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Geburtshilfe: War das Aus von langer Hand geplant?

Bad Oldesloe Geburtshilfe: War das Aus von langer Hand geplant?

Vorwürfe gegen Asklepios. Politiker machen sich Sorgen um das ehemalige Kreiskrankenhaus in Bad Oldesloe.

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Diese Tür wurde zum 1. März 2012 endgültig für Schwangere verriegelt: Asklepios gab die Geburtshilfe auf.

Quelle: Foto: hfr

Bad Oldesloe. Geburtsort Bad Oldesloe. Diese Angabe im Personalausweis werden irgendwann nur noch ältere Stormarner vorweisen können. Denn seit dem 1. März 2012 gibt es in der Oldesloer Klinik keine Entbindungsstation und auch keine Gynäkologe mehr.

Während der Asklepios-Konzern als Träger des ehemaligen Kreiskrankenhauses damals sinkende Geburtenzahlen und vor allem den Kunstfehler-Prozess (Beginn Dezember 2011) als Gründe anführte, glauben ehemalige Beschäftigte an ein von langer Hand geplantes Vorhaben. Einer davon ist Dr. Wulfram Höhn, der selbst etliche Jahre als Leitender Oberarzt bzw. kommissarischer Chefarzt auf der Station gearbeitet hat.

Schon beim Umbau der damaligen Geburtshilfestation 2010 hätten sich Hebammen, Ärzte und Schwestern gewundert, warum für die jungen Mütter rollstuhl- und behindertengerechte Toiletten und Duschen eingebaut wurden, so der 52-Jährige. Spätestens jedoch Anfang 2011 sei durch die Konzernführung und den damaligen Geschäftsführer Dr. Achim Rogge das stückweise Aus der Geburtshilfe beschlossen worden. In diesem Jahr hörten auch die LN von solchen Gerüchten, die jedoch von der Klinik ins Reich der Fabeln verwiesen wurden.

„400 bis 500 Geburten sind bei dem notwendigen Personalvorhalt für geburtshilfliche Noteingriffe rund um die Uhr nicht profitabel“, sagt Dr. Höhn, der mittlerweile eine Praxis in Bargteheide betreibt.

Gewundert habe sich die Belegschaft auch, so ist aus dem Oldesloer Krankenhaus zu hören, dass der bei den werdenden Müttern so beliebte Speiseraum geschlossen wurde. „Gesunde Patientinnen mussten dann nach der Entbindung wie vor 20 Jahren wieder auf dem Zimmer speisen“, berichtet Höhn. Zudem sei den Hebammen die Unterstützung zur damals extrem gestiegenen Haftpflichtversicherung versagt worden. „So wurde die Frauenklinik Stück für Stück demontiert.“

Wie ein Treppenwitz kam dann den Mitarbeitern die Verleihung des internationalen Prädikats „babyfreundliches Krankenhaus“ im Januar 2012 vor. Darauf hatte die Abteilung drei Jahre lang hingearbeitet und viel Herzblut in das Projekt investiert. „Die feierliche Verleihung des Titels durch Vertreter der Landesregierung am 15. Februar 2012 wurde durch Geschäftsführer Rogge mit aller Macht verhindert und das gesamte Geschehen unter den Tisch gekehrt, denn das passte gar nicht in seine Schließungspläne einer Geburtshilfe mit 80-jähriger Tradition!“, empört sich Höhn. Die Geburtshilfe wurde dann zum 29. Februar 2012 offiziell dichtgemacht. „Und kurz danach war auch Geschäftsführer Dr. Rogge weg“, so Höhn vielsagend.

Kritik von Gynäkologen

und Hebammen

Dass die Schließung der Frauenklinik schon viel früher geplant war, lassen auch Dokumente von Stormarner Frauenärzten und Hebammen vermuten, die den LN vorliegen. Darin werden schwere Vorwürfe erhoben und so die Kündigung der Zusammenarbeit mit der Asklepios-Klinik begründet.

„Private Betreiber gehen nach Zahlen. Wenn ein Krankenhaus keine 500 Geburten pro Jahr hat, rechnet sich das nicht“, sagt Dr. Michael Wagner, Gynäkologe aus Bad Oldesloe. Das Aus für die Geburtshilfe, die jahrelang über die Landesgrenzen hinweg einen guten Ruf gehabt habe, sei keine plötzliche Entscheidung gewesen.

Auch die Stormarner Kreispolitik suchte öfter das Gespräch mit der Geschäftsführung, biss dabei jedoch auf Granit. „Ich fühle mich immer noch verantwortlich. Das Kreiskrankenhaus zu verkaufen, war damals meine schwerste Entscheidung überhaupt“, sagt etwa der langjährige Kreistagsabgeordnete Wolfgang Gerstand aus Bad Oldesloe noch heute rückblickend. Nicht nur er betrachtet daher die Entwicklung der Klinik immer sehr kritisch. Dass eine funktionierende Abteilung offenbar aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde, sei eine Katastrophe.

Der Asklepios-Konzern dagegen bleibt bei seiner schon damals verbreiteten Version, dass die Schließung der Frauenklinik nicht von langer Hand geplant gewesen sei. „Die Behauptung ehemaliger Ärzte zum Thema Geburtshilfe können wir klar dementieren“, sagt Rudi Schmidt, Leiter der Unternehmenskommunikation. Befürchtungen einiger Politiker, das Oldesloer Krankenhaus werde mit der neuen Geriatrie-Abteilung ein modernes Altenheim, in das der Konzern nicht mehr investiere, tritt Schmidt entschieden entgegen: „Asklepios investiert in den kommenden Jahren 8,5 Millionen Euro in Bad Oldesloe. Das Land hat weitere sieben Millionen Euro Fördermittel bewilligt, die in Tranchen bis 2017 fließen. Zu den bereits bekannten sieben Millionen Eigenmitteln wird Asklepios eine weitere Million in die Geriatrie investieren sowie nochmal eine halbe Million Euro in die Ertüchtigung der Gebäudetechnik — macht insgesamt 8,5 Millionen Euro.“

Prozess endete ohne Urteil
In dem aufsehenerregenden Prozess gegen zwei Ärzte der Oldesloer Asklepios-Klinik einigten sich Anfang 2012 Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf die Einstellung des Verfahrens. Der Oberarzt zahlte 20 000 Euro und eine Ärztin 10 000 Euro. Angeklagt waren sie, weil eine Frau bei der Entbindung nach einem Kaiserschnitt verblutet war.

Markus Carstens

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