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"Gnadenhof im Wohnzimmer" - Feuerwehr rettet alle Tiere nach Feuer

Reinfeld "Gnadenhof im Wohnzimmer" - Feuerwehr rettet alle Tiere nach Feuer

Für Feuerwehr und Polizei war das kein Routine-Einsatz: Das Feuer in Reinfeld war schnell gelöscht, doch für die Einsatzkräfte wurde aus dem vermeintlichen Großbrand ein tierischer Einsatz. 25 Hunde, sieben Katzen und fünf Meerschweinchen wurden gerettet und in das Oldesloer Tierheim gebracht.

Quelle: Jens Burmester

Reinfeld. Um 16.43 Uhr wurden am zweiten Weihnachtstag neben der Reinfelder Feuerwehr auch Polizei und Rettungsdienst in die Lübecker Chaussee zu dem Einsatz entsandt.

Eine Reinfelder Tierärztin versuchte mit Hilfe der Feuerwehr, alle Hunde einmal zu untersuchen.

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Während die Polizei die Lübecker Chaussee im Zuge der Bundesstraße 75 zwischen Zuschlag und Feldstraße komplett sperrte, gingen Einsatzkräfte unter Atemschutz in die Erdgeschosswohnung des alten Hauses. Die 43-jährige Bewohnerin war kurz zuvor nach Hause gekommen und hatte selbst die Feuerwehr gerufen.

Bei dem Versuch, ihre Tiere aus dem total verqualmten Gebäude zu retten, zog sich die 43-Jährige offenbar eine Rauchgasvergiftung zu. Der Notarzt bestand darauf, die Frau in ein Krankenhaus zu bringen, doch die weigerte sich mit Händen und Füßen und musste schließlich mit sanfter Gewalt in den Rettungswagen gebracht werden. In der Zwischenzeit hatte die Feuerwehr den Brandherd in der Küche lokalisiert und schnell gelöscht. Wie genau es zu dem Feuer kommen konnte, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.

Nun aber begann der tierische Einsatz für Feuerwehr und Polizei. Sie hatten insgesamt mehr als 20 Hunde, etwa zehn Katzen und einige kleine Meerschweinchen gezählt, die nun eingefangen werden mussten. Bei den Katzen und den Meerschweinchen war das eher problemlos, denn sie waren in einem eigenen Zimmer untergebracht. Die Hunde aber konnten sich im Rest der Wohnung frei bewegen und nutzten natürlich die Gelegenheit, durch die geöffnete Eingangstür das Haus zu verlassen.

Während Feuerwehrmann Reiner Schmidt im Löschfahrzeug einen kleinen Mischlingshund liebevoll betreute, suchten seine Kameraden im Garten nach weiteren Tieren, die vor dem Rauch geflohen waren. Gleichzeitig versuchten Beamte der Polizeistation Reinfeld, Mitarbeiter des Tierschutzes Bad Oldesloe und eine Tierärztin aus Reinfeld zu erreichen. Die schnell herbei geeilte Veterinärin versuchte in dem Chaos, jeden einzelnen Hund anzusehen.

Dann kamen die Helfer des Oldesloer Tierschutzes und deren Vorsitzende Heike Reher. Sie sammelten Hund für Hund ein, verfrachteten die Tiere in artgerechten Boxen in den Van des Vereins und in ihren Privatfahrzeugen. Zuletzt wurden die Katzen und die Meerschweinchen verladen. Dann ging es zum Oldesloer Tierheim, wo alle Tiere zunächst untergebracht wurden. „Die Polizei hat alle Tiere beschlagnahmt“, sagte Reher zur Besitzerin, die später bei ihr auf dem Handy anrief. Wie es weitergehe, müsse jetzt von der Ordnungsbehörde entschieden werden, wenn die wieder besetzt sei. Bis zu einer endgültigen Entscheidung blieben die Tiere in der Obhut des Tierheims.

Bei den Tieren handelt es sich um Straßenhunde aus anderen Ländern oder Tiere, die getötet werden sollten. Die 43-Jährige nahm diese Tiere bei sich auf, versorgte sie und vermittelte offenbar auch einige Tiere an neue Besitzer.

Die Frau war für Tierheimfreunde keine Unbekannte, auch nicht für die Vorsitzende Heike Reher. „Sie hat sogar mit zwei Hunden am Tag der offenen Tür bei uns teilgenommen“, sagte Reher im Gespräch mit den LN. Über die Zustände in der Wohnung der Frau aber hat offensichtlich niemand etwas gewusst. „Das ist kein Tierschutz, was die Frau hier betrieben hat“, machte Reher unmissverständlich deutlich, als sie mit einem Hund aus der Wohnung der Frau kam.

Einen ähnlichen Fall habe man noch nie zuvor gehabt beim Oldesloer Tierheim. „Wir mussten einmal etwa 100 Kaninchen abholen, aber das war etwas anderes“, so Reher. "Sollte man der Frau die Tiere wegnehmen, werden sie von uns vermittelt. Natürlich werden alle vorher von unserer Tierärztin untersucht, gechipt und, wenn nötig, auch kastriert." Die Tiere, bestätigt Reher, seien allerdings alle in einem guten Zustand. Und sie seien allesamt lieb. Die bisherige Besitzerin habe die Hunde alle von einem Tierarzt untersuchen lassen und sei sogar mit einigen von ihnen derzeit noch in Behandlung.

Ein Wort mitreden dürfte allerdings auch die Vermieterin der 43-Jährigen. Denn die hatte offenbar ohnehin nur maximal drei Tiere in der Wohnung erlaubt. 

von Jens Burmester

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