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Gerd-Günter Finck für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet

Daniel Günther übergibt Ehrennadel Gerd-Günter Finck für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet

Wie es Menschen ergeht, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, hat Gerd-Günter Finck selbst leidvoll erfahren müssen. Dies ist sicher ein Grund, weshalb der Oldesloer anderen in Not hilft. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde er gestern in Kiel ausgezeichnet. 

Geehrt: Gerd-Günter Finck (l.) aus Bad Oldesloe. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zeichnete insgesamt sieben engagierte Schleswig-Holsteiner mit der Ehrennadel aus.

Quelle: Frank Peter/HFR

Bad Oldesloe/Kiel. Die kostenlose Beratung, die er Mietern im Streit mit der Wohnungsverwaltung oder Geflüchteten, deren Aufenthaltsstatus wacklig ist, angedeihen lässt, hat Finck zu einiger Prominenz verholfen. Da treten etwa Familien an ihn heran, die in einer feuchten Wohnung mit Schimmel an den Wänden leben, was sich schon gesundheitlich bemerkbar macht. Sorgfältig prüft der Oldesloer, der einst eine Mieterberatung in Hamburg mitbegründete, die Rechtslage und tritt sogar mit Vermieter oder Verwalter in Kontakt, um Probleme außergerichtlich klären zu können. „Mit den kleineren Vermietern in der Region habe ich gute Erfahrungen gemacht. Sie zeigen meist Einsicht. Bei größeren Objekten, wo die Verwaltungen außerhalb sitzen, ist es meist schwierig“, erzählt Finck und betont: „Ich berate auch Biodeutsche, um das mal so zu sagen, nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund.“

Lavdim Blloshimi (im Rollstuhl) auf dem Weg in die Klinik. Ihm drohte die Abschiebung. Hinter ihm Naim Tafa, Gerd-Günter Finck, Afrim Salihu (v.l.).

Lavdim Blloshimi (im Rollstuhl) auf dem Weg in die Klinik. Ihm drohte die Abschiebung. Hinter ihm Naim Tafa, Gerd-Günter Finck, Afrim Salihu (v.l.).

Freilich gehören die Schicksale von Geflüchteten zu den dramatischeren Fällen, um die sich Finck kümmert. Manchmal holt er sich dabei auch politische Fürsprecher mit ins Boot, um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen. So auch, als Lavdim Blloshmi im November vergangenen Jahres die Abschiebung drohte. Der Albaner hatte bei der Detonation einer Landmine im Grenzgebiet zum Kosovo beide Beine verloren und war aufgrund der besseren medizinischen Versorgung nach Deutschland gereist. Kurz vor der OP erhielt er die Aufforderung, nach Albanien zurück zu kehren. Finck bat damals den SPD-Bundestagsabgeordneten Frank Thönnes, sich dafür einzusetzen, dass Blloshmi bleiben kann. Die Aktion war von Erfolg gekrönt.

Mit jedem Notfall, den Finck „verarztet“, jedem Kompromiss, den er im Sinne seiner Schützlinge schließt, wenden sich neue Ratsuchende an ihn. „Das reißt nicht ab. Inzwischen bin ich über die Woche hinweg halbtags mit der Lösung dieser Probleme beschäftigt“, erzählt der 71-Jährige. Die berühmte soziale Ader verbindet ihn übrigens mit Ehefrau Wiebke Finck, Vorstandsmitglied des Mehrgenerationenhauses Oase. „Da sie auch selbst sehr aktiv ist, sehen wir uns manchmal nur morgens und abends“, sagt Finck. Von Ruhestand kann also für den einstigen Handelslehrer gar keine Rede sein. Doch das schert den Oldesloer nicht. „Es gibt mir eine Zufriedenheit, wenn ich anderen Menschen helfen kann. Ich sehe das als Sinn des Lebens an“, sagt er.

Aufgewachsen ist Finck „mit einem sozialistischen Migrationshintergrund.“ Im ostdeutschen Ludwigslust als Sohn eines Eisenbahners geboren, trug er Pionierhemden, absolvierte gar Militärische Körperertüchtigung. Bis ein Volkspolizist seinem Vater den Tipp gab: „Morgen holen wir Dich ab.“ Dem in Opposition zum System stehenden Mann blieb keine Wahl. In einer Nacht- und Nebelaktion machte er sich mit Frau und Kind auf den Weg zum S-Bahnhof Friedrichstraße in Ostberlin, um von dort aus unbemerkt in den Westen zu türmen. Im Jahr 1957, als die Mauer noch nicht existierte, gab es diesen Fluchtweg noch. Wer ihn damals wählte, war aber gut beraten, Koffer oder Taschen zu Hause zurückzulassen. „Bei Leuten mit Gepäck wurden oft Stichproben gemacht. Die DDR hatte Angst vor dem Aderlass, wenn viele Menschen abwandern“, erzählt Finck. Mit nichts anderem als der Kleidung am Leib gelangte die Familie in ein Auffanglager nach Unna und von dort in ein Barackenlager in Rederfeld unweit der niederländischen Grenze.

Als damals Zwölfjähriger empfand Finck die Ausreise in den Westen als sozialen Absturz. „Dort habe ich dann meine ersten Diskriminierungserfahrungen gemacht. Da hieß es: ,Wie sieht der denn aus mit seinen zerrissenen Hosen? Bemerkungen wie: ,Wieder ein nutzloser Esser.’ waren an der Tagesordnung“, schildert der Oldesloer die Anfeindungen, denen er im neuen Land ausgesetzt war. Es dauerte drei Jahre, bis sich die Lage entspannte. In Siegen bekam der Vater Arbeit, die Familie bezog eine Wohnung. „Da war es mit der Hänselei vorbei“, erinnert sich Finck.

Seine erste ehrenamtliche Aktion startete er 1972 in Hamburg Ottensen, wo die gewerkschaftseigene Wohnungsgesellschaft „Neue Heimat“ den Altbau, in dem er lebte, niederreißen und dort Luxuswohnungen errichten wollte. Der von Politik und Presse begleitete Mieteraufstand, den er organisierte, zwang die ohnehin skandalumwitterte „Heimat“ von ihrem Vorhaben abzuweichen.

Von Dorothea von Dahlen

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