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Stormarn Gutachter: Gewalttäter ist nicht geisteskrank
Lokales Stormarn Gutachter: Gewalttäter ist nicht geisteskrank
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20:17 26.02.2016
Der Angeklagte wurde wieder in Handfesseln vorgeführt. Zur Sicherheit bekam er während der Verhandlung noch Fußfesseln. Quelle: Uwe Krog
Folgt die Erste Große Strafkammer am Lübecker Landgericht dem psychiatrischen Gutachter im Schlackgabel-Prozess gegen einen 23-jährigen Leiharbeiter in der Müllverbrennungsanlage von Stapelfeld, dann wird der Mann mit Strafmilderung wegen verminderter Schuldfähigkeit oder Schuldunfähigkeit kaum zu rechnen haben.

„Der Angeklagte leidet an einer Störung des Sozialverhaltens.“

Der psychiatrische Gutachter

Auf versuchten Mord und schweren Raub lautet die Anklage. Im Juni vergangenen Jahres soll er einem 59-Jährigen eine Schlackgabel in den Kopf gerammt haben. Das Opfer sitzt heute im Rollstuhl und hat nach Ansicht der Ärzte kaum eine Chance, jemals wieder ein normales Leben zu führen.

„Es gibt keine Hinweise auf eine schizophrene Erkrankung“, führte der Psychiater aus, nachdem er das Familienleben des Angeklagten ausführlich beschrieben hatte. Das Leben einer Familie, die 2004 in den Kosovo abgeschoben worden war und vor zehn Jahren von nach Deutschland zurückkehrte.

Mit neun habe er angefangen zu rauchen, mit elf Jahren sei er ein erstes Mal betrunken gewesen, berichtete der Psychiater aus der Exploration des Mannes. Dennoch, und das sei bei einer solchen Sozialisation bemerkenswert, habe er trotz der Vernachlässigung einen erweiterten Hauptschulabschluss geschafft und eine Berufsschule besucht. „Das spricht für eine intelligente Leistungsvoraussetzung.“ Drogenkonsum, Alkohol, ein auf sich selbst gestelltes Leben, der „instabile Rahmen in der Kindheit“ hätten zu einem „erzieherischen Hohlraum“ geführt. Der Arzt zitierte aus anderen nervenärztlichen Untersuchungen, in denen er keine Hinweise auf die vom Angeklagten selbst vorgetragene Krankheit gefunden habe. Er habe keine paranoiden Züge entdecken können. Er gehe davon aus, dass die Stimmen von Dämonen, die er angeblich höre, vorgespielt seien. Schwachsinn oder eine andere psychiatrische Erkrankung oder Abhängigkeit von Drogen seien nicht zu erkennen. Vielmehr leide der Mann an einer Störung des Sozialverhaltens, an Normlosigkeit.

Diese Normlosigkeit demonstrierte der 23-Jährige am gestrigen Verhandlungstag allerdings mehrfach, er beschimpfte das Gericht und selbst seinen Anwalt, er spuckte das ihm gereichte Wasser auf den Boden. Als der Psychiater die Grillabende der kosovarischen Familie erwähnte, sprang der Forkenstecher auf, deutete auf jede Person im Gerichtssaal und sagte, dass keiner von ihnen zu einem solchen Fest eingeladen werde. In einer Verhandlungspause dann reagierte einer der Beteiligten so: „Ich wäre auch nicht hingegangen.“ Das Urteil fällt Mitte März.

Uwe Krog

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