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Stormarn Große Demo gegen Bargteheider Windpark
Lokales Stormarn Große Demo gegen Bargteheider Windpark
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02:21 29.10.2013
Sven Herfurth (am Mikrofon) erläutert den Standpuntk der Initiative „Gegenwind“. Quelle: hfr

Die geplanten drei Windkraftanlagen (WKA), die im Glindfelder Weg in Bargteheide als Bürgerwindpark errichtet werden sollen, rufen immer mehr Gegner auf den Plan. Jetzt hatte die Initiative „Gegenwind“ zu einer Demonstration aufgerufen, an der nach Angabe der Organisatoren knapp 500 Menschen teilnahmen. Mit Plakaten zogen sie vom Utspann- Parkplatz zu einer Kundgebung vor dem Rathaus. Zuvor hatten sie in einem offenen Brief an den Bürgermeister die Verantwortlichen aufgefordert, den Bauantrag für die Anlagen nicht zu stellen. Die Initiative droht mit einer Klage, um den Windpark zu verhindern.

„Bei der Schlusskundgebung vor dem Bargteheider Rathaus gab es viele offene Fragen zu der Vorgehensweise der Stadtverwaltung und Freizeitpolitiker, die ohne Bürgerbeteiligung unter Zeitdruck die WKA durchsetzen wollen“, so Helga Dorer aus der Sprechergruppe von „Gegenwind“. „Bargteheide ist erst sehr spät aufgewacht, aber jetzt bekommen wir viel Zustimmung.“ Über 1000 Mitglieder habe die Initiative bislang, dazu kämen gut 300 Gegner aus Klein Hansdorf und weitere Unterstützer aus Jersbek. Sie kritisieren die Anlagen „direkt vor der Haustür“, sehen den Naturschutz bedroht und fürchten gesundheitliche Schäden durch Infraschall. Weiter mahnt die Bürgerinitiative die ausgebliebene Bürgerbeteiligung an: Hier solle die Stadt statt des vereinfachten Genehmigungsverfahrens ohne Öffentlichkeitsbeteiligung ein reguläres Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung wählen. Die Gegner kritisieren die Gutachten als zu positiv gerechnet und fordern die Stadt auf, den neuesten DIN-Entwurf für die Schallgrenzwerte zugrunde zu legen.

Politiker von CDU, SPD und Grünen bekräftigen ihr Ja zum Bürgerwindpark. Friedrich Westerworth (CDU) verlangt in einem offenen Brief, dass jeder seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten müsse.

„Praktizierter Umweltschutz findet nicht irgendwo, sondern vor der Haustür, im persönlich verantworteten Bereich eines Jeden von uns statt.“ Auch die Grünen bekennen sich zu dem Vorhaben: „Wir sprechen der Stadt unsere Unterstützung aus“. erklärt Wiebke Garling-Witt. „Was uns fehlt, ist die Bürgerbeteiligung als demokratischer Prozess, weil das Baurecht durch die Anmeldung der Fläche schon festgelegt war. Aber die Verwaltung bemüht sich um Transparenz und führt nur aus, was politisch beschlossen wurde.“ Die Grünen begrüßten die Dezentralisierung und die Erzeugung von Strom in der Nähe des Verbrauchers. Peter Anklam (SPD) kritisiert, dass die Art der Kritik die Bürger verunsichere. „Es werden Ängste geschürt, die durch die Gutachten schon widerlegt sind. Hier kann man CO2

-freien Strom mit vier Kilometer Erdkabel für ganz Bargteheide erzeugen. Ich habe lieber Wind vor der Haustür.“ Die Stadt habe ein Klimaschutzkonzept beschlossen. „Wenn der Bürgerwindpark nicht zustande kommt, bauen Investoren mit ihren Interessen.“

FDP und Wählergemeinschaft für Bargteheide (WfB) lehnen den Bürgerwindpark dagegen ab. „Wir sind gegen die Windkraftanlagen“, sagt Renate Mascher (WfB). „Die Nähe zum Naturschutzgebiet wird Probleme geben, und die Nähe zur Wohnbebauung stört uns auch.“ Kritisch sei zudem, dass die Gutachten zum Naturschutz erst am 21. November vorgestellt würden, der Antrag für den Bau der Anlage aber jetzt schon gestellt werden solle. „Wir sind nicht gegen die Windkraft per se, sondern gegen die Windkraft in Bargteheide“, führt Gorch Hannis La Baume (FDP) aus. Mit 800 Meter Abstand stünden die Anlagen zu dicht an der Wohnbebauung. „Alle Institutionen sagen zu den Gesundheitsfragen, dass mindestens zwei Kilometer Abstand gehalten werden sollen. Nur Schleswig-Holstein hat 800 Meter beschlossen“, erklärt La Baume weiter. „Das geht zu Lasten der Bevölkerung.“

Derweil liegt eine Kommunalaufsichtsbeschwerde gegen die Windpark Bargteheide GmbH und Co. KG vor. Das bestätigt Bargteheides Bauamtsleiter Jürgen Engfer. „Die Stadt wurde um eine Stellungnahme gebeten und hat sie auch abgegeben.“ Dabei gehe es um die Beteiligung der Stadt an der Gesellschaft, erklärt Hermann Harder, Fachdienstleiter Kommunales beim Kreis. „Wir sind noch dabei, den Vorgang zu prüfen.“

Bettina Albrod

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