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Stormarn Gehen Türsteher nach Quotensystem vor?
Lokales Stormarn Gehen Türsteher nach Quotensystem vor?
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23:58 12.09.2013
Sind alle Besitzer eines deutschen Personalausweises: (v. l.) Gerd-Günter Finck, Lokman Kilic, Alparslan Altintas, Meriton Rexhaepi, Vedat Bingöl, Erkan Gülünoglu, Gazmend Bilimi und Aygün Caglar. Quelle: Foto: Dorothea von Dahlen
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Bad Oldesloe

Die Betreiber der Bad Oldesloer Disco „Nachtschicht“ bestreiten, dass junge Leute mit Migrationshintergrund bei der Einlasskontrolle diskriminiert werden. Seit der Tanzschuppen vor etwas mehr als einem Jahr öffnete, hatte es immer wieder Beschwerden gegeben, dass Besucher mit anderer Hautfarbe oder ausländischem Akzent an der Tür abgewiesen werden. Wie Betroffene geschildert hatten, legten die Kontrolleure mitunter eine ruppige Art an den Tag. Eine Gruppe junger Männer vom Forum für Migration und Toleranz hat die Probe aufs Exempel gemacht und über einen längeren Zeitraum hinweg getestet, ob sie problemlos eingelassen werden.

„Wir haben den Test gemacht und festgestellt, dass sich die Situation etwas entspannt hat“, erzählt Aygün Caglar. Die Geschäftsführung der Diskothek habe offenbar das Türsteher-Team komplett ausgetauscht. Nun sei es nicht mehr die Regel, dass rassistische Sprüche fallen. Caglar nahm damit Bezug auf einen Vorfall, bei dem er selbst mit der Bemerkung abgewiesen worden war, er gehöre nicht zum Klientel der Disco.

„Das ist sicherlich auch dem öffentlichen Druck, den wir ausgeübt haben, zuzuschreiben“, sagt Gerd-Günter Finck, Vorsitzender des Migrationsforums. Noch sei die Situation aber nicht optimal. Es gebe immer noch Jugendliche, die negative Erfahrungen an der Disco-Pforte machen. Langsam dränge sich der Eindruck auf, dass die Türsteher nach einem Quotensystem vorgehen und nur einen gewissen Prozentsatz von jungen Leuten mit Migrationshintergrund hineinlassen.

Erkan Gülünoglu zählt zu denen, die draußen bleiben mussten. Er wollte mit vier Freunden tanzen denen man auf den ersten Blick ansieht, dass sie keinen Migrationshintergrund haben. „Alle kamen rein, nur ich nicht, obwohl ich meinen deutschen Personalausweis gezeigt habe“, erzählt der 19-Jährige. Das habe ihn tief getroffen. Denn drinnen wollten alle Geburtstag feiern. Beim nächsten Mal werde er von seiner Clique sicherlich nicht mehr gefragt, ob er mitkommt, wenn er doch sowieso abgewiesen wird.

Aygün Caglar findet das sehr ärgerlich. Ziel des Forums müsse es sein, eine Gleichbehandlung zu erreichen. „Wenn jemand nach Alkohol stinkt oder aggressiv auftritt, ist klar, dass er draußen bleiben muss“, sagt er. Doch bei den Jugendlichen und jungen Männern, die er früher in den Theater- und Sportgruppen des einstigen Vereins FIT (Für Integration und Toleranz) betreut hat, gebe es keinen Grund zur Beanstandung. „Ich kann mit Stolz sagen, dass aus allen etwas geworden ist. Und es wäre schlimm, wenn sich jemand diskriminiert fühlt und womöglich eines Tages doch noch radikal wird“, sagt er.

Caglar hofft, dass demnächst ein Gespräch zwischen ihm, Bürgermeister Tassilo von Bary, Diskobetreiber Matthias Orth und ihm zustande kommt, bei dem er alle Probleme auf den Tisch bringen will.

Letzterer war für ein Gespräch mit den LN nicht erreichbar.

Ausgegrenzte Discobesucher ziehen vor Gericht
Dass junge Leute mit ausländischem Aussehen am Einlass von Diskotheken diskriminiert werden, ist kein Problem, das nur in Bad Oldesloe thematisiert wird. Wie in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ berichtet wird, häufen sich bundesweit die Beschwerden über eine rassistische Einlasspraxis der Disco-Türsteher. Demnach ziehen inzwischen immer mehr abgewiesene junge Leute vor Gericht, um gegen die ungerechte Behandlung zu klagen.
Laut „Spiegel“ hat das Amtsgericht Hannover erst vor einigen Wochen einem Studenten 1000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Er war mehrfach von Türstehern einer Disco fortgeschickt worden. Ähnliche Prozesse gab es auch schon in Stuttgart, weitere sind in Leipzig, Hamburg, Heilbronn und Bamberg anhängig. Die Mitglieder des Oldesloer Forums für Migration und Toleranz hoffen, dass dies eine abschreckende Wirkung auf die lokale Disco-Szene haben wird.

Dorothea von Dahlen

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