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Stormarn Gruppe für trauernde Eltern
Lokales Stormarn Gruppe für trauernde Eltern
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16:09 24.11.2018
Gunda Reuter, Bernd Mutzeck und Gundula Thilker (v. l.) organisieren die Trauergruppe für verwaiste Eltern in Reinfeld. Einmal monatlich bieten jeweils zwei von ihnen ein offenes Treffen im Gemeindehaus an. Quelle: Rose-Oertel
Reinfeld

Ein Ort, an dem verwaiste Eltern trauern können: Den haben zwei Trauerbegleiterinnen und ein Psychologe im Gemeindehaus der Ev.-Luth. Kirche Reinfeld geschaffen. Am kommenden Mittwoch laden sie Betroffene herzlich zum nächsten Treffen ein.

Bereits im August gab es das erste Treffen der Gruppe. „Bisher haben wir aber leider kaum Zulauf gehabt“, sagt Trauerbegleiterin Gunda Reuter. „Deshalb wollen wir unser Angebot bekannter machen.“ Ausdrücklich seien auch Interessierte in ganz Stormarn oder außerhalb angesprochen. „Viele Trauernde wollen eine solche Gruppe nicht in ihrem Heimatort besuchen“, weiß die 50-jährige Logopädin aus eigener Erfahrung.

Vor fünf Jahren verlor Gunda Reuter ihren Sohn. Er starb im Alter von 13 Jahren an plötzlichem Herztod. „Nach zwei, drei Monaten habe ich mir eine Gruppe außerhalb Reinfelds gesucht“, erzählt sie, „weil ich einfach reden musste.“ Familie und Freunde wollte sie jedoch nicht zu sehr mit ihrer Trauer belasten. In Bad Segeberg fand sie damals eine Trauergruppe, die ihr sehr geholfen habe. „Dort war es nicht schlimm, wenn man weint“, so Gunda Reuter. „Ich konnte so sein, wie ich war und wie ich mich gefühlt habe.“ Bis heute habe sie zu einzelnen Teilnehmenden noch Kontakt.

„Jeder Mensch trauert anders“

Die Wege von Gunda Reuter, Gundula Thilker und Bernd Mutzeck kreuzten sich über die Kirchengemeinde Reinfeld und die ehrenamtliche Hospizarbeit der beiden Frauen. Gundula Thilker, heute selbstständige Pflegeberaterin, ist schon früher als Leiterin eines Seniorenheims viel mit dem Tod in Berührung gekommen. „In Hamburg habe ich dann eine zweijährige Ausbildung am Institut für Trauerarbeit gemacht und engagiere mich seitdem in der Hospizarbeit“, so die 60-Jährige. Auch Gunda Reuter absolvierte eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin. Psychologe Bernd Mutzeck (68) ist inzwischen Rentner, ist im Mitglied im Kirchenvorstand und hat eine Fortbildung zum Sterbebegleiter gemacht. „Ich interessiere mich für das Gebiet“, so Mutzeck, und möchte gerne anderen Menschen helfen, sich in ihrer Trauer zu öffnen.“ Dabei betont er: „Wir machen nur ein Angebot, niemand soll sich zu etwas gedrängt fühlen.“

Jeder Mensch trauere anders, weiß Bernd Mutzeck, und nicht jeder Mensch könne gut über seine Gefühle sprechen – vor allem Männer nicht. Auch das ist in der Trauergruppe in Ordnung. „Wir bieten einfach nur einen geschützten Rahmen, wo man sich gehen lassen kann“, sagt Gundula Thilker. Gunda Reuter ergänzt: „Die Trauergruppe ist ein Ort, wo man sich bewusst mit dem verstorbenen Kind auseinandersetzt.“ Eine Hilfe seien dabei bestimmte Rituale. „Unsere Treffen haben einen bestimmten Ablauf“, erklärt Gunda Reuter. Zu Beginn werde ein Segen gelesen. Die Eltern können dann eine große Kerze mit den Namen der Kinder beschriften. Zusätzlich zünden sie ein Teelicht für ihr Kind an, dabei wird der Name des Kindes laut ausgesprochen. „Wir bauen immer etwas Kreatives mit ein“, so Gunda Reuter. „Es tut gut, etwas mit den Händen zu tun“, erklärt sie, „die Worte kommen dann leichter.“ So könne auch zur Erinnerung an das Kind eine individuelle Kerze gestaltet werden. Oder aber es werde ein symbolischer kleiner Anker gebastelt. Zum Abschluss wird erneut ein Segen gelesen.

Jeder ist willkommen

Die Gruppe, die immer zu zweit geleitet wird, ist nicht konfessionell gebunden. Jeder und jede ist willkommen – auch, wenn der Tod des Kindes schon länger zurückliegt. Denn, das wissen die engagierten Ehrenamtler: Die Zeit heilt nicht alle Wunden, und Trauer vergeht nicht. Sie verändert sich nur. „Das sei auch gut so“, sagt Gundula Thilker: „Dann ist der Mensch noch da.“

Oda Rose-Oertel

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