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Stormarn Gewalt kommt nicht in die Tüte
Lokales Stormarn Gewalt kommt nicht in die Tüte
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21:43 07.11.2013
Kirche, Kinderschützer, Bäcker, Frauen- und Mädchenberatung Südstormarn, Zonta-Club, Best Ahrensburg, Ex-Bürgermeister Werner Mitsch und Jugendarbeitsteam der Stadt Bargteheide: Viele Organisationen setzen sich eine Woche lang gemeinsam gegen Gewalt ein. Quelle: Albrod

Häusliche Gewalt bleibt ein Tabu-Thema, das selten über die eigenen vier Wände hinaus dringt. Hilfe kann nur von den Betroffenen selber angefragt werden. Aber die scheuen oft die Öffentlichkeit und bleiben aus falscher Scham stumm.

„Wenn die Polizei zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen wird, kann sie eine Weg-Weisung gegen den gewalttätigen Mann aussprechen“, erläutert Gerd Dietel, Hauptkommissar bei der Polizeidirektion Ratzeburg. „Wir sind anschließend gesetzlich dazu verpflichtet, die Daten des Opfers an das Netzwerk ‘Frauen helfen Frauen‘ in Bad Oldesloe zu melden.“ Von dort aus wird Kontakt aufgenommen, um den Opfern Hilfe anzubieten.

„29 Weg-Weisungen wurden bis November bereits ausgesprochen, dazu kamen 41 weitere Fälle bekannter häuslicher Gewalt“, erläutert Gisela Bojer von „Frauen helfen Frauen“. Die Dunkelziffer ist jedoch wesentlich höher. „Häusliche Gewalt ist immer noch ein Tabu-Thema“, sagt Dietel. „Im Schnitt dauert es sieben Jahre, bis sich ein Opfer häuslicher Gewalt meldet.“

Um den Betroffenen den Schritt in die Öffentlichkeit zu erleichtern, organisieren die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis unter Federführung von Gabriele Fricke seit neun Jahren den Aktionstag „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Am 25. November bieten Bäckereien in ganz Stormarn ihre Brötchen in 290 000 Tüten mit dem Aufdruck der Notrufnummer bei häuslicher Gewalt an. Bargteheide geht noch einen Schritt weiter. „Wir haben uns entschieden, in diesem Jahr eine ganze Aktionswoche zu machen“, sagt Ute Sauerwein-Weber, Leiterin der Volkshochschule Bargteheide. „Gewalt hat viele Gesichter. Wir greifen auch Themen wie Gewalt gegen Kinder, in der Familie oder auch Cybermobbing auf.“

Unterstützt werden sie von der evangelischen Kirche Bargteheide, dem deutschen Kinderschutzbund, der Bäcker-Innung Schleswig-Holstein, der Frauen- und Mädchenberatung Südstormarn, dem Zonta-Club Aumühle-Sachsenwald, Best Ahrensburg, Ex-Bürgermeister Werner Mitsch und dem Jugendarbeitsteam der Stadt Bargteheide. Sie alle bieten vom 22. bis zum 30. November eine Woche lang ein Programm von Lesung über die Ausstellung „Tatort Stadion“ bis zu Workshops über Mediation und Selbstbehauptung, ein Theaterstück und den Kinofilm „Herr der Fliegen“ an. „Mit der Aktionswoche ‘Kühn, beherzt und unerschrocken‘ sollen die Bürger für das Thema Gewaltfreiheit sensibilisiert werden“, so Sauerwein-Weber. „Gewalt ist ein gesamtgemeinschaftliches Querschnittsthema.“

Infostände auf den Wochenmärkten, Vorträge, Ausstellungen und Gesprächsangebote sollen im Kreisgebiet dazu beitragen, dass Betroffene den Schritt zur Hilfe tun. Auch Amnesty International ist diesmal dabei. „Wir wollen Flagge zeigen für Frauen“, verspricht Gerd Nickelsen. „Bei uns kann man zehn Nofretete-Flaggen bemalen. Mit 500 davon wollen wir am 25. Januar in Berlin vor der ägyptischen Botschaft für die Rechte der Frauen demonstrieren.“

Neue Notrufnummer
Das Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen hat eine neue Notrufnummer: 080 00/11 60 16. Die Nummer gilt bundesweit und kann rund um die Uhr kostenlos gewählt werden.

Bettina Albrod

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