es mächtig Spaß. Und wer glaubt, nur die Techniker der deutschen Autokonzerne kennen mit der Diesel-Software ganz tolle Tricks, der muss sich eines Besseren belehren lassen. Udo Lenders ließ seinen 34-PS-VW um weitere 15 PS aufmotzen, außerdem wurde die Hinterachse tiefer gelegt: „Hat keiner gemerkt. Bevor es zum Tüv ging, wurde das Teil an der Hinterachse abgebaut“, so der 67-Jährige.

Zu den versierten Schraubern zählte auch Herbert Genthe (73) – allerdings im anderen Teil Deutschlands. Der gebürtige Hallenser in Sachsen-Anhalt lebt seit 20 Jahren in Reinfeld und kam mit einem Wartburg 312 vorgefahren. Der Wagen mit 45 PS wurde 1965 in der DDR produziert und muss als Zweitakter mit einem Gemisch aus Öl und Benzin betankt werden:. „Da wundert sich so mancher Fahrer, wenn ich an der Zapfsäule mein Auto kräftig durchrüttele, damit sich die beiden Stoffe im Tank vermischen können.“

Gern erinnert sich Herbert Genthe an die Rennen, die er sich auf den Autobahnen mit dem VW 1200 lieferte. „Da war ich doch ein bisschen schneller. Der Käfer lief höchstens Tempo 120, mein Wartburg aber 130.“ Na ja, aber der VW 1302 mit seinen 45 PS war schon ein anderes Kaliber. Und damit war Klaus Eickmeyer (58) unterwegs. Von 1977 an kaufte sich der Reinfelder immer wieder gebrauchte Fahrzeuge: „Und die kosteten 200 Mark, vielleicht auch mal 500 Mark.“ Dass die Fahrzeuge nicht gerade vom Band gelaufen waren, liegt auf der Hand. „Da gab es sehr viel Rost, vor allem an den Scheinwerfern und auch an den Trittbrettern“, erinnert sich Klaus Eickmeyer.

Mit einem Drei-Generationen-Käfer rollten Hans und Lars Band aus Zarpen auf den Parkplatz an der A1. Lars’ Opa hatte einst den 1302er Anfang der siebziger Jahre gekauft und war mit ihm etliche Jahre unterwges, bevor sich dann sein Schwiegersohn hinter des schmale Lenkrad setzte. „1985, als ich meinen Führerschein machte, bekam ich den Wagen dann“, so Lars Brand. Mittlerweile hat der hellblaue Wagen rund 311000 Kilometer auf dem Tacho.

Nicht nur der Herbie sorgte gestern für helle Aufregung. Fritz Koch (79) kam mit Enkel Adrian Crone in einem SSK Marke Eigenbau vorbei. „Ich habe das Auto vor rund 17 Jahren aus Einzelteilen zusammengebaut“, so der Zarpener. Unter der Motorhaube wurde das Triebwerk eines Mercedes 280 SL mit 170 PS eingebaut, die Sitzbank hat ein Sattler aus Lübeck angefertigt und die Servolenkung stammt von Opel. Aber auch dieses Unikat hat Käferblut. „Es sind die Blinker“, verriet Fritz Koch.

Der Oldesloer Uwe Carsten ist Kraftfahrzeugmeister im Unruhestand, denn er restauriert immer noch alte Autos. Ein Liebling ist der Fiat Spider 850 mit dem Baujahr 1971. Ingrid Brauersfeld (86) erinnert sich noch immer gern an ihren R 4 in Amazonasgrün. Damit war die Reinfelderin bis Mitte der neunziger Jahre unterwegs.

Erinnerungen an schöne Touren rief auch Jürgen Grube (81) wach. Er chauffierte einst die Königskinder in einem offenen VW-Cabriolet mit dem Baujahr 1959 während der Festumzüge durch Zarpen. Touren ganz anderer Art machte die Mutter von Manuela Fick (59), die mit ihrem Käfer ganz allein bis in den Orient fuhr: „An den Grenzen zum Iran und Irak hat meine Mutter dann einen Schleier angelegt.“

Vermutlich gehörte auch eine Strumpfhose mit zum Gepäck, denn die konnte als Ersatzteil verwendet werden. „Wenn beim Käfer der Keilriemen gerissen war, konnte man ihn durch die Strumpfhose der Freundin ersetzen“, erinnert sich Udo Lenders.

 Michael Thormählen

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