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Stormarn Grün, grün, grün sind alle meine Kleider
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23:14 06.01.2018
Großhansdorf

Bereits als kleines Mädchen begann Nina Göckel ihre ersten Roben zu fertigen. „Mit sechs Jahren habe ich Barbiekleider von Hand genäht.“ Mit zwölf hat sie sich an erste eigene Blusen und Hosen getraut. Der Umgang mit Nadel, Faden und Fingerhut liegt der 33-Jährigen im Blut. Die Großmama war Damenschneiderin in Offenbach, die Großtante Kürschnerin.

Modedesignerin Nina Göckel aus Großhansdorf näht Kleidung und Accessoires für eine bessere Welt. „Noni go green“ heißt das Label der 33-Jährigen.

DIE GRÜNDERIN:

Nina Göckel (33) ist Designerin und alleinerziehende Mutter. Lange arbeitete sie für eine Schneiderei. Nebenbei vertrieb sie eigene Entwürfe. Nach

einer Erkrankung musste sie

den Job vorerst aufgeben.

Jetzt noch bewerben: LN-Existenzgründerpreis 2018

DIE IDEE:

Immer mehr Menschen legen Wert auf ressourcenschonende Produkte. „Noni go green“ will faire, nachhaltige Mode anbieten, die nicht verstaubt-ökig, sondern schön ist und in liebevoller Handarbeit entsteht.

„Mir wird immer mehr bewusst, was für ein Schatz mir mitgegeben wurde. Mit 17 hat meine Oma mir beigebracht, wie man Ärmel richtig einnäht. Bestimmt 50 mal musste ich alles wieder auftrennen, weil es noch nicht perfekt war. Aber danach konnte ich es“, erinnert sich die Großhansdorferin.

Ausbildung mit Bestnote

In Offenbach hat Nina Göckel ihr Fachabitur gemacht – auf einer Schule für Textiltechnik und Bekleidung mit der Abschlussnote eins. Anschließend besuchte sie eine private Modeschule in Düsseldorf.

Auch diese Ausbildung schloss sie mit Bestnote ab. Danach zog die Designerin nach Hamburg. Beim Modelabel Paul und Piske im Schanzenviertel bewarb sie sich. „Ich kann alles, mache alles und brauche auch kein Geld.“ Damit hatte sie ihren Praktikumsplatz gesichert. „Nach drei Wochen fragte mich die Chefin, ob ich nicht fest anfangen möchte.“ Fünf Jahre arbeitete Göckel in dem Modeladen. Nebenbei fertigte sie eigene Entwürfe, die sie auf Märkten vertrieb.

Dann gab es einen Einbruch in Nina Göckels Leben. Nach K.o.-Tropfen-Erfahrungen wurde sie aus der Bahn geworfen. Posttraumatische Belastungsstörungen, Burnout. Die junge Frau musste ihren Job aufgeben. Dreieinhalb Jahre arbeitete sie sich in ihr Leben zurück. Dann wurde sie schwanger, Tochter Nora wurde geboren. Als ihr Baby ein halbes Jahr alt war, zogen Mutter und Tochter von Hamburg nach Großhansdorf. „Hier habe ich den Raum gefunden, mich so zu entfalten, wie es meiner Berufung entspricht“, so die junge Alleinerziehende. Eine kleine Dachgeschosswohnung hat sie perfekt für die Bedürfnisse der kleinen Familie hergerichtet. Inklusive Nähstube mit selbst gezimmerten Einbauschränken, in denen sie ihre vielen Stoffe und Schnittmuster verstaut. „Sogar ein Atelier habe ich“, so die Designerin.

Ökologischer Fußabdruck

Den Garten vor der Tür hat Nina Göckel in ein kleines Paradies verwandelt, in dem sie alte Gemüsesorten anbaut. „Denn ich möchte meinem Kind vermitteln, dass jeder etwas tun kann, um seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern.“ Die erschreckenden Resultate der Wegwerfgesellschaft hätten ihr die Augen geöffnet. Selbstversorgerin zu sein, das sei ihr Traum.

Nina Göckel sah ihren Beruf als Modeschöpferin plötzlich auch mit anderen Augen. Zwischenzeitlich wollte sie ihn sogar schon an den Nagel hängen. „Jedes Vierteljahr oder sogar monatlich eine neue Mode-Kollektion. Das ist alles andere als fair und nachhaltig.“ Doch dann kam ihr eine Idee: „Ich mache mich selbstständig mit Kleidung und Accessoires, die ökologisch verträglich sind.“ Nina Göckel nahm an einem Kursus der IHK teil, der sie auf die Existenzgründung vorbereitete.

Im Mai 2017 begann sie, ihren Business-Plan zu erstellen, in dem sie ihre Ziele und die Schritte zur Umsetzung formulierte. So möchte sie im ersten Geschäftsjahr von „Noni go green“ – Noni ist zusammengesetzt aus Nora und Nina – Frauen- und Kinderkleidung sowie Accessoires anbieten. Auch Wachstücher zum nachhaltigen Verpacken von Lebensmitteln als Alternative zu Plastik stehen bei ihr im Fokus.

Große Investitionen muss Nina Göckel dafür zunächst nicht tätigen. „Ich habe sehr viele Lagerbestände – von meinem bisherigen Label ,Subfashion‘ und Stoffe, die ich von meiner Großtante geerbt habe.

Damit werde ich erst einmal arbeiten. Upcycling – das ist auch ressourcenschonend. Von den Überschüssen, die ich erwirtschafte, kaufe ich nach und nach faire Bio-Stoffe ein.“ Später soll es auch Männermode geben mit Shirts und Accessoires. „Da mir praktische Dinge am Herzen liegen und ich gern mit Jutebeutel und Stoffrucksack bewaffnet in den Supermarkt gehe, werde ich eine eigene Kollektion für Verpackung und Transport entwerfen“, so Göckels Pläne.

Langfristig ist für „Noni go green“ die Fertigung von Kleidung und Accessoires aus regionalen Hanf-, Leinen- und Nesselstoffen aus biologischem Anbau geplant, die sie auf Maß schneidern möchte. Dabei will Nina Göckel nicht Modeströmungen hinterherlaufen, sondern zeitlose, langlebige Lieblingsstücke schneidern. „Design zum Liebhaben soll es sein, das Jahrzehnte überdauern kann“, sagt sie.

Zum achten Mal loben die Lübecker Nachrichten einen Preis für mutige Firmengründer aus.

Für die Verleihung des LN-Existenzgründerpreises im Frühjahr 2018 können Sie sich jetzt bewerben. Teilnahmeberechtigt sind volljährige Existenzgründer mit Unternehmen, die nach dem 1. Januar 2014 gegründet wurden und ihren Sitz im Raum Lübeck haben. 5000 Euro gibt es für den Existenzgründerpreis, gestiftet von Juwelier Mahlberg, 3000 Euro für den LN-Innovations- und Mutpreis für eine ungewöhnliche Geschäftsidee.

Bewerber fordern die Unterlagen

unter existenzgruenderpreis@

LN-Luebeck.de an oder:

www.LN-existenzgruenderpreis.de

Regionales Netzwerk

Klasse statt Masse – damit soll sich die Mode von „Noni go green“ abheben. „Faire Biolabels erfreuen sich auch in der Mode wachsender Beliebtheit“, so Göckel. Meist seien diese aus Baumwolle gefertigt, die die heimischen Faserpflanzen wie Hanf, Leinen oder Brennnessel verdrängt hätten, aus denen früher wunderbare Stoffe gewonnen wurden. „Diese Stoffe möchte ich neu in Szene setzen und ins Bewusstsein der Menschen zurückholen.“ Ihr großer Traum: ein Netzwerk von lokalen Produzenten aufzubauen – mit Landwirten, Spinnerei, Weberei, Färberei. Auch alte Blaudrucke würde sie gern wieder beleben.

Als Vertriebswege will sich Nina Göckel zunächst auf Märkte konzentrieren, wo sie Kontakt zu den Kunden aufbauen kann. Als zweiten Vertriebsweg möchte sie auf ihrer Website einen Shop integrieren. Dazu ist am Ende des ersten Geschäftsjahres eine Boutique geplant, die Teile der Kollektion mitverkaufen kann.

Britta Matzen

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