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Stormarn Gefährlicher Einsatz auf der A 1
Lokales Stormarn Gefährlicher Einsatz auf der A 1
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14:01 26.01.2017
Der PC ist immer dabei: Andre Kobert (39) liest die Daten eines Lkw aus. Quelle: Fotos: Matzen/freundt(1)
Bad Oldesloe

Meike Hack und Andre Kobert haben einen gefährlichen Job. Sie arbeiten für die Autobahnpolizei Bad Oldesloe. Auf der A 1, A 20 und A 21 sind sie Tag und Nacht im Einsatz. Raser, Unfälle, Fahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss erleben sie in jeder Schicht. Gerade geht wieder ein Notruf ein. „Stormarn Acht-Zwölf. A 1 Richtung Norden. Unfall bei Kilometer 50,7. Könnt ihr übernehmen?“ „Stormarn Acht von Acht-Zwölf. Verkehrsunfall-Übernahme“, meldet sich Meike Hack per Funk zurück.

Rennstrecke Autobahn – hier sind die Polizisten Meike Hack und Andre Kobert im Einsatz. Die LN waren mit ihnen unterwegs.

„Sicherheit hat oberste Priorität, damit wir alle wieder heil nach Hause kommen.Meike Hack Polizeihauptmeisterin

Andre Kobert gibt Gas. Mit Sirene und Blaulicht fliegt der Mercedes über die Autobahn. 180, 190, 210 km/h – plötzlich schert ein Geländewagen vor ihnen aus. Der Polizeiobermeister reagiert sofort, tritt voll in die Eisen. „Mehr Lampen können wir doch nicht anmachen. Ständig passiert das. Dass die Leute ohne zu gucken rüberziehen.“ Kurz darauf hat der Fahrer des SUV seinen Fehler bemerkt, Kobert hat wieder freie Bahn.

Minuten später erreicht das Team von Acht-Zwölf die Unfallstelle. Die beiden beteiligten Autos stehen auf dem Grünstreifen, verletzt ist zum Glück niemand. Die Polizeibeamten lassen sich den Unfallhergang schildern und begutachten die Fahrzeuge. „Dies ist ein Unfall, den wir nicht aufnehmen müsen. Die Frau ist aus Unaufmerksamkeit aufgefahren“, sagt Hack. Hier werde ein Verwarngeld in Höhe von 35 Euro ausgesprochen. Bis auf kaputte Stoßstangen sei alles glimpflich abgelaufen.

Das erleben die Beamten von der Autobahnpolizei Bad Oldesloe oft anders. Die A 21 sei besonders gefährlich, weil sie so kurvig sei und über keinen Standstreifen verfüge. „Da gab es schon häufig brenzlige Situationen. Deshalb fahren wir oft mit zwei Einsatzwagen dorthin, wenn was passiert ist. An der A 21 haben sie uns schon oft die Absicherung umgefahren. Es gibt auch genügend Kollegen, die über die Leitplanke hechten mussten, weil Autofahrer sie nicht gesehen haben“, schildert Meike Hack. Auch die dreispurige A 1 sei eine der unfallträchtigsten Strecken im Norden. „Vor zwei Wochen hatten wir hier einen Massenunfall“, berichtet Polizeihauptmeister Tobias Gorny, der zu dem Zeitpunkt Dienst hatte (LN berichteten). „Wir waren gerade mit der Aufnahme eines Unfalls in Fahrtrichtung Süden beschäftigt, als Hagelschauer einsetzten und es auf der Gegenseite nur noch so krachte.“

Ein zu geringer Abstand ist nach Beobachtung der Autobahnpolizisten zunehmend die Hauptursache für Unfälle. „Um auf plötzliche Bremsmanöver des Vordermanns reagieren zu können, ist ein Mindestabstand von einer halben Tacholänge in Metern vorgeschrieben. Also bei Tempo 100 heißt das 50 Meter Abstand – das sollte man schon einhalten“, empfiehlt Gorny, der im Revier meist in Zivilfahrzeugen mit Videoanlage unterwegs ist. „Stormarn Acht. Ein Lkw mit Anhänger und ausländischen Kennzeichen ETM, Rest nicht bekannt, ist flüchtig nach Verkehrsunfall am Kreuz Ost. Erbitten Unterstützung Richtung Norden.“ Der nächste Einsatz für Meike Hack und Andre Kobert. Auf einem stillgelegten Rastplatz begeben sie sich in Position. „In den nächsten 20 Minuten sollte der Lkw hier vorbeikommen, wenn er die A 1 genommen hat“, schätzt die 33-jährige Polizeihauptmeisterin. Der Verkehr rauscht vorbei, jeder Laster wird ins Visier genommen. Doch das flüchtige Fahrzeug ist nicht darunter.

Fahndungsabbruch.

Sprinterkontrolle ist als nächstes angesagt. „Sprinter sind oft interessant. Vor allem die mit Kühlung, die Döner und andere Lebensmittel transportieren“, sagt Kobert. „Wollen wir gleich den vor uns nehmen?“ „Nö, lass uns mal den Roten dahinter checken“, sagt Hack. Warum der? „Das fragen die Leute auch immer. Nur so ein Gefühl“, sagt die Beamtin. „Bitte folgen“ leuchtet auf dem Dach, auf dem Pendlerparkplatz Bargteheide kommt der rote Ford-Transit mit ROW-Kennzeichen zum Stehen.

An Bord: vier polnische Bauarbeiter. „Fahrzeugkontrolle. Die Papiere, bitte“, sagt Meike Hack freundlich. Während die blonde Frau die Personalien überprüft, kontrolliert ihr Zwei-Meter-Kollege die Ladung. „Wir haben ein Problem. es gibt keine Wand, und nichts ist gesichert. Bei einem Unfall sind alle verletzt.“ Das haben die Polen verstanden. An Ort und Stelle sichern sie mit Gurten den großen Tankbehälter und die Gerätschaften. Ein Verwarngeld wird fällig: 50 Euro plus 30 Euro Verwaltungsgebühr. „In bar, bitte. Weil Sie nicht in Deutschland wohnen.“ Der Bauleiter des Trupps nimmt’s gelassen. „Vierter Tag in eurem Land, zweite Kontrolle. Ihr Deutschen seid sehr genau.“ Sagt’s, zahlt und fährt davon.

Auf Streife

36 Mitarbeiter sind bei der Oldesloer Autobahnpolizei im Außendienst im Einsatz, darunter sind acht Frauen. Zudem sind sechs Polizeibeamte im Innendienst tätig.

Klassische Einsatzbereiche: Unfälle, Gegenstände auf der Fahrbahn, Geisterfahrer, Lkw mit überhöhter Ladung/zu langen Fahrzeiten, Autodiebstähle, Drogen-, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, Fahrzeugmängel, Handy am Steuer.

Stresssituationen: Rettungsgasse klappt nicht, etliche Gaffer sowie den, Verkehr runterbremsen – viele Raser halten sich nicht daran.

 Britta Matzen

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