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Grabsteine erzählen Geschichten

Ahrensburg Grabsteine erzählen Geschichten

Auf dem Ahrensburger Friedhof haben viele Prominente ihre letzte Ruhe gefunden.

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Der Grabstein von Hellmuth von Mücke zeigt ein Bild des alten Segelbootes, mit dem von Mücke und seine Männer fliehen konnten. FOTO: B. ALBROD

Ahrensburg. Warum ist ein Segelschiff auf dem Grabstein abgebildet, was hat es mit dem Geweihbild auf einem anderen Stein auf sich und wo liegt der Bezug zu Loriots Film „Ödipussi“? Bernd Reher aus Ahrensburg kennt die Antworten. Wo uneingeweihte Besucher auf dem Ahrensburger Friedhof nur die Namen lesen, kennt er die Biographien dahinter. Schauspieler, Abenteurer oder Künstler: „Auf dem Ahrensburger Friedhof liegen viele über Ahrensburg hinaus bekannte Personen begraben“, hat Reher recherchiert, der im Historischen Arbeitskreis und im Archiv der Schlossstadt mitarbeitet. Mit regelmäßigen Führungen hält er das Andenken an sie lebendig: Jeder Grabstein ist ein Denkmal für den Menschen, dem er gesetzt wurde.

 

LN-Bild

Jürgen Block war Künstler in Ahrensburg. FOTO: STADTARCHIV AHRENSBURG/HFR

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„Auslöser war vor zehn Jahren ein Hinweis auf das besondere Grab von Hellmuth von Mücke“, erinnert sich Reher. Von Mücke war im Ersten Weltkrieg Offizier auf der „SMS Emden“. Als von Mücke am 9.

November 1914 mit 49 Mann an Land einer der Cokos-Keeling-Inseln ging, um dort die Funkstation und ein Funkkabel zu zerstören, wurde die „Emden“ beschossen und vom Kommandanten auf ein Riff gesetzt. Von Mücke saß mit seiner Mannschaft auf der Insel fest. „Im Hafen lag ein kleines Segelboot, von Mücke und seine Männer gingen an Bord und verließen die Insel mit wenig Proviant und ohne Seekarten“, erzählt Reher. Weil das Wasser verdorben war, fingen die Männer Regenwasser auf und schlugen sich so bis Padang durch. Dort durften sie sich nur 24 Stunden aufhalten, bevor sie nach einer Absprache mit einem deutschen Frachter den Hafen wieder verließen.

„Zwei deutsche Seeleute fanden von Mückes Aktion so beeindruckend, dass sie hinter dem Schiff hergerudert sind“, so Reher. „Einer von ihnen, Franz Wilhelm Wellmann, liegt ebenfalls in Ahrensburg begraben.“ Auf See nahm der deutsche Frachter die Truppe auf, die in Arabien an Land ging. Mit einer Karawane durch die Wüste schaffte es von Mücke mit seinen Männern schließlich nach langer Reise zurück nach Deutschland. Er lebte von 1940 an bis zu seinem Tod in Ahrensburg. „Zwei Filme erzählen von dieser Reise“, so Reher. Auf dem Grabstein zeigt ein Relief den alten Segler „Ayesha“. „In Ahrensburg wohnten von Mücke und Wellmann nur einen Kilometer auseinander, aber getroffen haben sie sich nur noch ein einziges Mal.“

Oft gesehen hat man die Schauspielerin Katharina Brauren-Mayerhoff, die in 87 Filmen mitspielte und die Antoinette in den „Buddenbrooks“ verkörperte. „Sie hat auch in „Ödipussi“ und in „Papa ante Portas“ mitgespielt“, sagt Reher. Ein Relief von einem Rentiergeweih kennzeichnet das Grab des Hobby-Archäologen Alfred Rust, der 1930 mit dem Fahrrad bis Syrien fuhr und dort seine erste Ausgrabung in den Höhlen von Yabrud durchführte. Später konnte er im Ahrensburger Tunneltal die Spuren früheiszeitlicher Rentierjäger nachweisen. Aufgrund seiner Mitgliedschaft im NS-Ahnenerbe ist seine Rolle bis heute umstritten.

„Die Kunst von Jürgen Block haben viele schon in der Hand gehalten“, so Reher weiter. Denn der Künstler hat den Türgriff am Ahrensburger Rathaus gestaltet. Auch der Völkerrechtler Otto Rudolf von Laun, der als Retter Hamburgs gilt, liegt in Ahrensburg. „Weil das Lazarett in den Harburger Phönix-Werken 1945 von den Engländern beschossen wurde, ging von Laun mit einer Delegation und weißer Fahne in der Hand zu den Briten. In den Verhandlungen wurde der Weg bereitet, die Stadt kampflos an die Engländer zu übergeben.“ Auf dem Friedhof liegt er neben seinem Vater, der nach dem ersten Weltkrieg der erste Rektor der Hamburger Uni war.

Unweit davon befinden sich zwei Gräber mit demselben Todesdatum 1940: „Das war der damalige Bürgermeister, der zusammen mit einem anderen Mann bei dem Versuch umgekommen ist, eine Bombe zu entschärfen.“ Vorbei geht es an den Gräbern der jüdischen Arztfamilie Rath, an die in der Waldstraße Stolpersteine erinnern, vorbei am Grab eines Mannes, der Opfer des 11. September 2001 im World Trade Center in New York wurde, und weiter zum Grab von Reinhold Platz, der als Flugzeugkonstrukteur bei Fokker unter anderem den Dreidecker „Fokker Dr. I“ konstruiert hat, wie ihn Manfred von Richthofen flog. Heinrich Grone gründete die Grone-Schulen, Ernst Naumann war Verleger und Präsident des HSV. Bernd Reher kennt weitere Gräber, die aber verschwunden sind.

Fotos als Dokumentation

„Viele Gräber gehen verloren, wenn die Laufzeit beendet ist“, bedauert Bernd Reher. „Damit verliert man auch die Geschichten.“ Deshalb setzt er sich seit Jahren für eine Art Friedhof der Grabsteine ein, auf dem historische Steine gesammelt werden sollen, statt als Bauschutt zu enden.

„Einige Steine haben wir schon gerettet", sagt er. Er hat eine Liste mit erhaltenswerten Steinen erarbeitet, aber darüber muss der Friedhofsausschuss im Kirchengemeinderat entscheiden. „Natürlich müssen auch die Angehörigen einverstanden sein“, betont Bernd Reher.

Einige der alten Grabsteine hat er auch fotografiert, um wenigstens die Dokumentation zu haben. Und der Grabstein von Bruno Bröker, ehemals Stadtverordneter in Ahrensburg, wurde erhalten und liegt heute vor dem Jugendfreizeithaus in der Stadt, das seinen Namen trägt.

Bettina Albrod

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