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Stormarn Geldstrafe für Kaufhaus-Einbrecher
Lokales Stormarn Geldstrafe für Kaufhaus-Einbrecher
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20:16 17.09.2013

Die Anklage lautete auf räuberische Erpressung, aber das Schöffengericht in Ahrensburg zeigte sich gestern gnädig: Haft drohte einem jungen Oldesloer, verurteilt wurde er zu einer Geldstrafe. Das begründete das Gericht damit, dass der Täter „auf dem Weg der Vernunft“ sei.

Vorangegangen war ein Akt der Unvernunft. Der heute 24-Jährige war mit seinem Mitbewohner in der Mühlenstraße unterwegs, nachdem beide zuvor drei Flaschen Rum geleert hatte. Als die beiden Männer vor dem leer stehenden früheren M&H-Kaufhaus standen, schlugen sie eine Scheibe ein, durchstreiften das Haus, traten dann die Tür einer Arztpraxis ein und entwendeten eine Geldbörse mit 74 Euro, Schlüssel und ein Skalpell. Am Tatort stellte sie die Polizei mit einem Hund. Der Angeklagte musste sich wegen schweren Raubes verantworten, weil er ein Klappmesser dabei hatte.

„Das Messer sollte nicht als Bewaffnung gelten“, gab der Angeklagte an. „Ich habe es von meinem Vater bekommen und immer in einer Extra-Tasche am Gürtel. Das Messer ist für die Gartenarbeit.“ Er sammele Messer. In das Kaufhaus seien sie aus Neugier eingestiegen, auch habe er zunächst gar nicht mitmachen wollen. Der Angeklagte gab den Diebstahl zu, er habe aber weder Scheibe noch Tür eingeschlagen.

Er war ohne Anwalt vor Gericht erschienen. Zu dem wurde sein Mittäter, der als Zeuge geladen war: Er wurde wegen der Tat bereits zu einer Haftstrafe verurteilt und setzte sich für den Angeklagten ein. „Es war meine Idee“, sagte der 19-Jährige aus, „er wollte das gar nicht und hat sich nur mitziehen lassen.“ Es sei eine Tat ohne jeglichen Hintergrund gewesen, vielmehr habe sie das Abenteuer gereizt. „Ich war aufgeregt: Stellen Sie sich das mal vor, irgendein Verrückter — in dem Fall ich — tritt da die Tür ein, das können Sie sich gar nicht vorstellen, Sie sind ein normaler Bürger“, wandte er sich an den Richter. Der Angeklagte sei kein Krimineller. „Ich habe ihn dazu verleitet, Blödsinn zu machen, dabei hat er ein Kind und eine schwere Vergangenheit.“

Der Angeklagte — ohne Schulabschluss und arbeitslos — erzählte, dass er mit 13 Jahren begonnen habe, Drogen zu nehmen. Vor einem Jahr habe er sich eingeschlossen und selber auf Entzug gesetzt, seitdem nehme er keine Drogen mehr. Auch habe er eine Suchtberatung aufgesucht und sich für eine Therapie angemeldet. „Mein Ziel ist, die Sache in den Griff zu kriegen. Ich will meinem Sohn was bieten können.“

Die Staatsanwältin plädierte dafür, die Anklage trotz der Waffe milder zu formulieren, aber dem folgte das Gericht nicht. „Diebstahl mit Waffen wird hoch bestraft, weil schon im Mitführen der Waffe eine Gefahr liegt. Wir wissen nicht, wie der Angeklagte unter Stress reagiert hätte, wenn ein Nachtwächter ohne Hund ihn überrascht hätte.“ Auch habe der Angeklagte den Diebstahl zugegeben.

Verminderte Schuldfähigkeit bestehe nicht, „der Angeklagte hatte nur 0,54 Promille“. Andererseits sei er nur Mitläufer und habe glaubwürdig gemacht, dass er mit seiner Vergangenheit gebrochen hat.

Abenteuerlust habe eindeutig im Vordergrund gestanden, „es war kein geplanter Einbruch.“ Trotz einer Vorstrafe wegen Diebstahls sei deshalb von einem minder schweren Fall auszugehen. Der Angeklagte muss 90 Tagessätze á acht Euro und die Prozesskosten zahlen.

Bettina Albrod

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