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Gutsherr mit Sinn fürs Moderne

Höltenklinken Gutsherr mit Sinn fürs Moderne

Landwirt Rüdiger Knapp will mehrere Standbeine aufbauen, um das Herrenhaus Höltenklinken zu unterhalten.

Höltenklinken. Ein Besuch in Höltenklinken mutet wie eine Zeitreise an. Vögel zwitschern, Bäume rauschen, das Korn wiegt sich im Wind. Mitten durch den beschaulichen Ort verläuft eine Allee, die links und rechts von Kastanien gesäumt ist. Wer hier entlang schlendert, landet auf dem Gelände des Guts Höltenklinken. Zwei große Hofhunde stürmen auf die Besucher zu und begrüßen sie schwanzwedelnd. „Normalerweise beißen sie nicht“, meint Rüdiger Knapp (37) lachend, der gerade mit seinem Geländewagen angefahren kommt.

Wegen seiner Lage zwischen Hamburg und Lübeck, seinen guten Ackerböden und der Wasserkraft der Süderbeste war Gut Höltenklinken immer schon eine gefragte Adresse. So oft wie kaum ein anderes Gut in Schleswig-Holstein hat es den Besitzer gewechselt. Sievert Swyn war Anfang des 16. Jahrhunderts der erste, dem Höltenklinken gehörte. Danach folgten mit den Rantzaus, den Buchwaldts oder den Rathlows bekannte Adels- und Ritterfamilien des Nordens. Auch die Stadt Kiel war für einige Jahre Besitzer des Gutes. 1892 kaufte Oskar Julius Stachow das Gut. Er ließ das alte Herrenhaus mit nur einer Etage und Dachgeschoss abreißen und den heutigen Bau im Renaissancestil errichten.

1926 kaufte Konrad Meyer, der Großvater von Rüdiger Knapp, von seinem Erbe das Gut. Er war Landwirt und Sprössling einer Schokoladenindustrie. „Mein Großvater war auch als Landtagsabgeordneter in Kiel tätig und hat dort den Kreis vertreten“, so Knapp. Im Dorf werde gemunkelt, dass Höltenklinken nur deswegen einen Autobahnanschluss bekommen habe, damit sein Großvater schneller nach Kiel düsen könne. Doch das sei laut Knapp frei erfunden. 1972 ging das Gut an Meyers Tochter Christiane und Schwiegersohn Adolf-Wilhelm Knapp über. „2006 habe ich es übernommen, zehn Jahre und zehn Monate bin ich jetzt dabei“, erzählt Rüdiger Knapp, der mit Mutter, Großmutter, einigen Angestellten und seinen zwei Hunden „Briska“ und „Lino“ die über 30 Zimmer im Herrenhaus bewohnt.

Wie ist es, wenn man in so einem Riesenhaus aufwächst? „Toll. Man rutscht mit Kissen die Holztreppen runter, hat ein eigenes Spielzimmer, in dem die Playmobil-Eisenbahn ganzjährig stehen bleiben kann, und man läuft nicht so schnell gegen Wände, weil wir große Räume haben.“ Ansonsten müsse er sehen, wie er den Berg Arbeit hinbekomme. „Was ich aber nicht als Last, sondern als Herausforderung ansehe.“

Gerade ist Knapp dabei, seine 550 Jahre alten Eichen im Park zu begutachten. Dicke Äste sind bei den Stürmen im Frühjahr abgebrochen, einer der Eichenstämme ist mittig geborsten und klafft weit auseinander. „Die Bäume haben keine Kraft mehr. Ewig kann man wohl nicht am Alten festhalten. So schafft man auch nichts Neues und steht dann da mit seinem Talent“, meint der Gutsherr und blinzelt dabei ins Grün. Für den Fall, dass die Bäume nicht zu retten seien, müsse er überlegen, was er stattdessen anpflanze. „Deutsche Eichen werden immer öfter vom Prozessionsspinner befallen. Vielleicht entscheide ich mich für eine andere Baumart, die besser mit dem Klimawandel zurecht kommt.“

Das Haus zu unterhalten, sei für den Höltenklinkener die größte Herausforderung. Deshalb versuche er, mehrere Standbeine zu etablieren. 1400 Mastplätze hat Rüdiger Knapp landwirtschaftlich in Betrieb. „Da streichel ich dreimal im Jahr 1400 Ferkel groß und führe sie der Fleischvermarktung zu.“ Zudem nennt er 160 Hektar Ackerfläche sein eigen, auf der er Raps, Weizen, Gerste und Zuckerrüben anbaut. „Unser Getreide wird komplett an die Schweine verfüttert.“ Daneben verpachtet der Gutsbesitzer 40 Hektar Grünland. „Weil wir keine Rinder haben.“ Momentan entwickelt Knapp Geschäftsideen für die Nutzung seines Parks oder für die Vermietung von Lagerräumen. „Schließlich muss ich überlegen, wie ich das hinkriege, dass ich ein neues Dach bekomme oder den Kasten neu anstreiche. Ziele kann man ja mal entwickeln. In ein paar Jahrzehnten kann ich mich immer noch fragen, welche Aufgaben schaffe ich und welche vertraue ich der nächsten Generation an.“

Ansonsten sei er mit Herz und Seele mit Höltenklinken verwachsen. „Höltenklinken ist für mich der Nabel der Welt – mein Lebensmittelpunkt.“ Als Knapp 18 wurde, da wollte er „die große Freiheit genießen. Weg von den Eltern“, erinnert er sich schmunzelnd. In die Arbeiterkate sei er gezogen – ganze 500 Meter vom Gutshaus entfernt. Fünf Jahre habe er dort gut gelebt. Als seine Großmutter sich bereit erklärte, ihm ihre große Wohnung zur Verfügung zu stellen und selbst in kleinere Gemächer auszuweichen, zog es den jungen Gutsherrn letztlich aber doch wieder in sein Geburtshaus zurück.

Bedauerlich findet es Knapp für den Ort Höltenklinken, dass der Siedlungsentwicklungsplan sein Hauptaugenmerk auf Rümpel gelegt hat. „Rümpel agiert eigennützig. Ich finde, das müsste man paritätisch entwickeln, damit auch andere partizipieren“, so der Landwirt, der auch als CDU-Gemeindevertreter tätig ist. Außerdem träumt er von einem kleinen Windpark in Höltenklinken. „Vier Windkraftanlagen sollten Richtung Fischbek aufgestellt werden. Der Plan wurde auch vom Gemeinderat unterstützt.“ Aber dann seien die Pläne durch die Landesentwicklungsplanung gekippt worden. „Eine glatte Neun ist das“, ärgert sich Rüdiger Knapp. „Die Gewerbesteuereinnahmen wären ausschließlich Rümpel zu Gute gekommen.“

Britta Matzen

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