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Stormarn Ein Märchenraum in Ahrensburg
Lokales Stormarn Ein Märchenraum in Ahrensburg
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14:07 13.10.2018
Jörn-Uwe Wulf ist hauptberuflicher Märchenerzähler. Quelle: B.Albrod
Ahrensburg

Es war einmal ein Mann, dessen Vorfahren waren Märchenerzähler und der Großvater sammelte Sagen von der Insel Rügen. Da lag es nahe, dass er die Erzähler-Tradition fortsetzt: Seit 28 Jahren arbeitet Jörn-Uwe Wulf als hauptberuflicher Märchenerzähler. Der Ahrensburger erzählt in ganz Deutschland Volksmärchen aus aller Welt und begleitet sich dazu auf der keltischen Harfe. Seminare und Fortbildungen, Märchenspaziergänge über den Ohlsdorfer Friedhof oder Märchenmenüs in Hamburg gehören zu seinem Repertoire. Zudem hat Wulf ein Buch über Märchen von der Vergänglichkeit heraus gebracht.

„Das Märchenerzählen habe ich während des Studiums entdeckt“, erklärt Wulf. Als Leiter einer Wohngruppe in Alsterdorf fiel ihm auf, dass seine Gruppe, wenn er abends Märchen vorlas, ruhig wurde und die Betreuten auf die Geschichten reagierten. „Die Märchen haben die Zuhörer glücklich gemacht, weil sie etwas Vertrautes angeboten haben. Selbst Menschen mit Hirnschäden sprachen darauf an.“ Das bewog ihn dazu, seine Diplomarbeit im Fach Sozialpädagogik über den Umgang mit Märchen bei der Arbeit mit Kindern und Gruppen zu schreiben. Als Wulf daraufhin auch als Erzähler angefragt wurde, entschloss er sich, Märchenerzählen zum Beruf zu machen.

Seitdem erzählt er in Kitas und Schulen, bei Hochzeiten, Jubiläen, Geburtstagen und bei Märchenführungen auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Kinder hören ihm gleichermaßen zu wie Erwachsene, denn Wulf ist nicht der klassische Märchenonkel mit Turban und orientalischem Gewand. „Ich suche die Märchen, die ich erzähle, nach Zielgruppe aus und achte darauf, dass keine Klischees bedient werden. Meine Märchen kennt keiner, ich bemühe mich, dass die Vertrautheit knapp vorbei ist.“ Aschenputtel aus Afghanistan, Die Perle, die bei Nacht strahlt, Die Bienenkönigin - Wulf erzählt die besten Geschichten der Welt. „Ich habe einen Märchenraum zu Hause mit über 1000 Märchenbüchern aus aller Welt.“ Aus diesem Fundus wählt er und erzählt. „Das Märchen ist eine besondere Textform“, betont Wulf, „es gibt die Kontur vor, der Erzähler verleiht ihm dann den letzten Schliff und die heute gültige Stimme. Übrig bleibt, was heute für Menschen wichtig ist. Mein Repertoire ist erlesen.“

Erzähler Jörn-Uwe Wulf hat ein Buch zu Märchen über die Vergänglichkeit herausgebracht. Jörn-Uwe Wulf Quelle: Albrod

Um den Märchenstoffen nahe zu sein, recherchiert Wulf zu dem Erzählten Bräuche und Speisen in dem Land, in dem die Geschichte spielt, welche Musik es dort gibt und welche Besonderheiten. So entstünden die passenden Landschaften im Zuhörer. „Ich erfinde neu“, beschreibt er seine Arbeit, „mich interessiert die Relevanz der Märchen für heute und was der Text dem Zuhörer sagt.“ Manchmal hat er eine Tierfigur dabei oder erklärt einen Stuhl zu einem Schaf und baut Szenarien auf, um das Erzählte anschaulicher zu machen. Dazu begleitet Wulf sich auf der keltischen Harfe. „Das Ergebnis sind leise, stille, anspruchsvolle Berührungen durch die Worte und neue, spannende Texte zum Nachdenken.“ Denn er wolle seinen Zuhörern Wesentliches sagen.

So entstand auch sein Buch „Der Tod im Pflaumenbaum“, das 20 Märchen zur Vergänglichkeit enthält, die Wulf auch auf dem Ohlsdorfer Friedhof erzählt. „Ich wusste nichts vom Tod, hatte keine Gedanken dazu und war sprachlos, als das Thema in meinem Umkreis erstmals an mich heran kam.“ Er recherchierte und erkannte, dass in jedem Märchen das Thema Vergänglichkeit vorkommt, aber auch, dass es spezielle Märchen zu Tod und Leben gibt. Die Texte, so Wulf, beleuchten die Vergänglichkeit in allen Facetten, stellen den Tod als Person dar oder ganz allgemein. Erfunden hat er zudem den „Märchenfalter“ – einen bedruckten DIN-A-3-Bogen für Kinder, die daraus ihr erstes Märchenbuch falten können. „Die Tradition der Märchen ist langsam versiegt“, so Wulf, „aber es gibt darin Wichtiges für heute zu hören.“

(www.maerchenraum.de)

Bettina Albrod

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