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Grüne Damen: Zuhören ist wichtiger als das Reden

Reinbek Grüne Damen: Zuhören ist wichtiger als das Reden

22 Ehrenamtlerinnen engagieren sich im Reinbeker St. Adolf-Stift für die Patienten – dienstags und donnerstags besuchen sie die Erkrankten auf den Stationen.

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Die Grünen Damen im Reinbeker Krankenhaus St. Adolf-Stift geben den Patienten Zeit und Raum.

Quelle: Fotos: K. Kuhlmann-Schultz

Reinbek. Sie klopft leise an die Tür bevor sie einen Raum betritt – immer. Erst danach betrifft Lieselotte Thomas ein Krankenzimmer auf Station drei im Reinbeker St. Adolf-Stift. Jeden Donnerstagvormittag macht sie das so.

 

LN-Bild

Auch Bücher bekommen Patienten bei Lieselotte Thomas.

Quelle:
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Lieselotte Thomas tauscht sich mit Schwester Lillia genannt Lilly aus.

Quelle:
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Auch Bücher bekommen Patienten bei Lieselotte Thomas.

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Lieselotte Thomas tauscht sich mit Schwester Lillia genannt Lilly aus.

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Sie ist eine von 22 Grünen Damen in dem Krankenhaus. Eine Ehrenamtlerin, die sich Zeit für die Patienten nimmt, die sich ihre Sorgen und Nöte anhört, die kleine Besorgungen am Kiosk macht, Bücher aus der Bibliothek holt oder die Kranken im Rollstuhl durch den Garten fährt. 2003 hat die agile mittlerweile 76-Jährige als Grüne Dame in Reinbek angefangen. „Ich wollte als junges Mädchen Krankenschwester werden, aber meine Eltern haben das nicht unterstützt. Ich in dann Handelslehrerin geworden“, erzählt sie. Und hat sich erst mit dem Eintritt in den Ruhestand dem Krankenhaus wieder zugewandt. „Ich hatte schon immer die Vorstellung, wenn du aus der Schule kommst, dann machst du das.“

Keine Minute ihres ehrenamtlichen Einsatzes hat Thomas bisher bereut. In Erinnerung an ihren Einstieg erklärt sie: „Die Atmosphäre im Krankenhaus hat mir sofort gefallen und auch die Herzlichkeit in der Gruppe.“ In der Gruppe der Grünen Damen. Davon gibt es gleich zwei in Reinbek, eine Gruppe betreut die Patienten am Dienstagvormittag, die andere am Donnerstagvormittag. Beide Gruppen eint, dass sie gerne wieder mehr Mitstreiterinnen hätten.

Zur Zeit kümmern sich 22 Frauen um die Patienten auf zwölf Stationen. „Viele, die mit mir angefangen haben, sind schon gar nicht mehr dabei“ bedauert Thomas. „Aber ich hänge daran. Der Donnerstag ist mein Jour fixe.“ Im grünen Kittel – daher die BezeichnungGrüne Damen – ist Lieselotte Thomas auf ihrer Station Drei unterwegs. Kommunikativ aber nicht aufdringlich geht sie auf die Patienten zu. Die Kunst ist, sich zurückzunehmen, Zuhören ist in diesem Ehrenamt wichtiger als Reden. Dem Patienten Raum und Zeit zu schenken, das ist, was zählt. „Was man hier braucht, ist eine stabile Gesundheit und man muss seelisch robust sein“, erklärt Lieselotte Thomas. Es sei kein Ehrenamt für Sensibelchen, obwohl „wir alle sensibel sind“. Das leuchtet ein. Bekommen die Grünen Damen doch Einblicke in die Seelen der Patienten. Dabei ist alles vertraulich, nichts von den Gesprächen dringt nach Draußen.

Es ist ein Geben und Nehmen

Kontaktfreude sollten interessierte neue Damen also mitbringen, rät sie. „Man weiß nie, was einen hinter der Tür erwartet, die man gerade öffnet.“ Denn selbst wenn Lieselotte Thomas bei den Stationsschwestern vorgefühlt hat, bestimmen die Patienten den Inhalt des Gesprächs. Klassischen seelsorgerischen Beistand erhalten die Kranken von den Frauen nicht, dafür gibt es im St. Adolf-Stift zwei hauptamtliche Seelsorger. Aber „ich höre mir an, was die Menschen zu sagen haben, ich gebe ihnen meine Zeit und gebe ihnen Raum.“

Manchmal erzählten die Erkrankten Dinge, die sie noch nicht einmal ihren Familien anvertrauten. Einfach um die Ehefrau, die Kinder oder den Partner nicht zu belasten. Manchmal gerate man durchaus an seine Grenzen. Aber es sei eigentlich, so formuliert es die Wentorferin, ein Geben und Nehmen. „Und das ist sehr bereichernd, man bekommt so viel zurück. wenn ich nach Hause fahren, dann bin ich kaputt, aber sehr erfüllt.“ Sie bewundere bei Patienten, die einen schwierigen Heilungsprozess durchliefen, immer wieder die Geduld, die viele mitbrächten. „Ich lerne hier so unheimlich viel“, Patienten seien oft gute Vorbilder. Seitdem Lieselotte Thomas als Grüne Dame im Krankenhaus arbeitet, „lebe ich sehr viel bewusster. Und das geht nicht nur mir so, es geht uns allen so“.

Sie spricht klare Worte für ihre 22 Mitstreiterinnen. Und wünscht sich, dass sich wieder neue Frauen finden, die ehrenamtlich im Krankenhaus agieren wollen. „Wir waren mal 30 Frauen“, rechnet Thomas nach. Und macht das Amt, das interessierte Frauen nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren bekleiden können, schmackhaft: Es gibt Fortbildungen unter anderem im Kloster Nütschau, einmal im Monat eine professionelle Supervision, um mit dem Erlebten besser umgehen zu können.

Das St. Adolf-Stift finanziert das, genauso wie das Mittagessen oder eventuell anfallende Fahrtkosten und natürlich die grünen Kittel, das Erkennungszeichen der Grünen Damen. Auch Lieselote Thomas ist damit weiter unterwegs und klopft leise an die nächste Tür auf Station Drei im Reinbeker St. Adolf-Stift.

Die Grünen Damen

Grüne Damen haben jeweils eine feste Station, auf der sei einmal in der Woche vormittags, dienstags oder donnerstags ihren Dienst versehen. Interessierte sollten deshalb – außer bei Urlaub oder Krankheit – jede Woche am gleichen Wochentag von morgens neun Uhr bis mittags Zeit haben.

Wer Lust hat, sich zu bewerben, kann sich bei Christiane Schröder, Leiterin der Gründen Damen, montags bis freitags zwischen 12 und 14 Uhr sowie 18 und 20 Uhr unter 040/7208579 melden. Nach einer Einarbeitung folgt eine dreimonatige Probezeit.

 K. Kuhlmann-Schultz

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