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Gemeinsames Sparen und Geselligkeit

Mönkhagen Gemeinsames Sparen und Geselligkeit

Sparclubs haben in Stormarn Tradition – „Steck In“ in Mönkhagen feiert 30-jähriges Jubiläum, Rehhorster sparen mit „Hol Up’n Dutt“ seit 1930. Einer der größten ist in Meddewade.

Mönkhagen. „Von den Zinsen kannst du dir gerade mal ein Bier kaufen“, sagt Kurt Saß. Trotzdem sparen die Mönkhagener weiter. Seit 30 Jahren legen sie ihr Geld im Sparclub „Steck In“ an, um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden: Mehrmals im Jahr wird nämlich ordentlich gefeiert. „Das nächste Fest, das ansteht, ist das Oktoberfest am 23. September“, sagt Saß, der der erste Vorsitzende des Mönkhagener Sparclubs ist. Im Gemeindehaus werde es dann hoch hergehen. 15 Euro kostet der Abend – inklusive bayerischer Schmankerln wie Leberkäse, Würstchen, Sauerkraut-Radi, Obazda, Käseplatte und Musik. Das berühmte Paulaner Oktoberfest-Bier soll’s auch geben – für 6,50 Euro die Maß. „Der Festausschuss hat mit der Organisation alle Hände voll zu tun“, so Saß. Aber der Einsatz lohne sich. Die Mitglieder vom „Steck In“ freuten sich jetzt schon drauf, mit Familie, Nachbarn und Freunden zünftig zu feiern. „Da werden die Dirndl und Lederhosen wieder rausgeholt“, weiß der Vorsitzende.

LN-Bild

Sparclubs haben in Stormarn Tradition – „Steck In“ in Mönkhagen feiert 30-jähriges Jubiläum, Rehhorster sparen mit „Hol Up’n Dutt“ seit 1930. Einer der größten ist in Meddewade.

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Zwischen 16 und 85 Jahren alt sind die 70 Mitglieder des Sparclubs, die nicht nur aus Mönkhagen, sondern auch aus den Nachbargemeinden Langniendorf und Heilshoop kommen. Es waren mal 107 Sparer. Aber als der Kassierer von Tür zu Tür ging, um die Beiträge einzusammeln, seien einige ausgetreten. „Wir haben keinen Sparkasten – aus Sicherheitsgründen. Deshalb haben wir eine Zeit jemanden rumgeschickt, aber das ist wohl nicht so gut angekommen“, so der 67-Jährige. Inzwischen treffen sich die Sparer jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat im Blauen Haus – für einen Klönschnack und um ihr Erspartes beim Kassierer abzuliefern. „Wie viel jeder zurücklegt, bleibt jedem selbst überlassen. Aber 60 Euro pro Person müssen es mindestens im Jahr sein, damit man an den Feiern teilnehmen kann“, informiert Saß.

Gemeinsames Sparen und Geselligkeit – darauf kommt es an. Was das Feiern angeht, lässt sich der Festausschuss vom „Steck In“ einiges einfallen: Holsteiner Abend, italienischer und griechischer Abend, Matjesessen, Oktoberfest und Weihnachtsfrühstück sind nur einige der Events, die in den vergangenen Jahren stattgefunden haben. Die Veranstaltungen sind immer gut besucht – Geselligkeit wird unter den Mitgliedern groß geschrieben. „Schade nur, dass kaum einer von den neu Zugezogenen dabei ist. Die meisten ziehen abends die Rollos runter, morgens wieder hoch, dann fahren sie zur Arbeit, mehr sieht und hört man von denen nicht“, hat der Mönkhagener festgestellt.

Kurt Saß ist eines der Gründungsmitglieder des Sparclubs. „Das war 1986. Wir saßen zu viert in der Küche von Hans von der Ölznitz und waren uns einig, dass die Runde mal vergrößert werden muss.“ Kurz darauf wurde der Sparclub „Steck In“ gegründet, der schnell 38 Mitstreiter zählte. „Die ersten Feste fanden noch im Wohnzimmer von Hans von der Ölznitz statt. Später sind wir in den Partyraum von Ingrid Ohrt umgezogen“, erinnert sich das Gründungsmitglied. In guter Erinnerung sind auch noch die ersten Ausflugsfahrten geblieben. „Einmal ging’s nach Hamburg ins Ohnsorg-Theater, ein anders Mal nach Schwarze Berge.“ Im Wildpark sei jedoch eines der älteren Mitglieder verloren gegangen. „Wir mussten den ganzen Weg noch mal zurücklaufen, bis wir die Frau wiedergefunden haben, die sich verirrt hatte.“

Zum 30-jährigen Jubiläum hat der Sparclub „Steck in“ jetzt ein Buch herausgegeben mit mehr als 200 Fotos von den Highlights der vergangenen Jahre. „Im Herbst soll dazu auch noch ein Bildvortrag stattfinden – untermalt mit Musik.“ Da freuen sich Kurt Voß und seine Mitstreiter schon drauf.

Sparclubs haben in Stormarn und auch anderswo in der Republik Tradition. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Norddeutschland die ersten Klubs. Seit 1929 gibt es bei der Sparkasse Stormarn, der Rechtsvorgängerin der heutigen Sparkasse Holstein, Sparclubs. 1930 zählte das Stormarner Geldinstitut 129 Sparclubs zu ihren Kunden, in denen mehr als 300 000 Reichsmark gespart wurden.

Einer der Clubs war „Hol Up’n Dutt“ in Rehhorst, der 1930 von den Eigentümern des Kolonialwarenladens und der Gaststätte „Zur Post“ gegründet wurde. Die eingezahlten Gelder wurden im Dezember an die Sparer ausgezahlt und für das Weihnachtsfest – später auch für das Sparclub-Essen– verwendet.

Die Sparkasse stellte leihweise einen Schrank zur Verfügung, der in der Gaststätte aufgehängt wurde. Wegen fehlender Örtlichkeit und aus Sicherheitsgründen gibt es auch in Rehhorst keinen Sparkasten mehr. Denn der Inhalt der Schränke ist nur bis 250 Euro versichert. Aber der Sparclub in Rehhorst existiert auch heute noch und trägt zum geselligen Miteinander in der Gemeinde bei. Von Hamburg bis Fehmarn gibt es bei der Sparkasse noch 250 Sparclubs, die unterschiedlich aktiv sind.

Der Sparclub Edelweiß wurde am 1. Juli 1912 in Meddewade gegründet. Er hatte im Jahr seiner Gründung zehn Mitglieder. Heute ist der Sparclub vom Sparvolumen und der Anzahl seiner Mitglieder (149) einer der größten Sparclubs in Schleswig-Holstein. Jeweils im Januar ist die Jahreshauptversammlung mit Grünkohlessen und Auszahlungsfeier inklusive großem Festball.

Jeweils Anfang des Monats zieht Andrea Berlitz durch Meddewade und kassiert. Sie werde meistens sehr freundlich empfangen, erzählte sie jüngst den LN. Jeder Anwohner kann ihr so viel Geld geben, wie er möchte. Wenn man nichts in der Tasche hat, dann sei das aber auch okay.

Boom und Schlagzeilen

Mitte der 60er Jahre erlebten die Sparclubs einen Boom. Damals hingen die Kästen, die eine sichere Alternative zum Sparstrumpf waren, in vielen Eckkneipen und Gasthöfen. Allein wegen der hohen Zinsen lohnte sich das Sparen, auch die Wirte profitierten. Denn es war üblich, sich zum Dämmerschoppen in der Gastwirtschaft zu treffen. Doch mit dem Sterben der Gasthöfe wurden auch viele Sparclubs aufgelöst.

Ab und an schafften es die Sparclubs auch in die Schlagzeilen. Wie 2013 in Trittau „Der letzte Heiermann“. Kurz vor Weihnachten hatte der Wirt des Alten Bahnhofs den Mitgliedern des Sparclubs das Festessen gründlich verdorben. Statt der erwarteten fünfstelligen Summe lagerten auf dem Konto nur wenige Hundert Euro. Statt das Geld nach der wöchentlichen Leerung zur Bank zu bringen, hatte Bernd K. es für eigene Zwecke missbraucht und sich dann aus dem Staub gemacht.

Britta Matzen.

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