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Stormarn „Gut leben statt viel haben“
Lokales Stormarn „Gut leben statt viel haben“
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21:51 02.03.2018
Tremsbüttel

Michael Eich, Leiter des Stormarner Haspa-Teams, berichtete zur Einleitung von einem Erlebnis, das er kürzlich mit seinem neunjährigen Sohn hatte. Dieser sagte nach einer Fernsehsendung über autonomes Fahren, dass er ja gar keinen Führerschein mehr machen müsste. Interessante Feststellung, die Opaschowski jedoch nicht so teilen wollte.

 

Zukunftsforscher Horst Opaschowski sprach in Tremsbüttel vor Unternehmern. Quelle: Foto: Mc

Dafür hatte der renommierte Hamburger Zukunftsforscher den etwa 200 Unternehmern aus Hamburg und Stormarn zehn Trends für die kommenden Jahre mitgebracht. Zu Beginn stellte Opaschowski fest, dass die Deutschen zwar nicht mehr so viel Angst wie früher hätten, dafür aber verstärkt in Sorge seien vor sozialem Unfrieden und einer immer unberechenbareren Welt. Daher werde die eigene Sicherheit zur neuen Freiheit.

Eine überraschende Zahl präsentierte der 76-Jährige dem Publikum zur deutschen Bevölkerung. Ohne jegliche Zuwanderung wäre Deutschland bereits deutlich geschrumpft und hätte irgendwann nur noch gut 50 Millionen Einwohner statt wie momentan 82 Millionen. Daraus leitet Opaschowski einen weiteren Zukunftstrend ab: Toleranz als Standortfaktor.

Den digitalen Wandel betrachtet der Experte skeptisch. „Er macht die Welt nicht besser. Im Gegenteil, Netzkontakte verdrängen Freundschaftsbeziehungen, das Leben wird vielleicht beziehungsärmer.“

Irgendwann folge darauf jedoch der private Internet-Ausstieg, der Neuheitseffekt werde langweilig; Inhalte zählten wieder mehr. Opaschowski prophezeit eine neue Lust auf Familie, Beständigkeit gehe vor Individualität.

Interessiert horchten die mehrheitlich männlichen Zuhörer auf, als der Forscher auf die Arbeitswelt zu sprechen kam. Die werde immer weiblicher, immer mehr Frauen drängten in Führungspositionen. Gute Nachrichten hat Opaschowski für ältere Arbeitnehmer: Die würden von der Wirtschaft wieder verstärkt gebraucht, Opaschowski spricht von einem Re-Start mit 50. Und die Menschen würden gerne noch viel länger arbeiten als bis zum gesetzlichen Rentenalter, um gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren.

„Das gefühlte Alter koppelt sich vom echten Alter ab. Die Leute wollen für immer 40 sein. In diesem Jahr Geborene können damit rechnen, 100 Jahre alt zu werden.“ Daher werde auch die Gesundheit zur neuen Zukunftsreligion. Nicht umsonst würden Apple und Amazon eigene Gesundheitszentren schaffen. Man wolle gut leben statt viel haben. Opaschowski: „Das soziale Wohlergehen wird wichtiger als der Wohlstand.“

 Markus Carstens

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