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Stormarn Görtz: Der Autohof in Hammoor kommt
Lokales Stormarn Görtz: Der Autohof in Hammoor kommt
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18:37 06.01.2018
Henning Görtz in seinem Büro in der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe. Der 51-Jährige wuchs in Bargteheide auf, studierte nach dem Abitur in Hamburg und wurde Diplom-Kaufmann. Görtz wurde anschließend Geschäftsführer der CDU Stormarn, danach Referent im Kieler Finanzministerium für den damaligen Minister Rainer Wiegard. 2008 wurde er zum ersten Mal zum Bürgermeister von Bargteheide gewählt. Seit April 2016 ist Henning Görtz Landrat. Er ist verheiratet und wohnt weiterhin in Bargteheide. Quelle: Foto: Mc

Lübecker Nachrichten: 150 Jahre Stormarn. Das Jubiläumsjahr ist nun zu Ende. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Henning Görtz: Durchweg positiv. Ich fand es anfangs sehr ambitioniert, 150 Veranstaltungen zum 150. Jubiläum zu machen und war auch etwas skeptisch, ob dies zu leisten ist. Jetzt bin ich wirklich sehr beeindruckt, wie das alles funktioniert hat und wie wir es geschafft haben, die PS auf die Straße zu bringen. Es war eine große Gemeinschaftsleistung – zum einen aus vielen Bereichen unserer Verwaltung und zum anderen von den Gemeinden sowie den Vereinen und Verbänden. Alles zusammen brachte eine große Vielfalt. Das Oberziel hieß ja, die Stormarner Identität zu schärfen. Und das haben wir geschafft.

LN: Was war Ihr persönliches Highlight?

Görtz: Da möchte ich eigentlich keines nennen, da waren einfach zu viele tolle Aktionen. Aber nehmen wir das Beispiel Stormarn-Bilderbuch, das jedes Kita-Kind in Stormarn geschenkt bekommen hat. Da habe ich viel positives Feedback bekommen, zum Beispiel von den Erzieherinnen, die gemeinsam mit den Kindern geguckt haben, wo ist das eigentlich. Das waren ja alles typische Stormarner Motive, die aber nicht jeder kennt.

LN: Was war sonst gut in 2017, was lief schlecht?

Görtz: Was sich durchweg zunehmend zu einem Problem entwickelt, ist der Fachkräftemangel im Bereich der öffentlichen Verwaltung. Wir haben immer größere Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Je spezieller die Anforderung, desto schwieriger wird es. Das ist kein alleiniges Stormarner Problem, denn im Hamburger Umland ist es generell schwierig, weil hier viele Verwaltungen sitzen und Personal knapp ist. Bei einer Arbeitslosigkeit von 3,3 Prozent können wir eben nicht aus dem Vollen schöpfen. Die Frage, wie wir gut qualifizieres Personal und genügend Auszubildende finden, zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit und hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verschärft.

LN: Deswegen hat der Kreis ja auch eine Ausbildungsoffensive gestartet. Wie ist diese angelaufen?

Görtz: Sehr gut. Wenn wir ausbilden, haben wir es selbst in der Hand, unseren eigenen Nachwuchs zu rekrutieren. Ab Sommer 2018 werden jedes Jahr 16 neue Auszubildende zu uns kommen. Bislang waren es acht bzw. zuletzt zwölf. Hochgerechnet haben wir dann in drei Jahren permanent 48 Leute in Ausbildung und dualem Studium. Das ist eine sportliche Herausforderung für alle Kolleginnen und Kollegen, die mit der Ausbildung befasst sind.

LN: Und was lief gut in 2017?

Görtz: Ich habe das Gefühl, dass der Zusammenhalt hier in der Verwaltung sehr gut ist. Wir haben natürlich nicht immer die absolute Harmonie, aber das Klima ist gut. Und ich freue mich darüber, dass das Stormarner Modell weiterhin so gut funktioniert, also die Zusammenarbeit von Verwaltung, Kreispolitik sowie den Städten und Gemeinden. Das ganze wird natürlich unterstützt durch unsere Schuldenfreiheit, die ich weiterhin als sehr wichtig erachte. Dadurch können wir alle finanziell Dinge stemmen, die woanders nicht möglich sind.

LN: Die Verwaltung wächst noch weiter, die Kreispolitik hat Ihrem Wunsch nach 20 neuen Stellen entsprochen. Wofür brauchen Sie diese?

Görtz: Es sind effektiv nur 14 neue Stellen, sechs sind sogenannte Statusstellen – quasi virtuelle Beamtenstellen, die keine Kosten verursachen. Diese brauchen wir, um flexibler zu sein bei Einstellungen. Die 14 Stellen gibt es, weil die Aufgaben immer mehr werden, zum Beispiel durch Änderungen zum Unterhaltsvorschussgesetz, zum Bundesteilhabegesetz oder zur Trinkwasserverordnung.

Dadurch müssen alle Verwaltungen mehr Leute einstellen. Andere Kreise schaffen sogar bis zu 50 weitere Stellen. Wir brauchen zudem mehr Personal in der Leitstelle oder in der Aufsicht der Pflegeheime, da es durch den demografischen Wandel immer mehr ältere Menschen in Stormarn gibt. Insgesamt finde ich unseren Stellenanstieg vergleichsweise moderat.

LN: Was machen die neuen Stellen finanziell aus?

Görtz: Ich schätze, sie werden etwa 800000 Euro kosten.

LN: Wenn’s ums Geld geht, entscheidet häufig die sogenannte Körbchenrunde. Manche halten diese interfraktionellen Treffen für eine intransparente Kungelrunde. Was antworten Sie diesen Menschen?

Görtz: Als Außenstehender habe ich das früher auch ein bisschen so gesehen. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass bei der Körbchenrunde die Vorteile eindeutig überwiegen. Sie bietet die Möglichkeit, Themen auf Augenhöhe zu diskutieren, bei denen die Fraktionen kein Einvernehmen erzielen konnten. Ohne Körbchenrunde überstimmt die Mehrheit immer die Minderheit, das ist hier nicht so.

Jeder kann sich in einem Bereich durchsetzen, der ihm besonders wichtig ist und macht dafür an anderer Stelle Abstriche. Fraktionen ohne Mehrheit können damit eigene Vorstellungen einbringen. Ich bin sehr beeindruckt darüber gewesen, wie lange diesmal verhandelt wurde. Eine Einigung war schwierig, aber das Einvernehmen war allen sehr wichtig. Die Runde ist auch nicht intransparent und schon gar kein Geschacher, weil in den Fachausschüssen vorher ausführlich und öffentlich über alle Themen diskutiert wird.

LN: Am 6. Mai ist Kommunalwahl. Möglicherweise sitzen dann noch mehr als die jetzigen sechs Parteien im Kreistag. Würden Sie eine Fünf-Prozent-Hürde befürworten, um eine Zersplitterung zu verhindern?

Görtz: Nein, eine Fünf-Prozent- Hürde ist zu hoch und im Kommunalbereich rechtlich ohnehin nicht durchsetzbar. In Nordrhein-Westfalen gab es gerade ein Gerichtsurteil, das sogar eine 2,5-Prozent-Hürde für verfassungswidrig erklärte. Und eine niedrigere Hürde macht keinen Sinn, denn bei etwa 50 Sitzen – wie bei uns im Kreistag – braucht man ohnehin rund zwei Prozent für einen Sitz. Mit Blick auf weitere Parteien müssen wir uns darauf einstellen, dass zum Beispiel die AfD ab Mai auch hier im Kreistag vertreten sein kann. Ich bin mir aber sicher, dass das Stormarner Modell nicht darunter leiden wird.

LN: Stichwort Verkehr: A-21-Ausbau, Autohof Hammoor, Ausbau der Anschlussstellen Ahrensburg und Stapelfeld – welches ist das wichtigste Projekt für Stormarn?

Görtz: Das, was kurzfristig realisierbar ist, sollte man auch schnellstens umsetzen, wie den Ausbau der Abfahrt Stapelfeld. Den können wir ohne Planfeststellung durchführen und deshalb bin ich auch sehr glücklich, dass die Kreispolitik entsprechende finanzielle Mittel freigegeben hat. Wir gehen da in Vorleistung, um das Projekt zu beschleunigen. Das ist eine Abmachung mit dem Kieler Wirtschaftsministerium.

Die anderen Projekte haben alle längere Planungsvorläufe. Deswegen kann man nicht sagen, welches davon am schnellsten gehen wird. Unbedingt notwendig ist der Autohof Hammoor. Wir merken, dass wir verkehrsmäßig in vielen Bereichen an die Grenzen stoßen. Außer an der Raststätte Buddikate, die ständig überlastet ist, haben wir praktisch keine Rastmöglichkeiten für Lkw Im ÖPNV liegt die Priorität eindeutig auf der Realisierung der S 4. Und im Straßenbau ist aus Stormarner Sicht natürlich die A 21 viel wichtiger als die westliche Elbquerung über die A 20. Weil der Verkehr in Hamburg still steht, muss er vorher in Richtung Süden abgeleitet werden. Das wäre möglich mit dem Ausbau der A 21 und einer östlichen Elbquerung bei Geesthacht. Bei Land und Bund haben viele andere Projekte eine höhere Priorität. Aber ich betrachte es als meine Aufgabe, immer wieder auf unsere Anliegen hinzuweisen, denn hier wird halt auch das Geld verdient.

LN: Wie realistisch ist der Autohof in Hammoor? Das Land hat dort Windkraftflächen ausgewiesen. Glauben Sie, dass Sie dort eine Einigung erzielen können?

Görtz: Ich glaube, dass die Vernunft siegen wird. Die Regionalplanung zur Windkraft wurde ja noch einmal neu angegangen, daher werden auch die Argumente nochmal neu gewichtet.

LN: Gleich daneben soll in Hammoor ein neues Rettungszentrum entstehen. Wann rechnen Sie mit der Fertigstellung?

Görtz: Momentan gibt es da Verzögerungen durch den Grunderwerb. Die Gemeinde Hammoor ist dabei, dies zu regeln. Wir sind zudem abhängig von der dortigen Gemeindevertretung, weil Hammoor den Bebauungsplan aufstellen muss und ja auch eine Umgehungsstraße geplant werden soll, die eventuell dieses Gebiet berührt. Ich hoffe, dass wir in 2018 die Planung in trockene Tücher bekommen. Der erste Spatenstich wird aber später erfolgen.

LN: Die Rettungsleitstelle klang auch schon an bei Ihnen. Sie platzt aus allen Nähten. Ein Umzug scheint mittelfristig unumgänglich.

Görtz: Ja, die Rettungsleitstelle wird umziehen müssen. Sie muss größer werden, und das ist am jetzigen Standort in den Räumen unserer Kreisverwaltung nicht mehr möglich. Es laufen derzeit Gespräche mit Lübeck und auch der Polizei. Wir müssen gucken, ob wir mit den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein zu dritt bleiben oder ob wir eine Rettungsleitstelle mit Lübeck schaffen oder sogar noch die Polizei mit ins Boot holen.

LN: Dafür bräuchte man ein großes Gelände . . .

Görtz: Wenn man weiß, was man will, dann werden wir auch die nächsten Fragen beantworten: In welcher Rechtsform betreibt man eine größere Leitstelle, an welchem Standort, wer baut das? Es gibt zur Zeit keine roten Linien, auch nicht bei der ganz großen Lösung.

LN: Stormarn wächst insgesamt, für 2030 sind mehr als 250 000 Einwohner prognostiziert. Laut einer Studie fehlen rund 15.000 Wohnungen. Wie steht es um den Pakt für den Wohnungsbau, den der Kreis mit den Stormarner Städten und Gemeinden anstrebt?

Görtz: Es gibt einige Kommunen, die nicht mitmachen wollen, weil sie befürchten, dass sie ihr Wachstum nicht mehr im Griff haben könnten. Aber zum Beispiel Ahrensburg, Bargteheide, Barsbüttel, das Amt Siek und Reinfeld sind dabei. Es kommen sicher noch einige dazu, denn es fehlen noch mehrere Rückmeldungen. Es macht aber aus meiner Sicht schon jetzt Sinn, das Projekt anzugehen.

Dann wiederum ist die Wohnungswirtschaft am Zug. Wenn man ihr die richtigen Flächen anbietet, ist sie auch bereit Wohnungen zu bauen.

LN: Zum Abschluss: Wie lauten Ihre persönlichen Ziele für 2018?

Görtz: Ich möchte hier weiterhin einen guten Job machen. Ich bin bald zwei Jahre im Amt. Es macht mich froh, dass die Zusammenarbeit so gut klappt und ich das Stormarner Modell – von meinem Vorgänger Klaus Plöger geprägt – gut weiterführen konnte. Und wir haben die schon angesprochenen großen Aufgaben vor der Stirn wie die Bewältigung des Fachkräftemangels oder die Investitionsprojekte.

Als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Holstein habe ich nun auch noch die Aufgabe, an der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden mitzuwirken. Das Institut ist so gut aufgestellt, dass die Aufgabe für gutes Führungspersonal interessant ist. Darum bin ich sicher, dass wir einen guten Nachfolger finden werden.

Interview: Markus Carstens

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